Digitales Lernen

Arnie will herkömmliche Schulbücher abschaffen

Ausland
10.06.2009 10:49
Geht es nach Arnold Schwarzenegger, dann werden an den Schulen Kaliforniens Bücher schon bald durch elektronische Lesegeräte ersetzt. Herkömmliche Schulbücher seien "veraltet, schwer und teuer", sagte Schwarzenegger am Dienstag in einer Rede vor Schulkindern in Sacramento. Er erhofft sich durch E-Books Einsparungen in der Höhe von 400 Millionen Dollar - Geld, dass der finanziell marode US-Bundesstaat dringend benötigen würde...

Kalifornien sei der "Weltmarktführer in Technologie und Innovation", deswegen müsse es bei der Einführung von E-Büchern vorangehen. Die digitalen Lehrbücher sollten bis Jahresende für die Fächer Mathe und Naturwissenschaften einsatzbereit sein.

Sparzwänge Grund für Abschaffung
Schwarzenegger begründete die Initiative auch mit den Sparzwängen seines Bundesstaats, der derzeit in einer akuten Haushaltsnotlage steckt. Ein Lehrbuch koste den Staat durchschnittlich rund 100 Dollar (rund 70 Euro); die Umstellung auf E-Bücher könnte zunächst bis zu 400 Millionen Dollar (287 Millionen Euro) einsparen, bei einer Ausweitung auf weitere Fächer würden Hunderte Millionen Dollar mehr eingespart. 

Er sei sich bewusst, dass seine Entscheidung einen "dramatischen Wandel" darstelle. Allerdings halte er die Schüler für gut gerüstet: "Sie hören heute schon digitale Musik und schauen online Fernsehen, sie nutzen Twitter und Facebook."

Sparhaushalt soll Desaster verhindern
Das Haushaltsloch des Bundesstaates - Kalifornien allein ist rechnerisch gesehen die achtgrößte Wirtschaftsmacht weltweit - könnte bis Juni 2010 auf über 24 Milliarden Dollar anwachsen, wenn keine drastischen Sparmaßnahmen unternommen werden. "Die Leute schreiben Kalifornien ab. Es wird schon über das Ende des kalifornischen Traumes geredet", sagte Schwarzenegger vergangene Woche. Die Regierung in Sacramento müsse nun "Mut und Entschlossenheit" zeigen.

Schwarzenegger hatte kürzlich milliardenschwere Einsparungen vorgeschlagen, über die nun das Parlament abstimmen muss. Betroffen sind unter anderem Ausgaben für das Gesundheitswesen, Bildung und Soziales. Zur Senkung des massiven Defizits sollen tausende Staatsangestellte entlassen, Naturparks geschlossen und Zuschüsse für Bedürftige gestrichen werden.

Verkauf von staatlichen Gebäuden zur Disposition
Der Gouverneur denkt auch über die Privatisierung von Gefängnissen nach, um den Haushalt zu entlasten. Zudem stellt Schwarzenegger den Verkauf von staatlichen Gebäuden zur Disposition, darunter das Sportstadion Los Angeles Coliseum und das berühmte San-Quentin-Gefängnis bei San Francisco. Der Verkauf von sieben großen Immobilien könnte mehr als eine Milliarde Dollar (702 Mio. Euro) in die Haushaltskasse bringen.

Erst im Februar hatte das kalifornische Parlament nach einem wochenlangen Tauziehen einen Milliardenhaushalt verabschiedet und damit geplante Massenentlassungen und eine drohende Zahlungsunfähigkeit Kaliforniens in letzter Minute abgewendet. Demokraten und Republikaner stimmten einem Paket mit Steuererhöhungen und massiven Ausgabenstreichungen zu, um ein Milliarden-Finanzloch zu stopfen. Sinkende Steuereinnahmen und eine Verschlechterung der Wirtschaftslage in den letzten Monaten haben die Finanzkrise nun weiter verschärft.

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