Wirbel in der Türkei
Sexualmord an Dreijähriger “war nur eine Spielerei”
Mehrere türkische Medien berichteten am Mittwoch, die Justiz habe den Fall zu den Akten gelegt und auch strafmündige Beschuldigte aus dem Gewahrsam entlassen. Weiters Empörung ausgelöst hat die Tatsache, dass die türkische Rundfunkbehörde RTÜK mittlerweile die weitere Berichterstattung in den elektronischen Medien über den Fall verboten hat. Zu den Kritikern der Berichterstattung gehört auch Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der erklärte, noch nach einem Jahr über etwas zu berichten, sei "kein Journalismus".
"Keine Vergewaltigung", sondern "Spielerei"
Indes wurde der Bürgermeister von Pervari in der türkischen Zeitung "Milliyet" mit den Worten zitiert: "Der Zwischenfall ist keine Vergewaltigung. Es war eine Spielerei unter Kindern. Pervari ist ein kleiner Ort, wir sind alle eine Familie. Der Fall ist abgeschlossen und vorbei. Niemand kann den Frieden in Pervari zerstören." Zudem erklärte er, dass er vor allem Blutrache habe verhindern wollen: "Im Südosten der Türkei können für ein Mädchen Hunderte Menschen sterben."
Buben erpressten Mitschülerin mit Nacktfotos
Türkische Medien hatten berichtet, die 13 und 14 Jahre alten Buben hätten zunächst eine Mitschülerin nackt fotografiert und erpresst. Sie forderten die 15-Jährige auf, ihnen ein drei- oder vierjähriges Kind zu bringen, andernfalls würden sie die Fotos an die Familie des Mädchens schicken. Aus Angst, dass die Geschichte mit den Nacktfotos herauskommt, lieferte das Mädchen zuerst ihren zwei Jahre alten Cousin und anschließend ihre dreijährige Cousine aus. Der Zweijährige wurde ebenso wie das Mädchen missbraucht - er überlebte jedoch und wurde in einem Wald entdeckt.
In Pervari demonstrierten unterdessen etwa 100 Einheimische gegen den Besuch von Politikern der oppositionellen Republikanischen Volkspartei (CHP), die sich über die Causa informieren wollten. Inzwischen haben das Innenministerium und das Erziehungsministerium jeweils zwei Ermittler nach Pervari im ländlichen Südosten der Türkei geschickt.
Weitere Missbrauchsfälle bekannt geworden
Erst in der vergangenen Woche hatte eine andere Tat aus der Provinz Siirt Schlagzeilen gemacht. Mehr als 100 Männer, darunter ein stellvertretender Schulleiter, sollen jahrelang zwei heute 14 und 16 Jahre alte Schwestern missbraucht haben. Und ein neuer Fall wurde am Mittwoch aus Manisa im Westen der Türkei bekannt. Die Polizei nahm 26 Verdächtige in Gewahrsam, die drei Kinder missbraucht haben sollen.
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