"USA nicht perfekt"

Obama gibt Al-Arabiya 1. Interview als Präsident

Ausland
28.01.2009 07:40
Der neue US-Präsident Barack Obama hat sein erstes Interview nach seinem Amtsantritt gegeben. Und der 47-Jährige verblüffte dabei mit der Auswahl seiner Gesprächspartner - er unterhielt sich nämlich mit Journalisten des TV-Senders Al-Arabiya. Obama stellte sich damit gleich in seinem ersten Mediengespräch den Fragen der muslimische Welt und stellte ihr dabei eine "neue Partnerschaft in gegenseitigem Respekt" in Aussicht. Er wolle kommunizieren, "dass die Amerikaner nicht Ihre Feinde sind", sagte Obama dem arabischsprachigen Sender. Auch an den Iran, den sein Vorgänger George W. Bush zur "Achse des Bösen" zählte, wandte sich der neue Präsident der Vereinigten Staaten betont entgegenkommend.

Das Interview wurde am Montagabend (Ortszeit) kurz nach der Entsendung von Obamas Nahost-Beauftragten George Mitchell in die Nahost-Krisenregion aufgezeichnet. Mitchell wird unter anderem mit der israelischen und der palästinensischen Führung zusammentreffen.

Zum Nahost-Konflikt betonte Obama in dem Gespräch, dass seine Regierung entschlossen auf einen dauerhaften Frieden sowohl zwischen Israel und den Palästinensern als auch zwischen Israel und dessen anderen Nachbarn hinarbeiten wolle. Er zeigte sich optimistisch, dass dieses Ziel erreicht werde, aber es werde Zeit brauchen und ein neues Denken hinsichtlich der Probleme des Nahen Ostens "als ein Ganzes" erfordern. Obama bekräftigte zugleich die amerikanische Unterstützung für Israel, nannte es einen "engen Freund" der USA und erklärte, er halte an der Überzeugung fest, dass Israels Sicherheit von höchster Wichtigkeit sei.

"Wir sind nicht perfekt gewesen" 
Zugleich betonte er aber, "wenn Amerika bereit ist, eine neue Partnerschaft mit der muslimischen Welt zu initiieren, auf der Basis von gegenseitigem Respekt und gegenseitigem Interesse, dann, glaube ich, können wir bedeutenden Fortschritt erzielen." Wie in seiner Antrittsrede sagte Obama weiter, dass er die Hand allen Muslimen reichen wolle, die "bereit sind, ihre geballten Fäuste zu öffnen", aber Terroristen verfolgen werde, die Zerstörung suchten.

Seine Aufgabe sei es zu kommunizieren, dass die USA ein Interesse am Wohlergehen der muslimischen Welt hätten, sagte Obama. "Wir machen manchmal Fehler. Wir sind nicht perfekt gewesen." Aber wenn man auf die Vergangenheit zurückblicke, auf den gegenseitigen Respekt und die Partnerschaft, die Amerika noch vor 30 oder 40 Jahren mit der muslimischen Welt gehabt habe, "gibt es keinen Grund, warum wir das nicht wiederherstellen können".

Angebot der direkten Diplomatie an den Iran
Gegen über dem Iran bekräftigte Obama in dem Al-Arabiya-Interview erneut sein Angebot der direkten Diplomatie. "Wie ich bereits in meiner Antrittsrede gesagt habe, wenn Länder wie der Iran bereit sind, auf die geballte Faust zu verzichten, wird sie unsere ausgestreckte Hand erwarten", sagte Obama dem in Dubai ansässigen Fernsehsender. In den nächsten Monaten werde seine Regierung eine Strategie für den Umgang mit dem Iran ausarbeiten. Es sei wichtig, "alle Instrumente der US-Macht, einschließlich der Diplomatie" zu nutzen.

Zuvor hatte die neue US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Susan Rice, direkte Diplomatie in Sachen Atom mit dem Iran angekündigt, zugleich aber betont, die USA würden den Druck erhöhen, sollte Teheran die Urananreicherung fortsetzen. Obama hatte bereits im Wahlkampf erklärt, eine neue US-Regierung unter seiner Führung wolle die seit drei Jahrzehnten bestehende Verweigerung direkter Gespräche mit Teheran überwinden.

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