Düstere Aussichten

Deutsche Wirtschaft schrumpft um sechs Prozent

Ausland
24.04.2009 07:27
Deutschland steuert nach Ansicht führender Ökonomen auf schwere wirtschaftliche Zeiten zu. Die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg macht wohl weit mehr als eine Million Menschen arbeitslos und lässt die Schulden des Staates weiter anschwellen, wie die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute am Donnerstag erklärten. Für 2009 rechnen sie mit einem beispiellosen Schrumpfen der Wirtschaft um 6 Prozent.

"Das große Erdbeben in der Produktion liegt hinter uns", sagte Kai Carstensen vom Münchner Ifo-Institut bei Vorlage der Prognose in Berlin. "Vor uns liegen nun die Folgeschäden, das sind der Anstieg der Arbeitslosigkeit und die Verschuldung der öffentlichen Haushalte." Für das laufende Jahr rechnen die Forscher mit dem Wegfall von einer Million Jobs, was die Arbeitslosigkeit auf über vier Millionen Menschen steigen lassen würde. Im kommenden Jahr könnte die Zahl der Arbeitslosen demnach sogar auf knapp unter fünf Millionen ansteigen.

Stabilisierung nicht vor Mitte 2010
"Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Frühjahr 2009 in der tiefsten Rezession seit der Gründung der Bundesrepublik", sagte Carstensen. Der Einbruch der Nachfrage weltweit habe Deutschland als Export-Nation besonders hart getroffen. So schnell wie in den vergangenen Monaten wird die deutsche Wirtschaft nach Ansicht der Experten nicht mehr schrumpfen. Allerdings sei mit einer wirklichen Stabilisierung nicht vor Mitte 2010 zu rechnen. Auch für das kommende Jahr gehen die Ökonomen nochmals von einem Minus von 0,5 Prozent aus.

Zugleich machten die Forscher deutlich, dass die Prognose angesichts der beispiellosen Krisenlage mit Unsicherheiten behaftet sei. Zentral sei eine Gesundung der Banken. Hier müsse die Bundesregierung "noch entschlossener und ohne Blick auf die Bundestagswahl" eingreifen, sagte Carstensen. Ansonsten bestehe die Gefahr einer Kreditklemme. Zugleich lobten die Forscher die beiden Milliarden-Programme der Bundesregierung zur Ankurbelung der Konjunktur.

Abwrackprämie "wirkt verzerrend"
Von dem Lob nahmen sie aber die Abwrackprämie für Altautos aus. Diese rege den Konsum nur kurzfristig an und wirke "verzerrend". Auch weitere Konjunkturhilfen lehnen die Forscher ab. Schon die bisherigen Programme ließen die öffentliche Verschuldung in den nächsten Jahren ansteigen, sagte Ifo-Experte Carstensen. "Die Luft wird langsam dünn." Zudem rechnen die Forscher wegen des Anstiegs der Arbeitslosigkeit damit, dass die Einnahmen des Staates wegbrechen und die Ausgaben der Bundesagentur für Arbeit wieder stark steigen werden.

Die Neuverschuldung werde in diesem Jahr auf 89 Milliarden Euro steigen, was einer Quote von 3,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspreche. 2010 werde sich der Trend verschärfen. Dann rechnen die Ökonomen mit einem Minus von 133 Milliarden Euro, eine Quote von 5,5 Prozent. Die EU erlaubt eigentlich nur eine Quote von drei Prozent, in der Wirtschaftskrise gelten aber Ausnahmen.

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