11.03.2019 10:05 |

Tests in Österreich

Telematik-Spezialist schickt Drohnen zu Unfällen

Nach einem Verkehrsunfall kann rasche Hilfe Leben retten. Bei Herz- und Atemstillstand geht es tatsächlich um Minuten, aber auch bei starken Blutungen steigt die Sterberate nach einer halben Stunde rapide an. Der Telematik-Spezialist Dolphin Technologies stattet seit Jahren Fahrzeuge mit sogenannten eCall-Systemen aus, um Unfälle und deren Position sofort zu erkennen und Hilfe zu schicken. Nun sollen Drohnen ein noch besseres Bild der Situation liefern.

Auf dem Bildschirm der Einsatzzentrale erscheint eine Alarmmeldung: Ein Fahrzeug hatte gerade einen Unfall auf der A4 bei Fischamend. Neben der genauen Position liefert das eCall-Notrufsystem auch die Information, dass es einen seitlichen Aufprall mittlerer Stärke gegeben hat und vermutlich niemand im Fahrzeug verletzt ist. Gleichzeitig wird eine Sprechverbindung mit dem Fahrer aufgebaut und abgeklärt, ob vielleicht doch medizinische Hilfe notwendig ist und welche sonstigen Maßnahmen getroffen werden müssen. In diesem speziellen Fall ist die Situation klar und der Pannendienst kann das leicht beschädigte Fahrzeug nach einer halben Stunde in die nächste Werkstatt schleppen.

„Manchmal fehlen aber wichtige Informationen“, sagt Harald Trautsch, Geschäftsführer von Dolphin Technologies, Spezialist für Unfallerkennung und automatische Meldung. „Es kommt zum Beispiel vor, dass trotz eines lediglich leichten Aufpralls kein Kontakt mit den Insassen hergestellt werden kann.“ In solchen Fällen obliegt es dem geschulten Personal der Einsatzzentrale, selbst über die Maßnahmen zu entscheiden. „Ideal wäre es hier natürlich, wenn unsere Call Agents tatsächlich sehen könnten, was gerade passiert“, so Trautsch. „Aus diesem Grund wollen wir eine Drohne zu schweren Unfällen schicken bzw. zu solchen, wo zusätzliche Informationen wichtig sind.“

Testbetrieb mit nationalen und internationalen Projekten
Getestet wird derzeit mit Drohnen für den privaten Gebrauch, wobei es hauptsächlich darum geht, die Flugroute automatisch zu berechnen und an die Drohne zu übertragen. Dolphin ist hier in ein internationales Projekt involviert, bei dem bei Massenkarambolagen über Drohnen erkannt werden soll, wo Hilfe am notwendigsten ist.

Die großen Herausforderungen lauten dabei Logistik, Technik und Recht: Die Standorte müssten so gewählt werden, dass die Drohnen innerhalb weniger Minuten am Unfallort sind, erläutert das Unternehmen in einer Mitteilung. Außerdem müssten sie geladen werden und dürften nur Gebiete überfliegen, die nicht bewohnt sind. Die Spezialisten rechnen damit, dass die Distanz zwischen den Standorten nicht mehr als fünf Kilometer betragen soll. Vorrangig gilt es, das hochrangige Straßennetz auszustatten und sich auf jene Strecken zu konzentrieren, die eine hohe Unfallfrequenz haben.

Größte Hürde rechtlicher Natur
Technisch ist es demnach nicht notwendig, die Call Agents zu Drohnenpiloten auszubilden. Ein Knopfdruck in der Plattform genügt, und das Backend von Dolphin berechnet die optimale Flugroute zur Unfallstelle, die von der Drohne selbständig abgeflogen wird. Die Einsatzzentrale bestimmt dann, wie lange die Drohne vor Ort benötigt wird bzw. fliegt diese automatisch zu ihrem Standort zurück, wenn die Akkus schwächer werden oder sich die Witterung verändert.

Die größte Hürde ist jedoch rechtlicher Natur. Drohnen dürfen nur in bestimmten Gebieten und nur mit entsprechender Genehmigung und Versicherung betrieben werden. Dass die Flugroute automatisch berechnet und auch selbständig abgeflogen wird, ist eine zusätzliche Herausforderung. Aber Menschenleben seien es laut Trautsch „wert, die entsprechenden bürokratischen, technischen und unternehmerischen Risiken einzugehen.“

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