31.08.2019 06:02 |

Laktoseintoleranz

Wenn Milch Bauchweh macht

Bei Personen mit Laktoseunverträglichkeit ist das Enzym Laktase nicht ausreichend vorhanden. Beim Genuss von Milch kann es zu unangenehmen Beschwerden wie Blähungen und Bauchkrämpfen kommen.

Ein 40-jähriger Patient hatte schon mehrere Jahre Bauchbeschwerden, konnte diese aber nie richtig zuordnen. Anfangs traten die Probleme nur selten auf und wurden als Launen der Natur oder als Folgen von schwer verdaulicher Kost abgetan. Dazu kam ein Blähbauch, Müdigkeit, laute Darmgeräusche, krampfartige Bauchschmerzen sowie unreine Haut und breiiger Stuhl.

Da der Betroffene bereits einige Untersuchungen hatte, u. a. eine Magen- und Dickdarmspiegelung, erklärte ich ihm, dass das bisher diagnostizierte Reizdarm Syndrom eigentlich eine Ausschlussdiagnose sei. Es könnte u. a. eine Zöliakie, Morbus Crohn des Dünndarms, Entzündungen des Dickdarms, welche man nur im Mikroskop erkennen könne, Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten, ein bakterielles Überwuchssyndrom des Dünndarms in Frage kommen. Ich empfahl daher, mit einer nichtinvasiven Abklärung auf Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten wie Laktoseintoleranz zu beginnen.

Laktose (Milchzucker) ist in Milch, Joghurt, Käse, Butter, Schlagobers, saurem Rahm, Mozzarella etc., aber auch in der Lebensmittelindustrie vor allem in Fertiggerichten enthalten. Laktose erhöht dabei die Konsistenz und sorgt bei geringer Süßkraft für ein angenehmes Kaugefühl. Meist wird sie auch als Trägersubstanz für Aromen, Medikamente oder als Geschmacksverstärker eingesetzt.

Wie enstehen die Beschwerden? 
Die Aktivität des Enzyms Laktase nimmt im Laufe des Lebens stark ab. Schon in den ersten Lebensjahren halbiert sich die Aktivität und verringert sich in weiterer Folge kontinuierlich. Somit ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem Patienten die sonst tolerierte Menge an Milch auf einmal nicht mehr so gut vertragen. Abhängig von der konsumierten Menge kommt dann Laktose ungespalten in den Dickdarm. Dort freuen sich zahlreich vorhandene Bakterien und vergären die Laktose. Dabei entstehen Spaltprodukte wie kurzkettige Fettsäuren und Milch- oder Essigsäure, aber auch Gase wie Kohlendioxid, Methan und Wasserstoff. Die zusätzlichen Säuren regen die Darmperistaltik an und verursachen die krampfartigen Beschwerden. Die vermehrte Gasbildung lässt den Blähbauch entstehen.

So funktioniert der H2-Atemtest

Bei gesunden Personen wird die Laktose im Dünndarm vollständig gespaltet und gelangt nicht in den Dickdarm. Bei Mangel an dem Enzym Laktase kommt es jedoch nicht zur vollständig Zerkleinerung und es gelangt Milchzucker in den Dickdarm. Wie schon erwähnt entstehen bei der chemischen Zersetzung von Laktose im Dickdarm unter anderem Gase wie Kohlendioxid, Methan und Wasserstoff (H2). Letzterer kann zu 20 Prozent durch die Darmwand eindringen und über den Blutweg zur Lunge transportiert, abgeatmet und auch gemessen werden. Die Austestung der Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten erfolgt seit ca. 1975 nicht invasiv mit einem H2-Atemtest-Gerät.Alternativ kann durch strenge Eliminationsdiät (Weglassen bestimmter Lebensmittel) eine Intoleranz vermutet werden. Ein Belastungstest mit mehreren Blutabnahmen ohne Anstieg des Blutzuckers lässt auch auf eine Intoleranz schließen. Auch mittels Gen-Test ist es möglich eine Unverträglichkeit zu diagnostizieren.

Die Therapie besteht in größtenteils Vermeiden bzw. vollständigem Verzicht von Milchzucker. Wer selbst kocht, kann heutzutage leicht auf laktosefreie Produkte zurückgreifen und Fertiggerichte vermeiden. Wer außer Haus isst, sollte auf die Allergen-Kennzeichnung in der Speisekarte achten. Die EU hat für Speisen, welche Milch oder -erzeugnisse enthalten, den Buchstaben „G“ ausgegeben. Hilfreich sind Nahrungsergänzungsmittel, die Laktase enthalten. Ein Besuch bei einer Diätologin ist auf jeden Fall zu empfehlen, da zusätzliche Tipps für entblähende Speisen bis hin zu Rezepten und weiterführender Betreuung angeboten werden.

Dr. Rainer Watzek & Karin Rohrer- Schausberger, Kronen Zeitung

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