29.12.2019 16:19 |

Flucht aus Libyen

NGO-Schiff mit 32 Migranten in italienischem Hafen

Das deutsche NGO-Schiff Alan Kurdi ist am Sonntag mit 32 geretteten Migranten an Bord in einem italienischen Hafen eingetroffen. Das Schiff legte am Sonntag im Hafen von Pozzallo im Süden Siziliens an, teilte die Hilfsorganisation Sea-Eye mit. Die Crew hatte die Menschen in der Nacht auf Freitag von einem überfüllten Kunststoffboot geborgen. 

Die Migranten, unter ihnen zehn Kinder und eine schwangere Frau, sollen nun in Flüchtlingseinrichtungen bei Pozzallo untergebracht werden. Alle hatten angegeben, libysche Staatsbürger zu sein. Das ist ungewöhnlich, da Libyer bisher kaum auf seeuntauglichen Booten die Flucht über das Mittelmeer wagten. Es sind normalerweise vor allem Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Ländern, die das Bürgerkriegsland nur als Transitland nutzen.

„Wir haben noch nie ausschließlich Libyer gerettet“, sagte ein Sea-Eye-Sprecher. Ein Flüchtling berichtete laut Hilfsorganisation, dass er zum Militärdienst für den libyschen Bürgerkrieg herangezogen werden sollte und geflohen sei, weil er keine Menschen töten wolle.

Lage in Libyen droht zu eskalieren
Die Lage in dem ölreichen Land droht derzeit vollends zu eskalieren, nachdem Truppen des mächtigen Generals Chalifa Haftar nach eigenen Angaben näher auf das Zentrum der Hauptstadt Tripolis vorgerückt sind. Haftar kämpft gegen die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung von Fajez al-Sarraj in Tripolis.

„Retten von Menschen nähert sich wieder der Normalität an“
In der Vergangenheit hatten private Rettungsschiffe auf dem Mittelmeer oft lange auf die Zuweisung eines Hafens warten müssen. „Das freut uns natürlich außerordentlich, dass es dieses Mal etwas schneller gegangen ist“, sagte Sea-Eye-Vorstand Gorden Isler. Es scheine sich nun ein zügigerer Mechanismus einzustellen. „Das deutet darauf hin, dass sich 2020 das Retten von Menschen aus Lebensgefahr und das Verbringen an einen sicheren Ort wieder der Normalität annähern“, sagte er weiter.

Die EU-Kommission hat auf Verlangen Italiens bereits die Prozedur für die Umverteilung der Migranten aufgrund des Vorabkommens von Malta in die Wege geleitet, berichteten italienische Medien am Sonntag. Die Alan Kurdi soll nun eine neue Crew bekommen und Anfang Jänner zum nächsten Einsatz aufbrechen.

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