Von Wärtern gequält

Ex-Guantanamo-Häftling spricht offen über Folter

Ausland
09.03.2009 12:18
Der kürzlich entlassene Guantanamo-Häftling Binyam Mohamed hat erstmals Details von Folter in seiner US-Gefangenschaft geschildert. Der britische Ex-Gefangene erneuerte in seinem ersten Interview nach der Freilassung zudem Vorwürfe, dass auch der britische Geheimdienst in seine Folter verwickelt war. Ende Februar war der gebürtige Äthiopier als erster Guantanamo-Häftling seit der Wahl von US-Präsident Barack Obama freigekommen.

Er sei in einem Gefängnis in Afghanistan wochenlang in der Dunkelheit gefangen gewesen, sagte Mohamed der Sonntagszeitung "Mail on Sunday". Dort sei er auch ohne Unterbrechung mit Musik beschallt worden. "Es gab Lautsprecher in der Zelle. Aus diesen dröhnte es mit gefühlten 160 Watt in ohrenbetäubender Lautstärke. Non-stop, 24 Stunden am Tag. Sie spielten die gleiche CD 'The Eminem Show' monatelang", erzählt Mohamed. Die Toilette sei ein Kübel gewesen, den er in der Dunkelheit oft nicht finden konnte. Zudem sei er acht Tage lang in einer Position angekettet gewesen, in der er weder aufrecht stehen noch sitzen konnte. Auch habe er nur verschmutze Nahrung bekommen. "Es fühlte sich an, als würde es niemals enden und ich aufgehört hätte zu existieren", schildert Mohamed seine Qualen.

Britischer Geheimdienst beteiligt?
Der 30-Jährige erklärte, der britische Geheimdienst habe der CIA zwei Telegramme mit Fragen an ihn zukommen lassen, als er in Marokko in Gefangenschaft gewesen sei. Dort habe er sich wegen der Folter fälschlicherweise schuldig bekannt. Die Opposition und Menschenrechtsgruppen forderten am Sonntag eine unabhängige juristische Untersuchung. Die Regierung wies Kritik zurück, Folter zu dulden und verwies in dem Fall auf einen anhängigen Bericht der Staatsanwaltschaft.

Siebenjährige Gefangenschaft 
Mohamed verbrachte sieben Jahre in Gefangenschaft in mehreren Ländern, vier Jahre war er im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba. Er wurde 2002 in Pakistan festgenommen, weil die USA ihn verdächtigten, Terroranschläge verüben zu wollen. Vergangenes Jahr wurden alle Vorwürfe gegen ihn fallen gelassen. Ende Februar kehrte er in seine Wahlheimat Großbritannien zurück.

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