Nach der Festnahme

Ausbrecher erzählt die verrückten Details der Flucht

Ausland
01.12.2009 16:50
Sie bastelten sich ihre Ausbruch-Schlüssel selbst, hinterließen ihren Geiseln Tank-Geld und versteckten sich unter Scheibtruhen, als die Polizei ihnen ganz dicht auf den Fersen war. Nach der Festnahme der beiden Ausbrecher von Aachen werden jetzt die absurden Details der Flucht bekannt - offenbar stammen sie aus der Vernehmung des am Sonntag verhafteten Michael Heckhoff (Bild).

Schon der Beginn der Flucht war laut der „Bild“-Zeitung, die offenbar Einblicke in die Heckhoff-Vernehmung nehmen konnte, kurios. Zunächst kauften der 50-Jährige und sein Komplize Paul Peter Michalski sich eine Pistole und erhielten für kurze Zeit von einem Wärter einen Schlüssel. „Den Schlüssel legte ich auf den Kopierer, der Peter hat dann in der Gefängnis-Schlosserei nach der Vorlage ein neues Exemplar gemacht“, berichtet Heckhoff von haarsträubenden Sicherheitslücken in dem Aachener Gefängnis.

Am Tag der Flucht hätten sie dann einen Wärter als Geisel genommen und sich mit dem neuen Schlüssel mehrere Türen geöffnet. Dies geschah offenbar äußerst unauffällig. Erst an der Pforte war Endstation, aber „wir haben dem Pförtner klargemacht, dass ihm nichts anderes übrig bleibt, als uns die Tür zu öffnen, weil wir seinen Kollegen haben“, so Heckhoff. Der Pförtner wurde zur Herausgabe weiterer Pistolen gezwungen, ehe er mit Handschellen gefesselt wurde. Auch der als Geisel genommene Wärter wurde zurückgelassen.

Gangster winkten draußen sogar in die Überwachungskameras
Vor dem Gefängnistor konnten die beiden dann offenbar selbst nicht glauben, dass sie so leicht in die Freiheit gelangt waren. Denn Aachen gilt als eines der sichersten Gefängnisse Deutschlands. „Wir haben gedacht, dass jetzt der Alarm losgeht, aber das passierte nicht. Dutzende von Kameras waren auf uns gerichtet. Ich sagte zu Peter: ‚Wink mal, damit die sehen, dass wir weg sind‘.“

Vor dem Gefängnistor hatte gerade ein Taxi angehalten, mit dem ein anderer Gefangener aus dem Hafturlaub zurückgekehrt war. „Der hat vielleicht dumm geguckt, aber nachdem er ausgestiegen war, habe ich dem Taxifahrer meine Pistole gezeigt und gesagt, dass wir jetzt nach Aachen hineinfahren. Er meinte, dass er damit klar kommt“, berichtet Heckhoff. Doch die Fahrt ging noch weiter. In einem kleinen Ort riefen sich das Duo aus einem Gasthof ein weiteres Taxi und nahmen dem ersten Lenker sein Geld ab – bis auf 20 Euro fürs Tanken. „Der musste ja auch irgendwie nach Hause kommen“, so der Ausbrecher.

An einer Pommesbude gab es dann die erste Mahlzeit in Freiheit. Als ein Polizeihubschrauber über dem Duo kreiste, versteckten sich beide unter einer Brücke. Dort verbrachten sie auch die erste Nacht. „Wir haben voll gefroren“, sagt Heckhoff. Am nächsten Morgen wuschen die beiden sich in einem Krankenhaus und frühstückten in der dortigen Cafeteria. „Ich hab den Peter zahlen lassen, denn ich hatte ja vorher noch nie einen Euro gesehen“, berichtet Ex-Ausbrecher Heckhoff.

Unter Scheibtruhen vor ahnungslosen SEK-Polizisten versteckt
Später sprachen die Ausbrecher dann „so ein Mädchen“ an, „die fuhr so ein altes Auto“. Sie stiegen in den Wagen ein und fuhren mit ihr gemeinsam los, aber als in Essen der Tank leer war, „sind wir raus, und der Peter hat dem Mädchen einen Zehner fürs Tanken gegeben“. Zu Fuß flüchteten sie weiter. In einem nahgelegenen Wald hätten sie dann auf einmal Polizisten gesehen. „Peter wollte wegrennen, aber ich hab zwei Scheibtruhen gesehen, unter denen wir uns dann versteckt haben. Irgendwann kamen Beamte des Sondereinsatzkommandos vorbei. Einer meinte; ‚Da hör ich was!‘ Aber zum Glück hat der uns nicht gesehen.“

Nach der Geiselnahme eines älteren Ehepaares flüchteten sie mit dessen BMW weiter nach Mülheim. Sie schliefen nachts in einem Hochhaus und wollten dann weiterfahren. Doch da hatte die Polizei den Wagen bereits entdeckt und observierte das Fahrzeug. „Wir waren in der Nähe des Wagens und überlegten uns, wo wir hinfahren wollen. Auf einmal kam so ein junger Bursche vorbei. Als der vorbei gegangen war, hörten wir seinen Funk und sahen seine Pistole. Da wussten wir, dass er ein Bulle ist. Der Peter ist los, aber ich bin ausgerutscht“, schildert Heckhoff den Anfang vom Ende seiner Flucht.

„Wir hatten von Anfang an keine Ahnung, wo wir hin wollten“
Der Polizei habe er nach seiner Verhaftung seine Hilfe bei der Festnahme seines mittlerweile ebenfalls gefassten Kompagnons angeboten. Als Vermittlungspartner. „Keiner wusste, wie er reagieren würde, wenn er umstellt wird. Der kannte sich in der Gegend auch gar nicht aus. Wir hatten ja von Anfang an keine Ahnung, wo wir nach dem Ausbruch hin wollten.“

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
01.12.2009 16:50
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung