Boote gesunken
Flüchtlingsdrama vor libyscher Küste
Ein viertes Boot mit mehr als 350 Flüchtlingen an Bord sei in der Nähe des vor der Küste gelegenen Ölfelds Buri in Seenot geraten. Die Küstenwache habe das Schiff aber in den Hafen von Tripolis schleppen und alle Passagiere retten können.
"Es werden nie alle Leichen gefunden"
Die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf bestätigte die Angaben. Offenbar würden mehr als 300 Menschen vermisst, sagte IOM-Sprecher Jean-Philippe Chauzy. Sie hätten wohl versucht, zur italienischen Insel Lampedusa zu gelangen und sind unterwegs in einen Sturm geraten. Von Überlebenden habe er keine Kenntnis. Ein IOM-Vertreter in Tripolis sagte, die libyschen Behörden hätten die "Tragödie" bestätigt. Wie viele Menschen genau auf den Booten waren, bleibt weiterhin im Dunkeln. "Wir werden niemals genau erfahren, wie viele Menschen mit diesen Booten unterwegs waren, weil nie alle Leichen gefunden werden", sagte eine IOM-Sprecherin.
Chauzy sagte, die Boote seien zu weit auf See gesunken. Deshalb hätten die Flüchtlinge nicht an Land schwimmen können. "Auf diesen Schiffen gibt es keinerlei Sicherheitsausrüstung, keine Bojen, keine Beiboote oder sonst irgendetwas - denn es geht darum, bei völliger Missachtung ihrer Sicherheit und Würde so viele Menschen wie möglich darauf zusammenzupferchen", fügte er hinzu.
UN-Organisationen zeigen sich betroffen
UN-Flüchtlingshochkommissar Antonio Guterres zeigte sich betroffen von dem Vorfall und wies darauf hin, dass momentan die "Schmuggel-Saison" am Mittelmeer beginne. UN-Experten seien unterwegs, um die nach Libyen zurückgeschickten Flüchtlinge zu befragen, die mittlerweile in Internierungslagern in der Nähe von Tripolis festgehalten würden.
Auch das UNO-Flüchtlingshochkommissariat zeigte sich am Dienstag geschockt von dem Flüchtlingsdrama vor der Libyschen Küste. UNHCR-Sprecher Roland Schönbauer legte Wert auf die Tatsache, dass die weitaus überwiegende Zahl der Menschen, die von Afrika nach Europa streben, dies nicht aus wirtschaftlichen Gründen tun, sondern vor politischer Verfolgung und Kriegen fliehen.
Im Vorjahr hatten 36.500 Personen Italien von Afrika kommend erreicht, von denen 75 Prozent politisches Asyl beantragt hätten. Die Hälfte von ihnen hätte das auch zugestanden bekommen. "Je höher die Grenzschutzmaßnahmen sind, desto ausgefallenere Wege suchen diese Menschen", meinte Schönbauer. Die Menschen müssten angehört und jeder Fall geprüft werden. "Und das tut man besser mit festem Boden unter den Füßen."
Hunderte Flüchtlinge täglich
Bereits am Montag waren über 400 Bootsflüchtlinge in Süditalien angekommen. Ein 20 Meter langes Holzboot mit 249 Menschen, darunter 31 Frauen und acht Minderjährige, erreichte in den frühen Morgenstunden den Hafen von Portopalo an der Südspitze von Sizilien, wie italienische Medien berichteten. In der Nacht zuvor waren 153 Flüchtlinge an einem anderen Strand der größten Insel Italiens angekommen.
Insgesamt trafen nach Angaben des Innenministeriums an den Küsten Italiens im Vorjahr rund 36.500 Bootsflüchtlinge ein. Der Großteil von ihnen startete die gefährliche Reise über das Mittelmeer von Libyen aus. Nach Angaben der Organisation halten sich in Libyen eine bis eineinhalb Millionen illegale Flüchtlinge vor allem aus Westafrika und den Ländern am Horn von Afrika wie Somalia und Äthiopien auf. Eine unbekannte Anzahl davon versuche, nach Europa zu gelangen. Oft geraten die überladenen Boote dabei in Seenot und kentern.







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