Kritik an der Polizei
“Sie haben Athen den Mördern überlassen”
In der Athener U-Bahn reden die Menschen mit gedämpften Stimmen. Immer wieder ist vor allem eine Frage zu hören: "Wie geht es jetzt weiter?" Ausländische Journalisten werden bestürmt: "Was wird mit der Hilfe? Was denken die Menschen im Ausland, die uns helfen wollen, und welche Konsequenzen wird das haben?" Einigen hundert Chaoten sei es gelungen, eine friedliche Kundgebung in ein Chaos ohnegleichen zu verwandeln. Viel zu lange hätten die rund 1.000 bis 2.000 sogenannten Autonomen ihr Unwesen treiben können, immer wieder spielten sie Katz und Maus mit der Polizei.
"Organisierter Anschlag"
Alle griechischen Zeitungen veröffentlichen am Donnerstag Bilder von verzweifelten Verwandten der unschuldigen Opfer. Augenzeugen berichteten von einem "organisierten Anschlag". Zunächst habe sich aus der friedlichen Großdemonstration von mehr als 100.000 Menschen eine Gruppe Vermummter gelöst. Einer davon schlug mit einem Hammer die Scheiben der Bank ein, wie es hieß.
Dann folgten mindestens drei Vermummte und warfen Brandflaschen in die Bank hinein. Dies ergebe sich aus den Aufnahmen von Überwachungskameras und den Aussagen der Augenzeugen, berichteten griechische Medien. "Ob Experten diese Vermummten irgendwann identifizieren werden, bleibt ungewiss", hieß es übereinstimmend.
Griechenland "am Rande des Abgrunds"
Bereits kurz nach der Todesmeldung hatte Präsident Karolos Papoulias die Auffassung vertreten, dass sein Land nun "am Rande des Abgrunds" stehe. Er habe keine Worte, um seinen Schmerz und seinen Zorn angesichts der Todesfälle auszudrücken, sagte Präsident Papoulias in einer Erklärung. "Es ist die Verantwortung von uns allen, nicht in die Leere zu fallen", erklärte er - auch mit Blick auf die maroden Staatsfinanzen in Athen.
Parlament billigt Sparpaket
Das Parlament gedachte mit einer Schweigeminute der Opfer der Krawalle. Regierungschef Giorgos Papandreou verurteilte den "unfairen Tod" der drei Bürger. Das griechische Parlament hat dem Sanierungspaket mit umfangreichen Gehaltskürzungen und Steuererhöhungen am Donnerstagabend zugestimmt. 172 Abgeordnete stimmten für das Sparprogramm, 121 votierten dagegen, drei enthielten sich.
Finanzminister Giorgios Papakonstantinou erklärte, Griechenland werde von seiner drastischen Sparpolitik nicht abrücken: Die sozialistische Regierung sei bereit, "einen hohen politischen Preis" zu bezahlen, um das Land aus der Schuldenkrise zu führen. "Wir werden nicht einen Schritt zurückgehen", fügte er hinzu. Seiner Ansicht nach könnten andere Länder der Eurozone mit ähnlichen Problemen wie Griechenland konfrontiert werden.
Trümmer der Unruhen beseitigt
In der Nacht auf Donnerstag blieb es in Athen indes ruhig: Ein Großaufgebot der Polizei sicherte die Straßen im Stadtzentrum und kontrollierte jeden Verdächtigen. Insgesamt 25 Menschen wurden festgenommen. Straßenarbeiter beseitigten die Trümmer der schweren Unruhen des Vortages. Der Verkehr floss am frühen Donnerstag wieder wie gewohnt. Ruhig blieb es auch in den Finanzinstituten des Landes: Aus Protest gegen die drei Todesopfer erschienen die Bankangestellten Griechenlands nicht zur Arbeit.
Gewerkschaften: "Der Kampf geht weiter"
Wenn es nach den griechischen Gewerkschaften geht, dann war der Streiktag allerdings nicht der letzte: "Der Kampf geht weiter", sagte der stellvertretende Gewerkschaftschef Ilias Vrettakos der Nachrichtenagentur Reuters. Die beiden großen Gewerkschaftsverbände GSEE für die private Wirtschaft und ADEDY für den öffentlichen Dienst kündigten bereits für den frühen Donnerstagabend eine Demonstration vor dem Parlament an. Die kommunistische Gewerkschaft PAME wollte zur gleichen Zeit auf einem anderen Platz in der Hauptstadt demonstrieren.
In einer Erklärung verurteilte die GSEE die gewalttätigen Auseinandersetzungen vom Mittwoch. Die Anstifter der "blinden Gewalt" fügten dem Anliegen der protestierenden Arbeiter Schaden zu. Die Gewerkschaft wolle aber weiter für ihre "berechtigten" Forderungen kämpfen.
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