Blutbad in den USA

Amokläufer von Alabama führte Todesliste

Ausland
12.03.2009 09:41
Der Amokläufer, der im US-Staat Alabama in der Nacht auf Mittwoch zehn Menschen tötete, hat nach Medienberichten eine Liste geführt, auf der Menschen standen, auf die er wütend war. Der Staatsanwalt von Coffee County, Gary McAliley, sagte dem lokalen Fernsehsender WKRG, die Polizei habe eine solche Liste im Haus des 28-jährigen Schützen gefunden. Unter den Opfern des Mannes waren seine Mutter, seine Großeltern, ein Onkel und eine Tante. Offenbar habe Michael M. auch an einer früheren Arbeitsstelle in einem Installationsbetrieb einige Menschen töten wollen, sagte der Staatsanwalt. Als er in die Schulter getroffen worden sei, habe er jedoch erkannt, "dass es vorbei war, sich die Pistole in den Mund gesteckt".

Stunden nach der Bluttat untersuchten die Ermittler das Haus von McLendon in dem kleinen Ort Kinston, in dem auch seine Mutter lebte und wo er seinen Amoklauf startete. Im Schlafzimmer des 28-Jährigen entdeckten die Beamten "20 bis 40 Munitionsschachteln". Auf seiner Kommode fanden sie eine Liste mit den Namen von Kollegen, mit denen er von Juni 2007 bis zur vergangenen Woche in der Wurstfabrik gearbeitet hatte. "Darunter hatte er geschrieben, von wem er sich mies behandelt fühlte", berichtete McAliley, "etwa: 'hat mich angeschwärzt, weil ich keine Ohrstöpsel trug', 'ließ mich stundenlang die Fleischwölfe putzen'". Nach Angaben des Staatsanwalts passten McLendons Beschwerden nicht zu den Aussagen seiner Kollegen. Ein Sprecher des Unternehmens bezeichnete ihn als "zuverlässigen Teamarbeiter".

Amokläufer galt als verschlossen
Kollegen und Nachbarn beschrieben den 28-Jährigen als ausgesprochen verschlossen. "Die Nachbarn, mit denen wir sprachen, kannten ihn entweder nicht oder bezeichneten ihn als sehr scheu", sagte McAliley. Für Ärger hätten allerdings seine ständigen Schießübungen im Garten gesorgt. Der 28-Jährige, der 2003 kurzzeitig auch als Polizist gearbeitet hatte, hortete laut dem Staatsanwalt im Haus seiner Mutter "Unmengen von Material, wie es beim Überlebenstraining eingesetzt wird" - Schlafsäcke, Verbandskästen der Armee, Wasservorräte, Kochgeschirr.

Existenzängste als Auslöser?
Auslöser der Tat könnten laut McAliley wirtschaftliche Probleme gewesen sein: Auf dem Küchentisch fanden die Ermittler ein Entlassungsschreiben für McLendons Mutter. Ihr Sohn habe seitenlange Listen mit allen noch offenen Rechnungen erstellt. "Offenbar wollte er entscheiden, welche zuerst bezahlt werden mussten". "Was bringt einen Menschen dazu, so etwas zu tun?", fragte der Staatsanwalt, sichtlich mit der Fassung ringend. "Es lässt sich nur schwer ermessen, was im Inneren eines Menschen vorgeht". Die wirtschaftliche Lage habe sicherlich eine Rolle gespielt. Aber irgendwie sei er auf die ganze Welt wütend gewesen. 

Haus der Mutter angezündet
Das Grauen begann am Dienstagnachmittags um vier Uhr Ortszeit. Zunächst sah es nur nach einem Wohnungsbrand in Kinston aus. Erst Stunden später war klar, dass es der Beginn eines Amoklaufs war: Der Täter Michael McLendon hatte das Haus seiner Mutter angezündet und die Frau sowie ihre drei kleinen Hündchen erschossen, wie der örtliche Fernsehsender Wear-TV berichtete.

Nachdem der Amokläufer das Haus verlassen hatte, flüchtete er mit seinem Auto in die Nachbarregion Geneva County. Dort erschoss er Großvater, Großmutter, Onkel und Tante, die in der Nähe der Stadt Samson vor ihrem Haus friedlich auf der Veranda saßen. Weitere Opfer wurden die Frau eines Sheriffs und ein Kind. Ein weiteres Kind wurde schwer verletzt in eine Klinik geflogen. Auf einem Hof soll der Killer auch einen Mann in einem Wohnmobil erschossen haben.

Sieben Schüsse auf Polizisten
"Ich kann nicht beschreiben, was passiert und warum es passiert ist", sagte der völlig geschockte Behördensprecher Greg Ward dem CNN-Partnersender WTVY. "Ich kann nur sagen, es ist ein trauriger Tag für unsere Region." Auf seiner Flucht in Richtung Highway 52 gab der Täter anschließend sieben Schüsse auf einen Polizeiwagen ab. Eine der Kugeln traf den Angaben zufolge auch den Polizeichef von Geneva, der von seiner kugelsicheren Weste gerettet wurde. Ein Beamter erlitt leichtere Verletzungen. Kurz darauf gab es die nächsten Toten: vor zwei Geschäften in der Nähe des Highways starben ein Mann und eine Frau.

Fast 20 Kilometer weit ging die Fahrt - dann rammte ein Polizeiwagen das Fluchtfahrzeug. Darauf überschlugen sich die Ereignisse. Der Täter flüchtete inein Gebäude auf dem Gelände einer Metallfabrik, in der er gearbeitet hatte. "In dem Gebäude waren Schüsse zu hören. Wenig später fanden Polizisten den Mann tot auf", zitierte CNN einen Beamten. Die Polizei ging davon aus, dass sich der Täter selbst richtete. "Es war das schlimmste Blutbad in der jüngsten Geschichte unseres Bundesstaates. Er schoss auf alles, was er zu Gesicht bekam", meinte ein Polizist.

Erinnerungen an vergangene Amokläufe
Erinnerungen wurden wach an ein anderes schreckliches Drama in Alabama, das sich vor sieben Jahre ereignet hatte: Ein junger Mann schoss damals sechs Angehörige der Familie seiner 16-jährigen Freundin auf einer Farm in Luverne nieder. Der Täter wurde drei Jahre später zum Tode verurteilt. In den USA kommt es immer wieder zu spektakulären Amokläufen. Experten bekräftigen immer wieder, eine der Ursachen seien die Waffengesetze in den USA, die in den meisten Bundesstaaten das Waffentragen erlauben. Auch gebe es in den USA beim Waffenkauf so gut wie keine Hindernisse.

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