Briten-Vorstoß

Londons Ziel ist “maximaler Einfluss in der Welt”

Ausland
01.07.2010 15:01
Großbritannien will trotz massiver Sparzwänge seine Rolle in der Weltpolitik nicht nur weiterspielen, sondern sogar noch ausbauen. Der neue britische Außenminister William Hague (Bild) sagte am Donnerstag in einer Grundsatzrede in London, das Ziel sei "maximaler Einfluss in der Welt". Nur noch zu reagieren, sei eine Strategie für Länder im Niedergang, und dazu zähle sich Großbritannien ganz sicher nicht.

Die wichtigsten Beziehungen seien weiterhin jene zu den USA, sagte er. Und "natürlich bleiben Frankreich und Deutschland entscheidende Partner". Die große Herausforderung der nächsten Jahre bestehe aber darin, "unseren weltweiten Einfluss auszudehnen". Großbritannien müsse vor allem seine Beziehungen zu aufsteigenden Mächten wie Indien, China, Brasilien oder der Türkei intensivieren.

Dafür hat Großbritannien nach den Worten des konservativen Politikers Hague beste Ausgangsbedingungen. Zum Beispiel hätten Millionen Briten Familienbeziehungen nach Indien, Pakistan oder Afrika. Die chinesische Elite schicke ihre Kinder an britische Universitäten, in Indien lernten derzeit 250 Millionen Schüler und Studenten Englisch. Das alles müsse Großbritannien noch viel besser für sich nutzen.

EU-Skeptiker erwähnt die Union nur nebenbei
Die Europäische Union hatte Hague nach 20 Minuten noch kein einziges Mal erwähnt. Später verwendete er die Formulierung "Gruppierungen wie die EU". Außerdem sagte er: "Die EU ist dann am besten, wenn sie sich als flexibles Netzwerk versteht, deren Mitglieder das Beste aus dem machen, was jedes einzelne Land zu bieten hat."

Hagues Konservative Partei ist strikt gegen jede Ausweitung von EU-Kompetenzen. In Brüssel will Hague mehr Positionen von Briten besetzt sehen, sein Land sei dort völlig unterrepräsentiert. Deshalb dürfe man nicht glauben, dass die frühere Labour-Regierung in Brüssel viel für London erreicht habe.

Wegen Sparzwang "mehr mit weniger machen"
Unklar blieb, wie Hague seine "ehrgeizige Außenpolitik" des gesteigerten Einflusses angesichts großer Sparanstrengungen finanzieren will. Dazu sagte er nur: "Das Außenministerium muss mehr mit weniger machen."

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