Wie im Actionfilm

Bewaffnete Räuber stürmen Grand Casino in Basel

Ausland
28.03.2010 16:06
Ein Raubüberfall wie in einem Action-Film: Zehn vermummte und bis an die Zähne bewaffnete Männer sind am Sonntag um 4.00 Uhr früh in den Hauptsaal des Grand Casino Basel gestürmt. Sie schossen aus Maschinenpistolen wild in die Luft, traten und schlugen einige der rund 600 Casino-Gäste. Nach dem vergeblichen Versuch, den Casino-Safe zu knacken, rafften sie mehrere hunderttausend Franken und Euro zusammen und verschwanden in zwei grauen Limousinen über die nahe Grenze nach Frankreich.

Am Tag nach dem Überfall hat die Polizei am Montag zunächst keine heiße Spur von den Verdächtigen ermittelt. Die benutzten Fluchtwagen und die französischen Kennzeichen lassen offenbar keinen unmittelbaren Rückschluss auf die Täter zu, da sie nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Basel gestohlen waren, wie die Schweizer Nachrichtenagentur SDA am Montag meldete. Nachdem die mutmaßlichen Täter offensichtlich über die nahe gelegene Grenze nach Frankreich geflohen waren, hatte die französische Polizei noch am Sonntag einen Zeugenaufruf gestartet.

Casino-Personal geschockt
Dem Casino-Manager Michael Favrod stand der Schrecken noch ins Gesicht geschrieben: "Es ist das erste Mal, das wir überfallen wurden. Wir sind alle sehr geschockt. Man kann das trainieren, aber wenn es passiert, ist das etwas anderes", sagte er dem Schweizer Fernsehen.

Und Staatsanwalt Peter Gill ergänzte: "Die Täter sind zielgerichtet vorgegangen. Sie haben schnell, professionell und brutal reagiert." Es sei aber niemand ernsthaft verletzt worden. Auch der Casino-Manager zeigte sich erleichtert: "Glücklicherweise ist den Mitarbeitern und den Gästen nichts passiert."

Zugangstüren zum Tresor nicht aufgebracht
Die mit Sturmhauben vermummten Gangster in Basel überfielen eine Stunde, bevor das Casino schließt, das futuristisch anmutende und nachts rot beleuchtete Gebäude (rechtes Bild) nahe der französischen Grenze. Einer zertrümmerte mit einem Vorschlaghammer die Eingangstüren (linkes Bild), so dass die anderen in den Saal stürmen konnten, berichteten die Behörden. Eine Gruppe der Bande habe demnach die Kasse im Untergeschoß überfallen und vergeblich versucht, die Zugangstüren zum Tresor zu öffnen. Eine andere Gruppe habe im Obergeschoß die Kasse ausgeraubt.

Anschließend flüchteten die Täter mit ihren Fahrzeugen mit französischen Kennzeichen. Zeugen berichteten, dass sie bei dem Überfall französisch miteinander sprachen. Die Grenze zu Frankreich und der Flughafen Basel-Mulhouse sind nicht weit entfernt. Die Grenze wird zumeist nicht mehr bewacht, da die Schweiz dem visafreien Schengen-Abkommen der EU beigetreten ist.

"Mini-Las-Vegas im Zentrum von Europa"
Das Grand Casino ist seit 2003 in Betrieb und wirbt als "Mini-Las-Vegas im Zentrum von Europa" um Spieler. Geboten werden 357 Glücksspielautomaten, 15 Spieltische, vier Bars und zwei Restaurants. Im Jahr 2008 ließen die Spieler rund 104 Millionen Franken (etwa 73 Millionen Euro) dort. Seit 2007 können Casino-Gäste auch in einem angegliederten Hotel übernachten. "Sie können problemlos ein Wochenende im Resort verbringen, Langeweile wird sicherlich nicht aufkommen", heißt es in der Werbung.

Die nunmehrige Tat erinnert an den Überfall auf das internationale Poker-Turnier im Berliner Hyatt-Hotel, bei dem am 6. März eine Bande rund 240.000 Euro erbeutet hatte. Vier der mutmaßlichen Täter sind in Untersuchungshaft, ein Fünfter kam als Kronzeuge auf freien Fuß.

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