In sechs Monaten wird der Notarztstützpunkt in Ybbs im Bezirk Melk (Niederösterreich) geschlossen. Besorgte Bürger und ein Mediziner sprachen am Dienstag bei einer Kundgebung der SPÖ über die Gefahren der „Notarzt-Ausdünnung“.
Dass Harald Mixa aus Petzenkirchen heute wieder ohne größere Beschwerden aufrecht stehen kann, hat er vielen notärztlichen Begleitern zu verdanken, erzählt er der „Krone“. 2022 erlitt er frühmorgens um 5.30 Uhr einen Schlaganfall. „Da ich plötzlich nicht mehr reden konnte, rief ich meine Frau mit dem Handy nach oben.“ Diese verständigte den Notarzt, der bereits 15 Minuten später dem heute 64-Jährigen half.
Im Babenberger Hof in Ybbs ist er am vergangenen Dienstag bei weitem nicht der einzige aus der Region, dem die Schließung der Notarztstützpunkte Sorgen bereitet. Der Publikumssaal war randvoll, auch Interessierte aus anderen Landesvierteln waren anwesend. Ex-Bürgermeister von Ybbs, Alois Schroll, sitzt heute im Nationalrat und initiierte die Veranstaltung. Er selbst habe einmal erlebt, wie jemanden durch schnelles ärztliches Handeln das Leben gerettet wurde. „Das Thema emotionalisiert“
Ein Sanitäter kann einen Notarzt nicht in jeder Situation ersetzen. Nur ein Notarzt darf gewisse Medikamente im Ernstfall verabreichen.

Notarzt Tarik Faharat
Bild: Franz Crepaz
Elf Stützpunkte werden geschlossen
Seit August ist fix: Elf der 32 landesweiten Notarztstützpunkte sollen bis zum Frühjahr 2027 geschlossen werden. Während die ÖVP diesen Plan verteidigt, sieht die SPÖ eine gefährliche Sparmaßnahme „an der falschen Stelle“, stellt SPÖ-Chef Sven Hergovich bei der Veranstaltung einmal mehr klar. Ist der Stützpunkt künftig bei Herzinfarkt, Schlaganfall oder anderen Notfällen deutlich weiter entfernt, habe das verheerende Folgen: „Der Notarzt darf dreimal mehr Medikamente geben als ein Sanitäter“, sagt Hergovich. Vor allem Kindern könne man im Ernstfall als Sanitäter wenig verabreichen.
Ärzte besorgt um Versorgung
Zudem zählt oft jede Minute. „Ich kenne beide Seiten. Ich bin 16 Jahre im Rettungsdienst tätig, mittlerweile auch als Notarzt“, erklärt Tarik Faharat, der in Scheibbs praktiziert. Der Hubschrauber sei zwar eine gute, schnelle Alternative, „aber er kann wie ein Vogel nicht bei jedem Wetter fliegen“. Insgesamt seien es um die elf Millionen Euro, die laut SPÖ durch weniger Stützpunkte eingespart werden. „Viel zu wenig, um dafür Leben zu riskieren.“ Wie jenes von Harald Mixa, der nach Schlaganfall und Lungen-OP heute stolz erzählt: „Diesen Sommer bin ich beim Wings-for-Life-Run mitgegangen.“
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