15.09.2019 06:00 |

Underdog aus China

ZTE Axon 10 Pro im Test: Gut und trotzdem günstig

Top-Ausstattung zum vergleichsweise günstigen Preis: Mit seinem Smartphone Axon 10 Pro versucht sich der chinesische Hersteller ZTE in Österreich als Premium-Anbieter zu etablieren. Ob es ihm glückt? krone.at hat das Gerät getestet.

Als Telekomausrüster gehört ZTE bereits seit Jahren zu den ganz großen: Über 500 Netzbetreiber in mehr als 140 Ländern vertrauen auf die Technik des - wie Mitbewerber Huawei - im chinesischen Shenzhen beheimateten Konzerns. In Österreich etwa kooperiert der Anbieter Drei seit 2010 mit dem Unternehmen. Mit dem Axon 10 Pro will sich ZTE nach diversen, vor allem auf Einsteiger abzielenden Geräten hierzulande nun auch als Anbieter von Premium-Smartphones etablieren. Das Konzept: konkurrenzfähige Ausstattung zum konkurrenzlos günstigen Preis.

Preiswert, aber nicht billig
Dass sich das Axon 10 Pro zumindest in puncto Design vor seinen Rivalen nicht zu verstecken braucht, wird bereits beim Auspacken aus der schmucken schwarzen und hochwertig anmutenden Schachtel deutlich. Die Zeiten, in denen Smartphones „Made in China“ noch als billige Plastikbomber verschrien wurden, scheinen endgültig vorbei. Das ZTE-Modell unterscheidet sich mit seinem Alu-Rahmen, dem schlanken Display mit gekrümmten Kanten, Kamera-Notch und spiegelnder (und daher für Fingerabdrücke anfälligen) Glas-Rückseite jedenfalls nicht von Mitbewerbern wie dem Samsung Galaxy S10 oder Huaweis P30 Pro. Weder knarzt noch knackt es hier.

Und selbst daran, dass das 159,2 x 73,4 x 7,9 mm große und 178 Gramm schwere Gerät aus der Hand rutschen könnte, hat man gedacht und neben Ohrstöpseln und Netzteil vorsorglich eine schützende transparente Hülle beigelegt. Einziger, von außen allerdings nicht sichtbarer Schwachpunkt des Smartphones: Mit einer IP53-Zertifizierung ist das Gerät zwar gegen Spritzwasser geschützt, jedoch im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern nicht wasserdicht.

Leistungsstarke Ausstattung
Entscheidender als das gute Aussehen sind am Ende des Tages aber die inneren Werte, sprich: die technische Ausstattung. Auch in diesem Punkt kann sich das Axon 10 Pro sehen lassen. ZTE verbaut ein in satten Farben und hell strahlendes, 6,47 Zoll großes AMOLED-Dispay, das - identisch zu Huaweis Flaggschiff-Modell P30 Pro - mit 1080 x 2340 Pixeln auflöst und damit eine Pixeldichte von 398 ppi bietet. In ihm verbaut ist auch der Fingerabdrucksensor, mit dem sich das Gerät neben der alternativ wählbaren Gesichtserkennung entsperren lässt - allerdings weniger zuverlässig, als dies mit einem „normalen“ Fingerabdruckscanner der Fall wäre.

Unter der Haube sorgt Qualcomms derzeit schnellster Achtkerner Snapdragon 855, der u.a. auch in Samsungs Galaxy S10 und dem Note 10 zum Einsatz kommt, für den nötigen Antrieb, inklusive schneller App-Starts und flüssiger Darstellung bei selbst grafisch anspruchsvollen Games. Ihm zur Seite stehen sechs, in der getesteten 5G-Variante des Axon 10 Pro sogar acht Gigabyte Arbeitsspeicher. Der interne Speicher beträgt 128 bzw. 256 Gigabyte und lässt sich mittels microSD-Karte um bis zu zwei Terabyte erweitern. Alternativ kann der entsprechende Steckplatz für eine zweite Nano-SIM-Karte verwendet werden.

Ausdauernder Akku
Pluspunkte gibt es auch für den mit 4000 Milliamperestunden sehr großen und dementsprechend ausdauernden Akku. Über den Tag zu kommen, ist damit selbst bei intensiver Nutzung kein Problem. Dank „Super-Energiesparmodus“, der die Hintergrundaktivität auf maximal sechs Apps begrenzt und u.a. Drahtlos-Features deaktiviert, sind sogar zwei Tage möglich.
Ist das Smartphone doch einmal leer - ZTE verspricht offiziell mehr als elf Stunden Nutzungsdauer - lässt es sich dank „Quick Charge“ via USB-C schnell wieder laden. Wer es lieber kabellos möchte: Das Axon 10 Pro unterstützt auch induktives Laden mittels Qi-Standard.

Triple-Kamera
Für viele Kunden bei Smartphones inzwischen kaufentscheidend: die Kamera. Wie die aktuelle Konkurrenz auch, kommt das Axon 10 Pro mit einer Triple-Kamera daher, bestehend aus einer Ultraweitwinkel-Linse, die mit 20 Megapixeln auflöst, einer Acht-Megapixel-Tele-Linse und der 48-Megapixel-Hauptkamera. Zusammen liefern sie überzeugende, natürlich wirkende Ergebnisse - und das dank „Super-Nachtaufnahme“ auch bei schlechtem Umgebungslicht bzw. Dunkelheit.

Im direkten Vergleich mit Samsungs Galaxy Note 10+, das laut den Experten von DxOMark über die derzeit beste Kamera verfügt, mögen die Aufnahmen des Axon 10 Pro vielleicht eine Nuance weniger kräftig sein und etwas mehr rauschen, die Unterschiede sind allerdings nur mit der „Lupe“ am PC-Monitor sichtbar, in der Praxis dürften die wenigsten Betracher einen Unterschied feststellen können. Überzeugende Arbeit leisten schließlich auch der optische Dreifach-Zoom und - für die Selfie-Fraktion - die 20-Megapixel-Frontkamera.

Keine Kopfhörerklinke
Besonders stolz ist man bei ZTE auf den Klang der Dual-Lautsprecher, für den ein Qualcomm-Codec (WCD9340) samt DTS:X-Unterstützung verantwortlich zeichnet. Tatsächlich klingt das Axon 10 Pro für ein Smartphone erstaunlich gut und voluminös. Dass die beiliegenden Stöpsel mit 3,5-mm-Kopfhörerklinke daherkommen, mutet allerdings etwas komisch an. Da das Gerät selbst nämlich nicht über die zum Anschluss nötige Buchse verfügt, muss vom ebenfalls beiliegenden USB-C-Adapter Gebrauch gemacht werden.

Aufgeräumtes Android
Als Betriebssystem kommt Googles Android in der Version 9 zum Einsatz, der ZTE die eigene Oberfläche Mifavor 9.1 überstülpt. Letztere fällt durch Unauffälligkeit auf und unterscheidet sich optisch kaum von Googles Stock Android - was der Bedienbarkeit durchaus zu Gute kommt, für das Design-verwöhnte Auge aber durchaus noch Verbesserungspotential bietet. Ebenfalls positiv: Standardmäßig sind bis auf die üblichen Google-Apps nur wenige Anwendungen vorinstalliert, die sich zudem löschen lassen.

Fazit: ZTEs Axon 10 Pro leistet sich im Test kaum Blößen. Das Smartphone punktet nebst sauberer Verarbeitung mit performanter Ausstattung, ausdauerndem Akku, guter Kamera und einer aufgeräumten Benutzeroberfläche. Das größte Plus ist aus Konsumentensicht aber sicherlich der Preis von derzeit günstigstenfalls rund 500 Euro (die UVP für die als erstes bei Drei erhältliche 5G-Version liegt bei 899 Euro, ein genauer Termin für den Verkaufsstart ist aktuell noch nicht bekannt, Anm.), womit das Axon 10 Pro aktuell rund 170 bis 180 Euro günstiger ist als etwa Huaweis P30 Pro oder Samsungs Galaxy S10. Kleinere Schwächen wie die fehlende Kopfhörerklinke oder Wasserdichtigkeit dürften angesichts dieses Preisunterschiedes daher für viele verzeihbar sein.

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle
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