Vatikan verteidigt

Kardinal: “Wahrheit des Papstes wird nicht akzeptiert”

Ausland
07.04.2010 11:57
Mit starken Aussagen hat sich der ehemalige vatikanische Staatssekretär, Kardinal Angelo Sodano (im Bild links), im Missbrauchsskandal erneut hinter Papst Benedikt XVI. gestellt. "Der Papst vertritt eine moralische Wahrheit, die nicht akzeptiert wird. Die Fehler der Priester werden als Waffen gegen die Kirche eingesetzt. Hinter den ungerechten Angriffen gegen den Papst stecken Sichtweisen der Familie und des Lebens, die dem Evangelium widersprechen", meinte Sodano in einem Interview.

Der Papst werde mit den Pädophilie-Vorwürfen unter Druck gesetzt. "Zuvor hatte es die Kampagnen gegen Pius X. wegen des Modernismus und gegen Pius XII. wegen seines Verhaltens während des Zweiten Weltkriegs gegeben. Danach wurde Paul VI. wegen der Enzyklika 'Humane Vitae' (über die Empfängnisverhütung, Anm.) unter Druck gesetzt", verglich Sodano die derzeitige Situation auch mit Situationen aus der Vergangenheit. Bereits bei der Osterfeier am Petersplatz hatte Sodano Benedikt XVI. in Schutz genommen (siehe Infobox).

Neue Vorwürfe aus den USA
Erst am Dienstag waren erneut schwere Vorwürfe gegen den Vatikan laut geworden: Laut einem Anwalt eines US-Missbrauchsopfers arbeitete ein Priester in den vergangenen fünf Jahren in katholischen Schulen in Indien, obwohl er in den USA zwei Mädchen sexuell belästigt haben soll. 

Konkret steht dabei Priester Joseph Jeyapaul im Verdacht, sich im Bistum Crookston in Minnesota zwei jugendlichen Mädchen unsittlich genähert zu haben. Die Vorwürfe kamen allerdings erst ans Licht, als Jeyapaul das Land bereits verlassen hatte. Aus Gerichtsunterlagen geht hervor, dass Bischof Victor Balke die römische Glaubenskongregation und auch Jeyapauls Vorgesetzte in Indien 2005 über die Anschuldigungen in Kenntnis setzte. Dabei warnte er, dass der Geistliche ein "ernsthaftes Risiko" für junge Mädchen in seiner neuen Gemeinde darstellen könnte. Der Vatikan ordnete, wie aus den Unterlagen hervorging, lediglich eine Überwachung Jeyapauls durch den zuständigen Bischof an, um Risiken vorzubeugen und "keinen Skandal unter den Gläubigen" auszulösen.

Indischer Bischof bestätigt Tätigkeit des Priesters
Bischof A. Amalraj vom Bistum Ootacamund im indischen Unionsstaat Tamil Nadu bestätigte, dass der verdächtige Geistliche weiter in der Schulverwaltung der Diözese arbeite. Dabei habe er keinen Kontakt zu Frauen und Kindern. Ein für den Vatikan tätiger US-Anwalt sagte, die katholische Kirche unterstütze die US-Behörden bei dem Bemühen um die Auslieferung des verdächtigen Geistlichen. 

Mit den Vorwürfen gerät allerdings auch der Präfekt der Glaubenskongregation, Kurienkardinal William J. Levada, weiter unter Druck. Der US-Kardinal soll laut Medienberichten Mitte der 1990er-Jahre als Erzbischof von Portland einen pädophilen Priester versetzt haben, ohne die Mitglieder der betroffenen Gemeinde zu informieren. 

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