Am hellichten Tag

Bewaffnete rauben Magritte-Bild aus Museum

Ausland
24.09.2009 20:48
Am helllichten Tag haben zwei bewaffnete Gangster ein Gemälde des belgischen Surrealisten René Magritte aus dessen früherer Wohnung gestohlen. Nach Angaben der Polizei erbeuteten sie am Donnerstag, das 1948 gemalte Bild einer Nackten am Meer namens "L'Olympia". Der Wert des Bildes, das Magrittes Frau Georgette mit einer Muschel auf dem Bauch zeigt, wird auf bis zu vier Millionen Euro geschätzt.

Bei dem Überfall auf die Wohnung im Brüsseler Stadtteil Jette, die jetzt als Magritte-Museum dient, erlitten vier Angestellte und zwei Besucher einen Schock, wurden aber darüber hinaus nicht verletzt.

Magritte, der gemeinsam mit seinem Landmann Paul Delvaux und dem Spanier Salvador Dalí zu den prägenden Gestalten des Surrealismus gehört, hatte von 1930 bis 1954 mit seiner Frau in dem Haus gewohnt. Das Museum gibt es seit 1999. Es kann es nur nach Voranmeldung besichtigt werden. Mit dem im Juni eröffneten Magritte-Museum im Zentrum der belgischen Hauptstadt hat es nichts zu tun.

Täter baten um Einlass - und zogen dann Pistole
Die zwei Täter hatten um Einlass gebeten und - nachdem die Tür geöffnet wurde - eine Pistole gezogen, teilte die Polizei mit. Während einer von ihnen die anwesenden Angestellten mit vorgehaltener Pistole zwang, sich im Hof des Museums auf den Boden zu legen, überwand der zweite Täter die eineinhalb Meter hohe Trennwand aus Glas vor dem 60 mal 80 Zentimeter großen Bild und riss es an sich.

Räuber waren nicht maskiert
Nach Angaben von Museumschef André Garitte waren die beiden Räuber nicht maskiert. Sie hätten Französisch und Englisch gesprochen, einer habe "asiatisch" ausgesehen. Laut Polizei entkamen sie zunächst zu Fuß, setzten dann aber ihre Flucht in einem bereitstehenden Fahrzeug fort.

Magritte (1898 bis 1967) zählt zu den einflussreichsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Er wurde unter anderem durch Bilder wie "Dies ist keine Pfeife" (Ceci n'est pas une pipe) und "L'Oiseau du Ciel" (Der Himmelsvogel) berühmt, das eine fliegende Taube in den Farben des Himmels mit weißen Wolken zeigt. Die meisten Bilder des belgischen Surrealisten zeichnen sich dadurch aus, dass Gegenstände und Körper naturalistisch dargestellt, durch irreale Zusammenfügungen oder Dimensionen jedoch verfremdet werden (siehe Infobox).

Erinnerungen an Kunstraub von Oslo
Der spektakulärste Kunstraub der vergangenen Jahre fand in Oslo statt: Im August 2004 waren zwei bewaffnete Männer mitten am Tag in das Munch-Museum eingedrungen und hatten zwei der berühmtesten Gemälde des norwegischen Malers Edvard Munch - "Der Schrei" und "Die Madonna" gestohlen. Erst zwei Jahre später wurden sie unter bis heute nicht ganz geklärten Umständen wiedergefunden.

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