Mit Valentin Inzko (59) bekommt Bosnien-Herzegowina einen Landeskenner als internationalen Beauftragten. Es ist wie eine Heimkehr - immerhin leitete Inzko von 1996 bis 1999 die österreichische Botschaft in Sarajevo.
"Botschafter als Müllmensch" nannte ihn eine Zeitung damals anerkennend, denn der fließend Serbokroatisch sprechende Inzko suchte lieber den Kontakt zu den Bewohnern Sarajevos als sich in die Diplomaten-Scheinwelt zurückzuziehen.
Seit rund drei Jahrzehnten befasst sich der aus Suetschach im Rosental stammende zweifache Vater schwerpunktmäßig mit dem Balkan-Raum. Seine bisher letzte Station war die österreichische Botschaft in Ljubljana, die Inzko seit Anfang 2005 leitet.
Schwieriger Spagat in Ortstafel-Frage
Inzkos diplomatisches Geschick wurde in Ljubljana auf eine harte Probe gestellt, musste er doch als Kärntner Slowene die Versäumnisse der österreichischen Politik in der Ortstafel-Frage gegenüber der slowenischen Öffentlichkeit verteidigen. Er schaffte den Spagat, indem er unter anderem die "positive Rolle" lobte, die der damalige Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider bei der Verwirklichung von Minderheitenrechten gespielt habe.
Jörg Haider das Du-Wort entzogen
Als Haider jedoch im September 2006 die Parole "Kärnten wird einsprachig!" ausgab, entzog Inzko dem Landeshauptmann gar in einem offenen Brief das Du-Wort, und schrieb ihm ins Stammbuch: "Wenn Gott es gewollt hätte, hätte er für die ganze Welt eine einzige Sprache erschaffen. In Kärnten schuf er zwei. Seien wir doch stolz darauf", betonte Inzko, der neben den beiden Kärntner Landessprachen auch Englisch, Französisch, Serbokroatisch, Russisch und Tschechisch spricht.
Zur Person
Valentin Inzko wurde am 22. Mai 1949 in Klagenfurt geboren. Von 1955 bis 1959 besuchte er die zweisprachige Volksschule in Suetschach (Sveèe) im Rosental. Danach war er bis 1967 im Bundesgymnasium für Slowenen in Klagenfurt.
Der promovierte Jurist und Absolvent der Diplomatischen Akademie in Wien war Presseattache an der österreichischen Botschaft in Belgrad (1982-86), Leiter einer Mission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im serbischen Moslem-Gebiet Sandschak (1992), Botschafter in Sarajevo (1996-99) und schließlich Leiter der Südosteuropa-Abteilung im Wiener Außenamt (1999-2005).
Diplomatische Erfahrungen sammelte Inzko auch im UNO-Entwicklungshilfebüro in der Mongolei (1974-78) und Sri Lanka (1978-80), an der österreichischen UNO-Vertretung in New York (1986-89) sowie als Vizechef der Presseabteilung des Wiener Außenamts (1989-90). In den Jahren 1990 bis 1996 baute er als Kulturrat in Prag das dortige Österreichische Kulturinstitut auf, das im Jahr 1993 eröffnet wurde. Seit 2005 leitete er schließlich die österreichische Botschaft in Ljubljana.
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