22.01.2020 09:01 |

Robo-Auto-Pionier:

„Lufttaxis in weniger als zehn bis 15 Jahren“

Roboterauto-Pionier Sebastian Thrun will nun mit Lufttaxis den Verkehr in Großstädten revolutionieren. „Die Vision sind Taxis, mit denen man zur Arbeit fliegen wird, statt zur Arbeit zu fahren“, sagte Thrun auf der Innovationskonferenz DLD in München. „Das klingt verrückt - aber das ist es nicht.“

Der aus Deutschland stammende Thrun stand vor über zehn Jahren an den Anfängen von Googles Roboterwagen-Programm. Aktuell ist er Chef der Firma Kitty Hawk, die elektrische Flugmaschinen entwickelt. Bis zum Betrieb dieser Lufttaxis würden weniger als zehn oder 15 Jahre vergehen, sagte Thrun der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings brauche die Zertifizierung für den Flugbetrieb zwei oder drei Jahre. Kitty Hawk sei dabei, die Fertigung in Griff zu bekommen und das System sicherer zu machen. „Wir sind überhaupt noch nicht auf der Sicherheitsstufe, auf der wir sein müssen“, sagte Thrun mit Blick auf die rigorosen Anforderungen in der Luftfahrt-Branche.

Acht Motoren und Fallschirme
„Es gibt keinen Grund, warum wir nicht sicher sein sollten“, betonte der Informatiker, der in das Projekt seinerzeit ohne vorherige Luftfahrt-Erfahrung ging. So habe das neue Modell Heavyside acht Motoren - „wenn einer ausfällt, kein Problem“. Außerdem seien Fallschirme vorgesehen, die auf einer Höhe von 30 Metern griffen.

Zur Vision gehört, dass die Maschinen autonom fliegen. Das sei in der Luft leichter umzusetzen als auf der Straße, sagte Thrun. Kitty Hawk wolle zumindest am Anfang auch einen eigenen Flugtaxi-Service haben - „weil es im Moment keinen gibt, der das für uns betreiben könnte“. Bei Ubers geplanter Lufttaxi-Plattform Elevate will die Firma nicht mitmachen - weil man unterschiedliche Auffassungen von dem Geschäft habe. Erst vor wenigen Tagen hatte der südkoreanische Autobauer Hyundai den Prototypen eines Flugtaxis vorgestellt, das auf der Uber-Plattform eingesetzt werden soll.

Probleme mit Eis, Wolken und Nebel
Lufttaxis könnten die Städte nicht nur durch die Entlastung des Verkehrs auf dem Boden verändern, sagte Thrun. „Was vielleicht passieren wird, wenn das wirklich massiv eingesetzt wird, ist, dass die Städte größer werden“ - weil Entfernungen schneller zurückgelegt werden können. „Von den Städten, mit denen wir geredet haben, möchte jede die erste sein.“ Wichtig seien viele Landeplätze. Die Maschinen können senkrecht starten und landen.
Die Technik hat allerdings ihre Einschränkungen. So sei die Eisbildung ein Problem: „Da würden wir im Moment auf keinen Fall fliegen.“ Auch in Wolken oder Nebel fliege Kitty Hawk nicht rein.

Eine zentrale Rolle für das Geschäftsmodell spiele dabei, wie langlebig die Maschinen seien und wie viel Wartung sie benötigten. „Wenn es ein Jahr lebt, sind die Kosten des Geräts der absolut dominierende Faktor, wenn es zehn Jahre lebt, ist es relativ egal, was es kostet“, gab Thrun zu bedenken. Zudem seien die Maschinen mit ihren einfachen Elektromotoren auch günstig in der Wartung. Die Batterien könnten binnen zehn Minuten aufgeladen werden.

Die Prototypen der Kitty-Hawk-Flieger kosten noch zwischen 100.000 und zwei Millionen Dollar (bis zu 1,8 Millionen Euro) - die Preise dürften jedoch mit einer Produktion in größerem Maßstab stark sinken. Mit Boeing gründete Kitty Hawk das Gemeinschaftsunternehmen Wisk, in das das Start-up ein Flugtaxi-Modell mit dem Namen Cora einbrachte. Die dritte bisher bekannt gewordene Maschine von Kitty Hawk - Flyer - könnte nach aktueller US-Rechtslage sogar ohne Flugschein bedient werden, da sie ein Leergewicht von weniger als 254 Pfund (gut 115 Kilo) hat.

Kein „fliegendes Auto“
„Fliegende Autos“ sei unterdessen der falsche Begriff, um die Technik zu beschreiben. Denn Kitty Hawk werde keine Fahrzeuge bauen, die auf dem Boden und in der Luft unterwegs sein könnten. Allein schon das Gewicht der Reifen mache ein Auto aktuell zu schwer zum Fliegen.

Kitty Hawk ist der Name der Stadt in North Carolina, in der 1903 die Brüder Wright erstmals mit einem Flugzeug abhoben. Die Firma war von Thrun und Google-Miterfinder Larry Page gegründet worden, kam aber nicht unter das Dach des Internet-Konzerns.

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