13.02.2019 13:59 |

Nach Missbrauchs-Eklat

Kinder auf Tinder: Briten fordern Alters-Checks

Ein Fall aus Manchester, bei dem ein 28-Jähriger sich mit einer Zwölfjährigen einließ, die sich auf einer Sex-Dating-Börse als 19-Jährige ausgab, hat in Großbritannien zu einer Debatte über Altersprüfungen bei Dating-Börsen wie Tinder oder Grindr geführt. Die Politik will die Dating-Apps prüfen lassen und gegebenenfalls gesetzlich regeln, dass diese nicht von Minderjährigen genutzt werden können.

Der 28-Jährige aus Manchester hatte die Zwölfjährige in einer Dating-App für Erwachsene kennengelernt und zu sich nach Hause eingeladen, berichtet der „Guardian“. Das Mädchen gab sich sowohl in der App als auch im Gespräch als 19-Jährige aus und verbrachte die Nacht mit dem 28-Jährigen. Es folgten eine Anzeige und ein Missbrauchsprozess, an dessen Ende eine zweieinhalbjährige Haftstrafe stand.

30 Vergewaltigungs- und 60 Missbrauchsfälle
Dieser verstörende Fall ist nur die Spitze des Eisberges, wenn es um den Missbrauch Minderjähriger geht, die sich auf Dating-Börsen bewegen. Seit 2015 habe die Polizei mehr als 30 Vergewaltigungsfälle untersucht, bei denen die minderjährigen Opfer ohne Alterskontrolle Dating-Apps genutzt hätten. In 60 weiteren Fällen habe man Kontaktaufnahmen, Gewalt und Kidnapping im Zusammenhang mit minderjährigen Nutzern untersucht. Das jüngste Opfer sei gerade einmal acht Jahre alt gewesen.

Staatssekretär will Apps unter die Lupe nehmen
Britische Politiker wollen angesichts dieser Zahlen nun handeln. Digital-Staatssekretär Jeremy Wright: „Ich werde diesen Unternehmen schreiben und sie fragen, welche Maßnahmen sie einsetzen, um Kinder von schädlichen Einflüssen fernzuhalten, inklusive Altersüberprüfungen. Wenn ich mit der Antwort nicht zufrieden bin, behalte ich mir weitere Maßnahmen vor.“

„Wir wollen keine Minderjährigen auf Tinder“
Die Betreiber von Dating-Apps weisen darauf hin, dass sie bei der Identifikation minderjähriger Nutzer auf die Mithilfe aller User angewiesen seien. Beim Dating-App-Platzhirschen Tinder habe man Software im Einsatz, die Profile auf verdächtige Bilder scannt, heißt es von den Betreibern. Beim Erkennen Minderjähriger sei man aber darauf angewiesen, dass die Nutzer diese melden, wenn sie den Verdacht haben, jemand sei nicht volljährig. „Wir wollen keine Minderjährigen auf Tinder“, sagt eine Sprecherin. Bei Grindr schlägt man in eine ähnliche Kerbe. Die Nutzung durch Minderjährige verstoße gegen die Nutzungsbedingungen und man nutze Software und menschliche Mitarbeiter, um unangemessene Nutzung durch Minderjährige zu unterbinden.

Debatte über Schädlichkeit sozialer Medien
Die Debatte über die Risiken für Minderjährige auf Dating-Apps ist nur ein Teilbereich einer breiteren Diskussion über die Risiken sozialer Medien und Apps für Kinder und Jugendliche. Erst vor einigen Wochen war das Foto-Netzwerk Instagram in Verruf gekommen, nachdem man einen Teenager-Suizid aus dem Jahr 2017 mit Instagram-Bildern von Selbstverletzungen in Zusammenhang gebracht hatte. Instagram gelobte daraufhin, solche Bilder möglichst schnell zu löschen und sie von potenziell minderjährigen Nutzern fernzuhalten.

 krone.at
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