12.06.2019 14:15 |

Lager in Großebersdorf

Gewerkschaft will Amazon an drei Fronten bekämpfen

Die Gewerkschaft will nach den bekannt gewordenen Vorwürfen eines Mitarbeiters im Amazon-Verteilzentrum in Niederösterreich mithilfe der Behörden gleich an drei Fronten gegen den Onlineriesen vorgehen. „Solche Verhältnisse werden wir nicht zulassen“, stellte die Vorsitzende der Privatangestellten-Gewerkschaft (GPA), Barbara Teiber, klar. Angerufen werden Arbeitsinspektorat, Gebietskrankenkasse und Sozialministerium.

Das Arbeitsinspektorat solle überprüfen, ob die Arbeitsplatzsituation im Verteilzentrum in Großebersdorf gesetzeskonform sei, so Teiber. Es gebe zu wenig Platz für die Beschäftigten und eine Gefährdung durch ungesicherte Regale. Die niederösterreichische Gebietskrankenkasse solle überprüfen, ob Scheinselbstständigkeit vorliege.

Gewerkschaft fordert Einschränkung von Leiharbeit
Beim Sozialministerium will die Gewerkschaft eine Verordnung anregen, um die Anzahl der Leiharbeiter zu beschränken. Das Arbeitskräfteüberlassungsgesetz gibt Gewerkschaften diese Möglichkeit. Derzeit arbeitet Amazon in Österreich praktisch nur mit Leiharbeitern. Leiharbeiter seien da, um Spitzen abzudecken, aber nicht für die Regelarbeit, sagte Teiber. Von der neuen Regierung wünscht sich die Gewerkschaft überhaupt eine gesetzliche Beschränkung der Anzahl von Leiharbeitern pro Unternehmen.

Ob die Gewerkschaft gegen Amazon ankommt, ist noch fraglich. „Amazon ist sehr geschickt darin, die Grenzen auszuloten, in denen sie agieren können. Sie handeln aber unmoralisch, respektlos und menschenunwürdig“, sagte Teiber.

Amazon auch wegen Steuer-Tricks in der Kritik
Abgesehen von den Arbeitsbedingungen ist Amazon bei Gewerkschaften und Wirtschaftstreibenden auch aufgrund seiner Steuerpraxis im Visier. Der Handelsverband, eine Interessenvertretung der größten Händler in Österreich, führt schon seit langem einen Feldzug gegen Amazon und hat im Vorjahr eine Beschwerde bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) eingebracht. Die Behörde ermittelt derzeit noch. Auch die Wirtschaftskammer beklagt immer wieder die unfairen Wettbewerbsbedingungen.

In Österreich ist der Onlinehandel fest in der Hand von Amazon. Das Kölner Handelsforschungsinstitut EHI schätzt den Umsatz in Österreich auf 643 Millionen Euro, dabei sind hier Film- und Musik-Streamingdienste sowie Waren, die Dritthändler auf Amazon anbieten, noch gar nicht mitgerechnet - denn hierfür kassiert der Onlineriese Provision. Alles zusammen dürfte sich der Umsatz von Amazon in Österreich auf mehr als 1,2 Milliarden Euro belaufen. Der zweitplatzierte Onlinehandler Zalando kommt laut EHI nur auf 230 Millionen Euro.

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