29.06.2010 11:30 |

China-Tagebuch

Stadion-Schicksal verbindet Peking und Klagenfurt

Was verbindet Klagenfurt mit Peking? Da ist einmal der Umstand, dass derzeit eine hochkarätige Unternehmer-Delegation der Kärntner Wirtschaftskammer im Reich der Mitte weilt. Und dann gibt es in der chinesischen Hauptstadt auch noch ein Stadion, das offenbar dasselbe Schicksal ereilt hat wie unsere EM-Arena.

"Wir haben für die Olympischen Spiele ein super Fußballstadion gebaut, das sogenannte Vogelnest, das schon als neues Wahrzeichen von Peking gilt", erzählt Reiseführer Shin. "Aber seit dem Jahr 2008 hat hier erst einmal ein Match stattgefunden. Wir haben keinen Verein, der gut genug spielt."

Kein Wunder, dass sich die Kärntner Wirtschaftstreibenden hier schnell heimisch fühlen. Der lange Flug ist rasch verdaut, das bunte Programm wird sofort angegangen. "Für meine Firma ist die Reise ein wichtiges Sondieren, wie's auf dem Photovoltaikmarkt weitergeht", erzählt Georg Napetschnig von PTS Klagenfurt.

Über die Außenhandelsstelle der Wirtschaftskammer hat er Termine mit den zwei größten chinesischen Solar-Spezialisten bekommen. "Allein schafft man das kaum", lobt er den Service. Die Gespräche sollen zum wechselseitigen Beschnuppern dienen, aber auch zu konkreten Geschäftsabschlüssen führen. PTS hat ein neues Lötsystem für die aufeinander empfindlich reagierenden Silizium- und Kupferteile in Solaranlagen erfunden und hofft, damit auch in China reüssieren zu können.

"Trifffix" soll China erobern
Ein Hammer ist auch die Axt von Josef "Seppi" Müller, mit der jeder trifft. "Trifffix" soll China erobern – der Firmenboss trägt sogar ein eigenes Logo auf seiner Kleidung, um bei den markenbewussten Chinesen zumindest einmal aufzufallen. "Natürlich besteht die Gefahr, dass mein Produkt einfach abgekupfert wird. Aber prinzipiell bin ich halt der Erste gewesen und hoffe auf potente Wirtschaftspartner vor Ort."

Hilfe gibt's dabei nicht nur von den österreichischen Handelsdelegierten, sondern auch von Zheng Ye-Rechenmacher. Sie stammt aus China, lebt aber seit acht Jahren in Villach, wo sie mit ihrem Mann eine Handelsfirma betreibt. "Wir sind auf Nischen spezialisiert", erzählt sie. Die Kunden kommen aus der Industrie; vertrieben werden hauptsächlich Schrauben oder ähnliche spezielle Produkte.

Eine Stadt im Umbruch
Peking erkennt Zheng nach der langen Abwesenheit kaum wieder: "Ein Wahnsinn!" Die Stadt sei gewachsen – und das nicht nur in den Himmel. Wolkenkratzer überall, Satellitensiedlungen, sechsspurige Autobahnen und ein so dichter Smog, dass die Kärntner weder Sonne noch Sterne sehen.

Da mutet es seltsam an, dass Umwelt- und Forstwirtschaft derzeit die stärksten Wachstumsbranchen sind. In Sachen Ökologie will China aufholen. Und seit auf dem Holzmarkt die Nachfrage nach gesunden, guten Hölzern das Angebot übersteigt, wittern Kärntner Unternehmen wie die RZ Holzindustrie in Bad. St. Leonhard neue Chancen.

"Ein bissl haben wir es eh verschlafen"
"Ein bissl haben wir es eh verschlafen", ist Verkaufsleiter Erich Pirker selbstkritisch. "Die Deutschen waren etwas schneller." 210.000 Kubikmeter beste Fichte verarbeitet seine Firma pro Jahr, 90 Prozent gehen bereits in den Export. China soll das Geschäft noch ankurbeln: "Seit die Russen Strafzölle auf die Ausfuhr von Rundhölzern eingeführt haben, ist der Norden unterversorgt." Doch gerade dort baut etwa Riese IKEA Möbel. Und dafür soll aus dem Lavanttal Holz angeliefert werden, wenn alles klappt.

von Kerstin Wassermann, "Kärntner Krone"

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