"Krone": Alles wartet gespannt auf den Wunderwuzzi aus Salzburg. Was haben Sie denn alles vor?
Kresse: Ich habe eine Vision – ich möchte etwas in diesem Land bewegen, mitgestalten. Deswegen habe ich mich auch nach 18 Jahren in anderen Ländern wieder für Kärnten beworben.
"Krone": Schön, was bedeutet das konkret?
Kresse: Kärnten kann es sich nicht leisten, so weiterzumachen wie bisher. Und es ist völlig wurst, ob ich ein neues Logo designe oder andere Kataloge drucke – da muss sich an der Basis etwas ändern. Mein Ziel ist es, die Regionen wieder zu stärken. Mit ihnen gemeinsam eine Marke Kärnten zu entwickeln, die auf zwei Papierseiten Platz hat und die jeder mittragen kann.
"Krone": Weg von der zentralistischen Kärnten Werbung?
Kresse: Tourismus muss kompletter Förderalismus sein! Dafür brauchen die Regionen aber auch Geld und Strukturen. Daher strebe ich eine Reform an – 300 Mitarbeiter sitzen in irgendwelchen Gemeinde-Infobüros. Sie sollten für die Region arbeiten. So würden Ressourcen weit besser genützt. Und bekämen die Tourismusverbände die Orts- und Fremdenverkehrstaxen, ließe sich damit schon was machen.
"Krone": Schwebt Ihnen schon eine Marke Kärnten vor?
Kresse: Hm, wie stellen Sie sich Kärnten vor? Das will ich erst auch von den zwölf Regionsgeschäftsführern wissen. Kärnten braucht ein Gesicht, ein Image. Das fehlt. Tirol ist Schnee, Salzburg Kultur, Burgenland Therme und Wein – was ist Kärnten?
"Krone": Der Wörthersee?
Kresse: Das reicht aber nicht, oder? Ich kann nur etwas verkaufen, von dem ich zu 100 Prozent überzeugt bin.
"Krone": Wie wollen Sie nun das Land von sich überzeugen?
Kresse: Durch Einsatz. Ich habe gesagt, ich mach den Job nur, wenn ich umkrempeln kann. Sonst hat’s keinen Sinn – dann braucht man nur einen Verwalter, der blöde Zahlen präsentiert.
"Krone": Apropos Zahlen: Die Nächtigungen ...
Kresse: Vergesst’s die doch! Mir sind lieber eine Million weniger Nächtigungen, die restlichen dafür aber gut aufgestellt und zu einem ordentlichen Preis!
"Krone": Keine Diskonterreisen?
Kresse: Natürlich kann man zwischensaisonal Günstiges anbieten. Aber ich bin gegen dieses Preisdumping. Kärnten verkauft sich unter
seinem Wert. Da muss sich im Bewusstsein wieder was tun.
"Krone": Wie mit Billigangeboten konkurrieren?
Kresse: Durch Qualität. Der Investitionsstau der letzten 20 Jahre rächt sich. Und kein Betrieb sollte nur drauf warten, welche Förderungen er von der öffentlichen Hand bekommt – die ist nicht dafür da. Sondern er selbst ist für seinen Erfolg verantwortlich.
"Krone": Das werden viele Hoteliers nicht gern hören.
Kresse: Weil das die Mentalität in Kärnten ist: Viel tschentschen, selber oft nichts anpacken. Aber zum Glück gibt’s auch viele ganz tolle Unternehmer – und gemeinsam geht’s!
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