26.12.2008 14:05 |

Mega-Aufreger

Wirbel um Ahmadinejad-Rede im britischen TV

Die "Alternative Weihnachtsansprache" des umstrittenen iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad im britischen Fernsehen hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Der Privatsender Channel 4 strahlte die Botschaft (siehe Video oben) am ersten Weihnachtsfeiertag als Gegenprogramm zur traditionellen Rede der Queen (siehe Infobox) aus. Politiker, Menschenrechtler sowie Israelis nannten die Entscheidung des Senders einen "Skandal" und bezeichneten Ahmadinejads Botschaft an die Christen als irreführend und gefährlich. Der konservative iranische Präsident ist unter anderem wegen seiner Israel-Feindschaft einer der umstrittensten Politiker der Welt.

In der sieben Minuten langen Rede wünschte Ahmadinejad den Christen ein friedliches Neues Jahr und eine größere Besinnung auf religiöse Werte zwischen Regierungen. Der "allgemeine Wille" der Nationen sei es, zu "menschlichen Werten" zurückzufinden. Wenn Jesus heute auf der Welt wäre, würde er gegen "Kriegstreiber, Besatzer, Terroristen und Tyrannen" vorgehen, sagte er weiter. "Er würde ohne Zweifel gegen die tyrannische Politik der vorherrschenden, globalen wirtschaftlichen und politischen Systeme kämpfen."

"Bizarr und töricht"
Die britische Regierung kritisierte die Botschaft als beleidigend. Ahmadinejad habe "eine Reihe entsetzlicher antisemitischer Äußerungen gemacht". "Die britischen Medien haben das Recht, ihre eigenen redaktionellen Entscheidungen zu treffen", sagte eine Sprecherin des Außenministeriums. "Aber diese Einladung wird nicht nur hier, sondern auch im Ausland als Beleidigung empfunden und sorgt für Irritationen." Der Iran, ein islamisches Land, wird vom Westen beschuldigt, an der Atombombe zu bauen.

Der Schattenaußenminister der Konservativen, William Hague, nannte die Ausstrahlung "bizarr und töricht". Ahmadinejad für die Ansprache auszuwählen, hinterlasse den falschen Eindruck, als komme er in Großbritannien mit seinen Ansichten gut an.

Der israelische Botschafter in London, Ron Prosor, sagte, die Sendung sei "geschmacklos und eine pervertierte Ironie", da im Iran Menschen, die zum Christentum konvertierten, verfolgt würden. Der Menschenrechtler Peter Tatchell erklärte, Ahmadinejad sei einer der "blutrünstigsten Tyrannen der Welt". Auch Homosexuellen-Verbände und britische Abgeordnete kritisierten die Rede als Legitimierung eines Politikers, der den Holocaust infrage stelle, Menschenrechte verletze und im eigenen Land gegen Christen hetze. Es werde damit einem "gefährlichen Fanatiker" eine Plattform geboten, sagte die Labour-Abgeordnete Louise Ellman.

Channel 4 erstmals nicht gleichzeitig mit Queen-Rede
Der Sender Channel 4 erklärte dagegen, er wollte ein alternative Weltanschauung zeigen. Die Beziehungen zwischen dem Westen und dem Iran würden 2009 eine entscheidende Rolle spielen, weshalb Ahmadinejad ausgewählt worden sei. Der Sender, der sich privat finanziert, aber einen öffentlichen Auftrag hat, hat mit seinen jährlichen alternativen Weihnachtsansprachen schon öfter für Wirbel gesorgt. 2006 sprach etwa eine mit Schleier komplett verhüllte Muslimin. In diesem Jahr wurde die Botschaft aber ausnahmsweise nicht gleichzeitig mit der Ansprache der Queen, die von der BBC und ITV übertragen wurde, gesendet, sondern einige Stunden später.

Queen sprach über Folgen der Finanzkrise
Queen Elizabeth II. wendete sich in ihrer traditionellen Weihnachtsansprache zuvor besonders an Landsleute, denen es infolge der weltweiten Wirtschaftskrise schlechter geht. "Weihnachten ist eine Zeit des Feierns, aber in diesem Jahr ist es für viele ein traurigeres Ereignis", sagt die Queen. "Vieles, was als selbstverständlich galt, erscheint plötzlich ungewiss, und das führt natürlich zu einem Gefühl der Unsicherheit", hieß es.

Die Weihnachtsansprache der Queen gibt es in voller Länge und in englischer Sprache auch auf krone.tv zu sehen - siehe Infobox!

Die traditionelle Rede der Queen am Nachmittag des ersten Weihnachtsfeiertages wird jedes Jahr von Millionen Briten verfolgt. In diesem Jahr ist die Ansprache im Musiksalon des Buckingham Palasts aufgezeichnet worden. Die Königin stand dort vor einem großen Piano und einem Christbaum. Es wurden zudem bisher unveröffentlichte Filmaufnahmen aus dem Jahr 1949 gezeigt, auf denen die Königin als junge Prinzessin beim Spielen mit ihrem damals einjährigen Sohn Charles zu sehen ist.

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