24.10.2019 07:53 |

Tragödie in England

Wusste Fahrer, dass er 39 Leichen transportiert?

Nach dem grausigen Fund von 39 Leichen in einem Lastwagenanhänger nahe London gehen die Ermittler weiter vielen offenen Fragen nach. Die Umstände deuten stark darauf hin, dass es sich bei den noch nicht identifizierten Toten um ins Land geschleuste Migranten handelt. Unklar ist, ob der unter Mordverdacht festgenommene 25-jährige Lastwagenfahrer überhaupt wusste, dass Menschen in dem Anhänger waren. Britischen Medienberichten zufolge wurden in der Nacht auf Donnerstag zwei Wohnungen in Nordirland durchsucht - dem Herkunftsland des derzeit Verdächtigen.

Bei dem Fahrer des Todes-Lkw handle es sich laut britischen Medien um den 25 Jahre alten Mo Robinson, der aus einer kleinen Gemeinde in der Nähe der nordirischen Stadt Portadown stamme. Die Polizei von Essex wollte die Identität des Fahres nicht bestätigen, gab aber bekannt, dass ein 25-jähriger Mann am Mittwoch wegen Mordverdachts festgenommen wurde, nachdem in dem Sattelauflieger des von ihm gelenkten Trucks 39 Leichen entdeckt worden waren. Lkw und Auflieger werden nun an einem „sicheren Ort bei den Tilbury Docks“ untersucht, berichten Medien.

Robinson übernahm Container in englischem Hafen
Derzeit ist unklar, ob und wenn ja, was genau, der 25-Jährige mit dem Tod der Menschen zu tun hat. Die Polizei teilte bislang nur mit, dass er wahrscheinlich am Wochenende aus seinem Wohnort in Nordirland nach Purfleet in England reiste und im dortigen Hafen am Mittwoch gegen Mitternacht den Lkw übernahm. Der Anhänger soll zuvor per Schiff vom belgischen Hafen Zeebrugge über Wales nach England geschifft worden sein. Er passierte am vergangenen Samstag die Grenze zu Großbritannien. 

Sanitäter alarmierten Polizei
Bisherigen Ermittlungen zufolge wurde der Container um 00.30 Uhr Ortszeit vom Schiff an Land verfrachtet und dort an die - offenbar aus Nordirland gekommene - Sattelzugmaschine gekoppelt. Das Gespann habe den Hafen von Purfleet dann kurz nach 1 Uhr verlassen und wurde ins nur fünf Minuten entfernte Industriegebiet der Stadt Grays gebracht. Dort hätten nach einem Notruf Sanitäter die Polizei schließlich um 1.30 Uhr über den Leichenfund im Lastwagen informiert, hieß es. Wer die Rettungskräfte alarmiert hatte, ist nicht bekannt.

Ermittlungen in Belgien
Gemeldet war der Lkw seit 2007 in der bulgarischen Hafenstadt Warna am Schwarzen Meer, wie Bulgariens Ministerpräsident Bojko Borissow sagte. Seitdem sei das Fahrzeug nicht mehr im Land gewesen. Nach Angaben eines bulgarischen Frachtverbandes ist dies aus Steuergründen nicht unüblich. Diesbezügliche Ermittlungen hätten bereits begonnen, teilt ein Sprecher der belgischen Bundesanwaltschaft mit. Derzeit wisse man nicht, wie lange der Lkw in Belgien gestanden war: „Es können Stunden, aber auch Tage gewesen sein.“

Im britischen Unterhaus sagte die Parlamentsabgeordnete Jackie Doyle-Price zu dem Drama: „39 Menschen in einen verschlossenen Metallcontainer zu pferchen, zeigt eine Verachtung für menschliches Leben, die bösartig ist. Die Übeltäter ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen, ist das Beste, was wir in Gedenken an diese Opfer tun können.“

Weiterer Lastwagen mit Migranten gestoppt
Nur Stunden nach dem Leichenfund in der Grafschaft Essex stoppte die Polizei im benachbarten Kent einen Lastwagen mit neun Migranten im Laderaum. Der Lkw war demnach auf der Autobahn Richtung London unterwegs, als die Polizei am Mittwochnachmittag alarmiert wurde. Ein Sprecher sagte, die Menschen würden medizinisch untersucht und an die Einwanderungsbehörden überstellt.

Jedes Jahr werden Tausende von Migranten illegal nach Großbritannien gebracht, vor allem in Lastwagen oder mit Schiffen und Booten. Vor 19 Jahren fand die Polizei 58 tote Chinesen in einem Lastwagenanhänger im Hafen von Dover am Ärmelkanal. Die Meeresenge ist einer der weltweit am meisten befahrenen Seewege.

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