80.000 "Rothemden"
Proteste in Thailand zwingen Soldaten zum Rückzug
Allerdings umringten tausende Demonstranten den Amtssitz von Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva, was Befürchtungen auslöste, es könnte zu gewalttätigen Zusammenstößen kommen. Die rot gekleideten Regierungsgegner und Anhänger des 2006 gestürzten Regierungschefs Thaksin Shinawatra rissen Absperrungen nieder und drohten, sich gewaltsam Zutritt zum Regierungsgebäude zu verschaffen.
Nach Verhandlungen mit den Sicherheitsverantwortlichen zogen sich die Demonstranten zurück. Sie fürchteten, Abhisit könnte den Ausnahmezustand verhängen und die Sicherheitskräfte ermächtigen, die Massenproteste niederzuschlagen.
Die Demonstranten zogen auf Motorrädern, in Autos und zu Fuß zu insgesamt sieben Plätzen der Stadt, darunter mehrere Tempel und den Zoo von Bangkok. An mindestens vier Stellen gelang es ihnen, die Soldaten zum Rückzug zu bewegen. Es ist bereits das dritte Wochenende in Folge, an dem die Rothemden gegen die Regierung demonstrieren. Diesmal hatten sie ihre Route vorher nicht festgelegt, um ein Eingreifen der Sicherheitskräfte zu vermeiden. Rot ist die Farbe der Opposition - die königstreuen Anhänger tragen Gelb.
Insgesamt 50.000 Sicherheitskräfte in der Stadt
Vize-Ministerpräsident Suthep Thaugsuban bezeichnete den Rückzug der Soldaten als "Anpassung", um Zusammenstöße zu verhindern. Sie würden zudem ihre Posten rasch wieder einnehmen. "Sie mussten sich jetzt zurückziehen, um eine Konfrontation zu vermeiden", sagte Suthep vor Journalisten. "Wir müssen Recht und Ordnung aufrechterhalten." Die Regierung hatte rund 50.000 Sicherheitskräfte in ganz Bangkok postiert, um den Protesten zu begegnen.
An vielen Orten glich die Demonstration einem Festumzug, die vielen Rothemden tanzten und sangen, Frauen warfen Blumen in Richtung der abziehenden Soldaten, die teils lächelnd und fotografierend ihre Posten verließen. "Ich bin glücklich, dass wir heute gewonnen haben", sagte eine 57-jährige Demonstrantin. "Das zeigt, dass wir unser Ziel fast erreicht haben." Nattawut Saikua, einer der Anführer der Rothemden, sagte: "Dies ist nicht nur unser Sieg, sondern ein Sieg für alle Bauern." Mit den Soldaten verstünden sie sich gut, sie alle seien Menschen des Volkes.
Ausgaben der umstrittenen Verfassung verbrannt
Thaksins Anhänger stammen vor allem aus dem ärmlichen Norden und Nordosten Thailands, viele von ihnen sind Arbeiter und Bauern. Der Regierung werfen sie elitäres Verhalten vor und bezeichnen sie als "undemokratisch". Sie fordern den Rücktritt von Ministerpräsident Abhisit und die Auflösung des Parlaments. Zum Zeichen ihres Protestes zogen tausende Demonstranten am Samstag auch vor das Parlament und verbrannten dort Ausgaben der umstrittenen Verfassung. Anschließend zogen sie zum Armeestützpunkt außerhalb von Bangkok, wo die Regierung ihr Krisen-Hauptquartier aufgeschlagen hatte.
Thaksin war 2006 vom Militär gestürzt worden. Er floh 2008 ins Ausland, um einer Haftstrafe wegen Korruption und Amtsmissbrauchs zu entgehen. Immer wieder wandte er sich seitdem per Videobotschaft an seine Anhänger und rief sie zur Fortsetzung ihres Widerstands auf, zuletzt am Donnerstag.
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