Papst unter Beschuss

War Ratzinger gegen Absetzung von Pädo-Priester?

Ausland
10.04.2010 10:32
Papst Benedikt XVI. ist erneut unter Beschuss: Jetzt aufgetauchte Kirchendokumente sollen belegen, dass sich Kardinal Joseph Ratzinger - der nunmehrige Papst - der Amtsenthebung eines pädophilen Priesters in Kalifornien widersetzte. In einem 1985 vom damaligen Kurienkardinal Ratzinger unterschriebenen Brief wurden Bedenken hinsichtlich der negativen Folgen einer Amtsenthebung des Geistlichen für die Weltkirche geäußert.

Das Schreiben, das der US-Nachrichtenagentur AP zugänglich gemacht wurde und auf das auch die italienische Nachrichtenagentur ANSA und die Zeitung "Washington Post" hinweisen, ist Teil einer längeren Korrespondenz zwischen der Diözese von Oakland und dem Vatikan über eine mögliche Entfernung des betreffenden Priesters aus dem Amt.

Der Vatikan hat die Unterschrift Ratzingers unter dem in lateinischer Sprache verfassten Brief bestätigt, lehnte aber jede weitere Stellungnahme ab. Der Vatikan hat stets erklärt, Kardinal Ratzinger habe sich während seiner Zeit als Leiter der Glaubenskongregation niemals der Amtsenthebung eines pädophilen Priesters widersetzt.

US-Priester belästigte Buben sexuell
Der betreffende Priester wurde bereits 1978 wegen der sexuellen Belästigung von zwei Buben zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Nach Ende der Frist 1981 bat er darum, aus dem Priesterstand entlassen zu werden, und die Diözese sandte ein entsprechendes Schreiben an den Vatikan. Der Fall lag daraufhin vier Jahre lang in Rom, bevor Ratzinger dem Bischof antwortete. Bis zur Amtsenthebung des pädophilen Priesters vergingen zwei weitere Jahre, in denen der Mann weiter mit Kindern arbeitete. Welche Rolle Ratzinger schließlich bei der Entlassung 1987 spielte, ging aus den Dokumenten, die der AP vorlagen, nicht hervor.

In seinem auf November 1985 datierten Brief erklärte Ratzinger, eine mögliche Amtsenthebung müsse gründlich geprüft werden. Dafür sei mehr Zeit notwendig. Bei der Entscheidung müssten "das Wohl der Weltkirche" sowie die Nachteile einer Entlassung für die christliche Gemeinschaft in Betracht gezogen werden, hieß es. Der Bischof solle dem Priester in dieser Zeit "so viel väterliche Fürsorge wie möglich" zukommen lassen. Die Argumente für eine Entlassung seien jedoch "von großer Wichtigkeit".

Ex-Priester wurde 2004 verurteilt
Der Anwalt des Vatikans, Jeffrey Lena, erklärte, mit der Bitte um "väterliche Fürsorge" habe Ratzinger den Bischof aufgefordert sicherzustellen, dass es während des Amtsenthebungsverfahrens nicht zu weiteren Missbrauchsfällen komme. Zwischen 1981 und 1987 seien keine weiteren Übergriffe des Mannes mehr bekanntgeworden.

2004 wurde der ehemalige Priester wegen des Missbrauchs eines Mädchens 1995 zu einer sechsjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Der heute 63-jährige registrierte Sexualstraftäter lebt inzwischen im kalifornischen Walnut Creek.

 

 

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