"Stasi-Methoden"

Kabeg-Chef Mandl hat wieder Manager entlassen

Kärnten
29.07.2008 13:39
Der im März zum Chef der Kabeg berufene Grazer Universitätsprofessor Dieter Mandl sorgt für den bisher wohl größten Wirbel in der Geschichte des LKH Klagenfurt. Nach der Dienstfreistellung des kaufmännischen Direktors, Herwig Wetzlinger, erhielten am Montag der medizinische Direktor, Thomas Koperna, und die stellvertretende kaufmännische Direktorin, Claudia Scharm-Groicher, ihre Kündigungen. Im Falle Kopernas handelt es sich um eine fristlose Entlassung, bei Scharm-Groicher um eine Abberufung. Währenddessen meldeten sich am Montag ein Dutzend Führungskräfte zu Wort: "Es herrscht ein Klima der Angst!"

"Das Direktorium ist nun nicht mehr handlungsfähig", sagte Koperna. Seine Entlassung sei "ohne Angabe von konkreten Gründen" erfolgt. Mandl habe lediglich auf "ein erschüttertes Vertrauensverhältnis" hingewiesen. "Die Frage ist, ob die Kündigung rechtens ist. Das werde ich prüfen lassen", so Koperna. Er vertrat gleichzeitig die Auffassung, dass der Schritt des Kabeg-Chefs "arbeitsrechtlich nicht korrekt" sei.

Landesregierung soll künftig Mitspracherecht haben
"Kein Verständnis für die Vorgehensweise" Mandls äußerte LKH-Betriebsratsobmann Arnold Auer. Der Kabeg-Vorstand hätte die angekündigte Sonderprüfung abwarten sollen. "Er will vor der Gesetzesänderung vollendete Tatsachen schaffen", vermutet Auer im Hinblick auf die für Donnerstag vorgesehene Gesetzesänderung im Landtag. SPÖ und ÖVP wollen beschließen, dass künftig die Landesregierung ein Mitspracherecht "in dienst- und besoldungsrechtlichen Angelegenheiten des Krankenanstalten-Direktoriums" erhalten soll. Dadurch solle verhindert werden, dass der Kabeg-Vorstand wie bisher dafür allein zuständig ist.

Führungskräfte protestieren
Den Entlassungen Kopernas und Scharm-Groichers war eine Pressekonferenz von Führungskräften des LKH Klagenfurt vorausgegangen. Ein Dutzend Führungskräfte unter der Leitung von LKH-Personalchef Rainer Lemmerer hat sich mit einem dringenden Appell an den Betriebsrat zu Wort gemeldet. Das Komitee forderte Betriebsratsobmann Arnold Auer "im derzeitigen Klima der Angst" zum Einsatz seiner "in der Arbeitsverfassung festgeschriebenen Mittel und Möglichkeiten auf". 

Schlechtes Arbeitsklima, verunsicherte Angestellte
Die Gründung des Vereins "Führungskräfte LKH Klagenfurt" sei "ein Gebot der Stunde", erklärte Lemmerer vor Journalisten. Das Arbeitsklima im Krankenhaus sei schlecht, die Verunsicherung bei der Belegschaft groß. Besonderen Wirbel hatte ein Satz Mandls ausgelöst. "Ich muss Leute meines Vertrauens an Schlüsselstellen setzen, dann funktioniert das schon", hatte der Kabeg-Vorstand damals gemeint.

Angespannte Situation im LKH
Die angespannte Situation müsse nun rasch und sachlich beendet werden. "Bei einem Weiterschreiben des Konflikts ist sonst ein Vertrauensschaden zu befürchten", sagte Lemmerer. Schutz vom Betriebsrat erwarten sich auch der technische Leiter sowie der Leiter der Arbeitsmedizin, Walter Matzi und Heribert Kögler. Beide hatten in der vergangenen Woche eine Sitzung des Kärntner Landtages besucht, in der auch das Thema Gesundheitsversorgung diskutiert wurde. In der Folge wurden sie von der LKH-Innenrevision zu Rede gestellt.

"Stasi-Methoden"
Es sei "demokratiepolitisch bedenklich", wenn jemand in seiner Freizeit eine Landtagssitzung nicht mehr besuchen dürfe, meinte Kögler. Das Vorgehen erinnere ihn an "Stasi-Methoden". "Ich möchte vom Betriebsrat vertreten werden und appelliere auch an die Politik, solche Methoden abzustellen", sagte Kögler.

Mitarbeiterinnen bespitzeln Kolleginnen
"Mitarbeiterinnen werden missbraucht, um eigene Kolleginnen zu bespitzeln", erzählte Eveline Pobaschnig, Leiterin der Stabsstelle klinische Administration. Es herrsche Angst in der Belegschaft, eine Mitarbeiterin könne beispielsweise nicht mehr schlafen, weil sie sich schuldig an der Dienstfreistellung Wetzlingers fühle, sagte Pobaschnig.

Verein "Führungskräfte LKH Klagenfurt" gegründet
"Die Vorgänge sind untragbar, das Betriebsklima ist besorgniserregend", erklärte Nathalie Wurzer, Kommunikationschefin am LKH. Mit der Gründung des Vereins "Führungskräfte LKH Klagenfurt" erwarte man sich nun eine sachliche Diskussion. Die Initiative steht allen rund 350 Führungskräften offen und soll auch über den aktuellen Konflikt hinaus bestehenbleiben.

Es soll wieder Ruhe einkehren
"Ich bin sprachlos", reagierte Betriebsratsobmann Auer auf die Initiative. Er verstehe den Vorwurf, dass der Betriebsrat zu wenig tue, nicht. "Mandl hat nicht einmal die Kompetenz, Führungskräfte auszutauschen", sagte Auer. Die Vorgehensweise der Innenrevision in den Fällen Matzi und Kögler sei vom Betriebsrat bereits "aufs Schärfste abgelehnt" worden. Er sei aber "für alle Möglichkeiten offen", um wieder Ruhe in den Betrieb zu bekommen.

Grund für Streit ist Suspendierung
Grund für den Streit im LKH Klagenfurt ist Suspendierung des Verwaltungsdirektors, Herwig Wetzlinger, vom neuen Kabeg-Chefs, Dieter Mandl vor zwei Wochen.

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