Flucht aus Frust
“Segelmädchen” in Holland gelandet – Kritik an Jugendamt
Zu der Vernehmung am Flughafen kam auch Lauras Vater, bei dem sie bisher wohnte. Laura war am Donnerstag von zu Hause ausgerissen. Nach Angaben aus dem Familienkreis war sie frustriert darüber, dass ein Gericht Ende Oktober ihre geplante Alleinumseglung der Welt untersagt hatte.
Auf Karibikinsel gefasst
Am Sonntag wurde die junge Seglerin auf der zum niederländischen Königreich gehörenden Karibikinsel Sint Maarten festgenommen. Von dort aus musste sie am Montag in Begleitung eines Grenzschutzbeamten die Heimreise in die Niederlande antreten. Laura muss nun befürchten, dass die Behörden das Fürsorgerecht der geschiedenen Eltern noch weiter als bisher einschränken und ihr nicht mehr erlauben, bei ihrem Vater zu wohnen. In diesem Fall müsste Laura bis auf weiteres in ein Heim. Der Rechtsanwalt der Familie will nun versuchen, das zu verhindern.
Großeltern kritisieren Jugendamt
Die Schuld an Lauras Verhalten hat nach Überzeugung der Großeltern väterlicherseits vor allem das Jugendamt. Die Behörde habe ihre Enkeltochter mit der Durchsetzung des Verbots ihrer geplanten Weltumseglung und den damit verbundenen Auflagen "mürbe gemacht", schrieben Dick und Riek Dekker in einem Beitrag für die Zeitung "De Volkskrant". "Seit sich das Jugendamt einmischte, haben wir zusehen müssen, wie sich Laura in wenigen Monaten von einem unternehmungslustigen und positiven Teenager in ein Mädchen verwandelte, das sich abschottet und kein Vertrauen mehr zu den Erwachsenen hat."
Rätsel rund um Verschwinden
Unterdessen ermittelt die Polizei, wie Laura überhaupt auf die Karibikinsel gelangte. Die Grenzpolizei erklärte am Montag, das Mädchen sei auf keinen Fall über einen Flughafen der Niederlande in die Karibik gereist. "Niemand hätte eine Minderjährige ohne Bescheinigung, dass sie allein reisen darf, durch die Passkontrolle gehen lassen", sagte ein Sprecher. Solche Bestimmungen gebe es in der ganzen Europäischen Union.
Jugendamt fordert lückenlose Aufklärung
Das Jugendamt verlangt daher eine lückenlose Klärung, wie es der 14-Jährigen gelingen konnte, an ein Ticket zu kommen und in die Karibik zu fliegen, obwohl sie bereits seit Monaten unter behördlicher Aufsicht steht. Laura hatte von ihrem Konto 3.500 Euro zur Finanzierung der Reise abgehoben.
Die Polizei schloss nicht aus, dass Laura mit dem Gedanken spielte, von Sint Maarten aus mit einem fremden Segelboot zu dem gewagten Rekordversuch aufzubrechen. Eine Bestätigung gibt es dafür jedoch nicht. Lauras eigene Jacht "Guppy", mit der sie im Sommer auf Weltreise gehen wollte, liegt fest vertäut im Heimathafen unweit von Utrecht.
Laura war Ende Oktober vom Familiengericht in Utrecht vorerst bis zum 1. Juli 2010 unter die Vormundschaft des Amtes für Kinder- und Jugendschutz gestellt worden. Sie durfte aber weiter bei ihrem Vater wohnen, der ihre geplante Weltreise unterstützt. Das Gericht hatte Lauras Eltern ausdrücklich untersagt, das Mädchen in See stechen zu lassen.
Gericht und Schulbehörde gegen Segeltörn
Als Hauptgrund gab das Gericht an, dass ein so schwieriger Solo-Segeltörn derzeit noch "Lauras Gesundheit und ihre geistige Entwicklung gefährden" könne. Zudem hatte auch die Schulbehörde Einspruch erhoben. Es könne nicht angehen, dass Laura während des auf zwei Jahre angelegten Segeltörns nicht am Unterricht teilnimmt, argumentierte sie. Lauras Argument, sie werde per Internet lernen und regelmäßig Hausaufgaben zur Kontrolle schicken, wurde nicht akzeptiert.
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