Die Kärntner Druck- und Verlagsgesellschaft ist mit neun Millionen Euro überschuldet, 50 der 120 Beschäftigten wurden via Frühwarnsystem dem AMS zur Kündigung angemeldet. Eine Fortführung des Betriebes ist wegen der Schulden und der Umsatzeinbrüche in der derzeitigen Form nicht mehr möglich. Laut Dietrich war diese Abwärtsentwicklung bereits vor Jahren absehbar. "Die Eigentümervertreterin hat die Rettung des Unternehmens sträflich vernachlässigt", so Dietrich im Bezug auf Schaunig.
Er als damaliger Geschäftsführer und der Aufsichtsrat hätten deshalb dem Eigentümer SPÖ empfohlen, einen Miteigentümer zu suchen oder die Kärntner Druckerei zu verkaufen. 2007 habe es Käufer sowohl für das Unternehmen als auch für das Gebäude am Klagenfurter Viktringer Ring gegeben.
"Jörg Haider macht mir die Hölle heiß"
Für das Gebäude hätte es drei Millionen Verkaufserlös gegeben. Bei den Interessenten für Druckerei und Gebäude habe es sich um heimische Unternehmen gehandelt. Die damalige Kärntner SPÖ-Chefin habe den geplanten Verkauf jedoch blockiert. "Einen Tag vor der Vertragsunterzeichnung hat Schaunig dann die Reißleine gezogen", so Dietrich. Das Verkaufskonzept habe auch den Abbau von 20 Mitarbeitern beinhaltet. Jörg Haider mache ihr im Wahlkampf die Hölle heiß, wenn man 20 Leute kündige, soll Schaunig laut Dietrich ihre Entscheidung begründet haben. Das Unternehmen sollte erst nach der Landtagswahl 2009 verkauft werden, so die Vorgabe.
"Ich habe danach, im Mai 2008 die Geschäftsführung zurückgelegt und gesagt, dass ich das nicht mehr verantworten kann und auf die gefährliche Situation hingewiesen", erklärte der ehemalige Druckerei-Chef seinen Schritt in den Ruhestand, nach damals 40 Jahren in der Firma.
Schaunig wehrt sich gegen Anschuldigungen
Schaunig weist Dietrichs Anschuldigungen entschieden von sich. Sie habe sich im Jahr 2007 "für den Erhalt der Arbeitsplätze" entschieden, so Schaunig. "In Anbetracht der Tatsache, dass der damalige Kaufinteressent fast zeitgleich seinen Stammbetrieb in einem angrenzenden Bundesland geschlossen und in Slowenien eine Produktionsstätte errichtet hat, wäre der Verkauf unter Umständen ein finanzieller Gewinn für die SPÖ gewesen, der aber absehbar das Ende des Druckstandortes in Kärnten und den Verlust der Arbeitsplätze mit sich gebracht hätte", hielt Schaunig entgegen.
Bei einer solchen Entscheidung würde sich jede Vorsitzende der SPÖ für den Erhalt der Arbeitsplätze entscheiden. Es sei aber richtig, "dass der ehemalige Geschäftsführer der Kärntner Druck- und Verlagsgesellschaft mbH Verhandlungen mit einem Mitbewerber bezüglich der Übernahme des Unternehmens geführt hat und diese Übernahme mit aller Kraft forciert hat", sagte Schaunig.
Kritik aus allen Reihen
Heftige Kritik übte am Donnerstag unter anderem FPK-Parteichef Uwe Scheuch. Er beschuldigte den Eigentümer, seit Jahren von den Problemen gewusst, diese aber aus parteipolitischem Kalkül ignoriert zu haben. "Warum gibt es trotz knapp zehn Millionen Euro Schulden nach wie vor keinen Sozialplan? Warum nimmt man die angebotene Hilfe nicht an? Was gibt es zu vertuschen?", so Scheuch. Auch ÖVP-Landesparteichef Martinz sparte nicht mit Kritik an der SPÖ. "Die Sozialdemokraten sollen sich nicht immer nur auf die Vergangenheit ausreden", sagte Martinz.
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