14.01.2010 15:11 |

"Traiskirchen zwei"

Architekten zu Eberau: "Sündteuer, grottenschlecht"

Das de facto gescheiterte Asyllager-Projekt in Eberau schlägt weiter hohe Wellen. Nun üben auch Baukultur-Experten heftige Kritik daran, konkret an den Bauplänen für die Anlage, die als "grottenschlecht und sündteuer" bezeichnet werden. "Dass es im Umfeld einer [derartigen] Architektur zu Kriminalität kommt, würde mich nicht wundern", meint der Architekt Jakob Dunkl. Konter des Innenministeriums: "Das Objekt sollte in die burgenländische Architektur passen und dementsprechend wurde der Einreichentwurf gestaltet", sagte Sprecher Rudolf Gollia am Donnerstag.

Die Pläne dürften u.a. von einem Salzburger Architekten stammen. Und zwar von jenem Unternehmer - die "Krone" berichtete darüber am Mittwoch -, der für das Innenministerium die Grundstücke in Eberau gekauft hat bzw. als Käufer auftrat und auch das Bauwerk als Privatperson einreichte. Er war, wie sich jetzt nach und nach herausstellt, auch Mitglied des Planungs-Teams für das Asylzentrum.

Das Ministerium bzw. die Bundesimmobiliengesellschaft hätte die Flächen dann beim Baustart ankaufen sollen. Laut Innenministerium lief die Planung und Einreichung "juristisch korrekt" ab. Das Ministerium könne nicht als Käufer auftreten, stattdessen stehe hinter dem Unternehmer der Wiener Stadterweiterungsfonds - der wiederum den Salzburger Unternehmer vorschob.

Diese Vorgangsweise werde öfter angewandt, heißt es. Allerdings gibt es im Fall Eberau die nicht unwichtige Komponente, dass man sich mit der Taktik gekonnt an der burgenländischen Landesregierung und an der Bevölkerung vorbeischlängelte. Was das ganze Projekt inklusive Grundstückskauf kostete, ist noch unbekannt.

"Alles falsch, was falsch sein kann"
Für Jakob Dunkl, Architekt und Sprecher der Plattform für Architektur und Baukultur, sind die Renderings "so derartig indiskutabel, dass ich gar nicht weitere Worte verlieren kann. Da ist einfach alles falsch, was falsch sein kann". Die Aufgabe der Plattform sei es allerdings, "positives Lobbying für Baukultur zu machen".

Der Ratschlag an das Ministerium laute deshalb, "dass hohe Qualität zu weit besserem Erfolg führt." Wo sich Dunkl eine "Willkommens-Architektur für hilfsbedürftige Menschen" wünschen würde, sehen Experten Assoziationen zu "Kaserne und Gefängnis".

Viele Probleme lassen sich mit der Bauweise lösen
Für Dietmar Steiner vom Architekturzentrum Wien ist der Entwurf "einfach nur grottenschlecht und sündteuer - aber billig im Denken. Ich verlange nicht eine spektakuläre zeitgenössische Lösung, ich verlange Angemessenheit". Sich nicht schon beim baulichen Planungsprozess mit Themen wie der würdevollen Behandlung der Asylsuchenden, aber auch mit möglichen Problemen im Zusammenleben zu befassen, sei "menschenverachtend", betonte auch Anhammer.

"Es wird nicht teurer oder billiger, wenn man sich darüber Gedanken macht. Das ist eine Haltungsfrage." Architekten könnten dabei nur ein Teil der vielen Spezialisten sein, die in ein solches Projekt einbezogen werden müssten.

"Schaut aus wie Traiskirchen zwei"
"Wir haben großartige Planer in diesem Land, die ein modernes Flüchtlingszentrum ganz anders gestalten würden. Man muss nur an die Familien denken, die hier leben würden, die Freiräume und Grünflächen brauchen - nicht diesen Aufmarschplatz in der Mitte." In dieselbe Kerbe schlägt auch Christoph Riedl, Leiter des Flüchtlingsdiensts der Diakonie, die zuletzt mit ihrem Vorschlag, viele kleine Asyleinrichtungen zu schaffen, viel Zustimmung fand.

"Es wirkt wie ein Lager, schaut aus wie Traiskirchen zwei." Aus den Schwierigkeiten in Traiskirchen müsse man stattdessen lernen, auf kleinere Unterbringungen je nach Betreuungsbedarf zu setzen. Wenn man schon über einen Neubau nachdenkt, dann gründlich."

"Betreuungskonzepte funktionieren nur in kleinen Gruppen, die auch räumlich so zu konzipieren sind", erklärte Riedl. "Ganz wichtig sind Möglichkeiten, den Tag zu strukturieren, Plätze, wo man sich sinnvoll aufhalten kann, vor allem natürlich für Kinder. In Traiskirchen sitzen die Menschen tagsüber in ihren Betten. Es ist kein Krankenhaus, keine Anstalt, hier leben Individuen aus verschiedenen Kulturen, und so sollen sie sich auch verhalten können."

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