Sinkende Fördermittel und fehlende Investitionsverpflichtung für Streaminganbieter in österreichische Produktionen bereiten der Filmwirtschaft große Sorgen. Deshalb pocht man nun auf die Umsetzung des neuen Fördermodells.
Die österreichische Filmbranche fordert die Umsetzung eines neuen Fördermodells nach deutschem Vorbild: Alle Streaminganbieter sollen zukünftig verpflichtet werden, ein Viertel des hierzulande gemachten Umsatzes in österreichische Produktionen investieren zu müssen. Anderenfalls droht die Zukunft des heimischen Films trotz jüngster Erfolge zu kippen, warnen Produzenten, Regisseure und Schauspieler.
Filmschaffende bangen um Zukunft
Grund für das Anliegen ist die sinkende Filmförderung in Österreich. Die Mittel des Österreichischen Filminstituts (ÖFI) wurden in einem Jahr um 22 Millionen Euro gekürzt, und auch das Fördervolumen von FISAplus ist von etwa 80 Millionen Euro im Jahr 2025 auf aktuell rund 55 Millionen Euro gesunken.
Viele Filmschaffende würden ohne Projekte dastehen: Schauspielerin Susi Stach berichtet: „Für heuer ist kein einziger Drehtag bestätigt. Viele erzählen mir, dass sie für heuer noch keine Projekte haben.“ Regisseur Markus Schleinzer betont: „Wenn wir von der Berlinale zurückkommen, wissen wir alle nicht, was wir im Herbst arbeiten werden.“
Streaming zur Kasse bitten
40 Millionen Euro sollen durch eine Abgabe jährlich generiert und 90 Millionen Euro pro Jahr an Investitionen vor Ort ausgelöst werden. Damit würden Arbeitsplätze gesichert, Nachwuchstalente gefördert und internationale Sichtbarkeit erhöht werden, erklärt Branchenvertreter Alexander Dumreicher-Ivanceanu. Ruth Beckermann betont: „Es kostet fast nichts, österreichische Filme weltweit zu zeigen, bringt aber viel Prestige für die Auslandskultur.“ Schleinzer ergänzt: „Die Maßnahme ist im Regierungsprogramm vorgesehen – jetzt muss sie endlich umgesetzt werden.“
Gegenwind von der Wirtschaftskammer
Gar nicht begeistert von der Forderung nach einer Investitionsverpflichtung zeigte sich der Fachverband Telekom-Rundfunk in der Wirtschaftskammer. Dieser warnt vor einer Gefährdung des Medienstandorts und äußerte rechtliche Bedenken, da eine Investitionspflicht nur für österreichische Produktionen möglicherweise europarechtlich unzulässig wäre.
Filmschaffende warten auf Politik
Jüngste Erfolge in der heimischen Filmlandschaft sind unter anderem die Weihnachtskomödie „Aufputzt is‘“, die über 445.000 Besucher in die heimischen Kinos lockte und damit der erfolgreichste österreichische Kinofilm der vergangenen 25 Jahre wurde. Auch bei der kommenden Berlinale sind zwölf österreichische Filme vertreten – zwei davon im Wettbewerb. Unter anderem soll sich dort in den kommenden Wochen zeigen, ob die Branche die dringend benötigten politischen Zusagen erhält. Viele Filmschaffende hoffen auf schnelle Entscheidungen.
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