22.12.2018 11:23 |

Strahlen, Netze, Adler

Mit diesen Waffen holt man Drohnen vom Himmel

Weil Unbekannte mit Drohnen über das Flugfeld geflogen sind, musste am zweitgrößten britischen Flughafen der Flugverkehr für mehr als 24 Stunden ausgesetzt werden. Tausende Passagiere saßen in London-Gatwick fest, Hubschrauber und Scharfschützen suchten vergeblich nach den Piloten der Drohnen. Und auch am Freitag kam es erneut zu Drohnensichtungen, der Flugbetrieb musste wieder gestoppt werden. Doch der Vorfall sorgte nicht nur für Ärger bei Reisenden und Behörden, sondern wirft auch eine wichtige Frage auf: Wie können Flughäfen und andere sensible Einrichtungen vor in ihren Luftraum eindringenden Drohnen geschützt werden?

Französische Atomkraftwerke waren bereits Ziel rätselhafter Drohnenflüge. Gefängnisbetreiber klagen über Drohnen, mit denen illegale Gegenstände hinter Gitter geflogen werden. Und zuletzt nun also auch der Flughafen London-Gatwick: Luftraumverletzungen durch Drohnen sind kein neues Phänomen, sondern plagen sensible Einrichtungen seit Jahren. Natürlich wurden deshalb Gegenmaßnahmen entwickelt, die man wohl auch am Flughafen London-Gatwick diskutieren wird müssen.

Video: Mit einem Bodenradar wie dem Thales Squire kann ein Gebiet überwachen, das frei von Drohnen bleiben soll.

„Jammer“ trennen Drohnen vom Piloten
Eine Möglichkeit, eine Drohne vom Himmel zu holen, sind sogenannte Jammer. Dabei handelt es sich um starke Funksender, mit denen die Kommunikation der Drohne mit dem Piloten unterbrochen wird, wie sie etwa der deutsche Radartechnik-Hersteller Hensoldt anbietet. Die Drohne bleibt dann an Ort und Stelle und leitet spätestens wenn die Akkus zu schwach werden eine automatische Landung ein.

Netzwerfer holen Drohnen vom Himmel
Etwas rabiater als mit dem „Jammer“ holt man Drohnen mit Netzwerfern vom Himmel. Die gibt es heute in verschiedenen Formen: Montiert an eine Abfangdrohne, können sie Drohnen selbst in großer Höhe zum Absturz bringen. Alternativ gibt es handlichere Netzwerfer, die ein wenig wie eine Bazooka aussehen und vom Sicherheitspersonal einer kritischen Einrichtung gegen tief fliegende Drohnen eingesetzt werden können.

Laser lassen Drohnen schmelzen
Bislang hauptsächlich im militärischen Bereich erprobt wurden Laser als Anti-Drohnen-Maßnahme. Ein ausreichend starker Laserstrahl, der eine Zeit lang auf eine Drohne gerichtet wird, lässt diese in Flammen aufgehen und abstürzen. Der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin hat ein solches System - einen 30-Kilowatt-Laser - bereits erfolgreich getestet. Auch China arbeitet an Laserwaffen, die effektiv gegen Drohnen sein könnten.

Trainierte Anti-Drohnen-Adler
Als besonders mächtige Waffe im Kampf gegen Drohnen hat sich eine jahrtausendealte menschliche Kunst erwiesen: die Falknerei. Unter anderem in Frankreich hat man Adler trainiert, die gezielt Jagd auf Drohnen machen. „Wir haben Steinadler ausgewählt, weil sie robust und groß sind“, sagt ein Falkner der französischen Armee. Die gefiederten Räuber haben eine Flügelspannweite von mehr als zwei Metern, wiegen bis zu fünf Kilogramm und können ihre Beute aus zwei Kilometern Distanz ausmachen.

Selbstregulierung durch User und Hersteller
Dass Drohnen nicht nach Belieben überall geflogen werden dürfen, wo es dem Piloten passt, wissen auch die Hersteller. Aus diesem Grund werden sensible Bereiche in der Betriebssoftware der Drohnen vermerkt und - etwa beim Marktführer DJI - als Flugverbotszonen gekennzeichnet. Wenn eine Drohne in eine solche Zone eindringen würde, macht sie demnach automatisch halt. Das Problem: Für einen Tüftler mit dem nötigen Willen ist es kein großes Problem, solche Flugverbotszonen oder Höhenbegrenzungen in der Drohnen-Software zu entfernen.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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