Die Antenne war im Bauch der "Atlantis" auf ihrem letzten Flug ins All transportiert worden. Zusätzlich zu der Antenne befestigten die zwei Astronauten eine Stauplattform für den ISS-Roboter "Dextre". Außerdem lockerten sie sechs Batterien an der Station, die bei ihrem nächsten Außenbordeinsatz ausgewechselt werden sollen.
Wenn möglich, sollen die Astronauten auch ein eingeklemmtes Kabel des Bordkamerasystems der "Atlantis" richten. Das eingeklemmte Kabel hatte dazu geführt, dass die Außenhaut der Raumfähre nicht planmäßig von der "Atlantis" aus inspiziert werden konnte.
Die Raumfähre war am Freitag zu ihrem letzten Flug gestartet und hatte am Sonntag an der ISS angedockt. An Bord der "Atlantis" sind sechs Astronauten, ein russisches Modul zum Ausbau der ISS und Nachschub für die Besatzung der Raumstation.
Unterseite der "Atlantis" fotografiert
Vor dem Anlegen wurde die "Atlantis" so gedreht, dass die Besatzung der ISS die Unterseite fotografieren konnte. Hunderte Bilder sollen nun daraufhin untersucht werden, ob die Raumfähre beim Start beschädigt wurde. Das ist dieses Mal besonders notwendig, weil die Atlantis-Besatzung die Raumfähre nicht selbst ausgiebig überprüfen konnte. Die sonst übliche Inspektion war nur eingeschränkt möglich, weil es Probleme mit dem Kamerasystem gab.
Bei der Überprüfung wird ein etwa 30 Meter langer Ausleger-Arm benutzt, an dessen Ende eine Kamera mit Sensoren sitzt. Diese ließ sich aber nicht bewegen, weil ein Kabel am Ende des Arms eingeklemmt war, wie Shuttle-Kommandant Kenneth Ham erklärte.
Raumfähren werden außer Dienst gestellt
Nach dieser "Atlantis"-Mission sind noch zwei Raumfähren-Flüge zur ISS vorgesehen. Dabei werden die "Discovery" und die "Endeavour" zu ihrem jeweils letzten Einsatz kommen. Zum Jahresende stellt die NASA die Raumfähren außer Dienst.
Die "Atlantis" wird nach ihrem Einsatz aber noch nicht eingemottet, sondern überholt. Sie soll dann für einen eventuellen Rettungseinsatz bis zum letzten Shuttle-Flug im November bereitstehen, wenn die "Endeavour" ins All starten soll. Der letzte Flug der "Discovery" ist für September vorgesehen. Ob es doch noch einen weiteren Raumfährenflug geben wird, will die NASA im Juni entscheiden.
Jungfernflug im Zeichen des Kalten Krieges
Die "Atlantis", in der NASA-Sprache heißt sie nüchtern OV-104, hat mehrfach Raumfahrtgeschichte geschrieben, nachdem sie die Raumflotte der NASA im April 1985 komplettierte. Schon der Jungfernflug des Shuttles am 3. Oktober 1985 war ein sagenumwobener Spezialauftrag der US-Regierung. Er sollte, so ist es überliefert, heimlich zwei Kommunikationssatelliten in die Erdumlaufbahn befördern. Die sonst so auskunftsfreudige NASA verhängte über den Premierenflug eine Nachrichtensperre, um den Erzfeind Sowjetunion im Dunkeln zu lassen.
Die Ironie der Geschichte wollte es, dass ausgerechnet die Atlantis später auserkoren wurde, ein entscheidendes Bindeglied der russisch-amerikanischen Zusammenarbeit im Weltraum zu werden. Als erste US-Raumfähre dockte sie 1995 an der russischen Raumstation MIR an, sechs weitere Male besuchte sie den ehemaligen Gegner im All. Elf Ausflüge, inklusive ihrer letzten Mission, wird sie zur Internationalen Raumstation ISS unternommen haben.
Der Lastesel unter den Shuttles
Die "Atlantis" war 1989 auch das erste Shuttle, das Raumsonden ins All transportierte. Sie schickte Magellan und Galileo auf ihre Reisen zur Venus und zum Jupiter, von wo sie bedeutende Bildaufnahmen und Kartierungen lieferten. Ebenso aufsehenerregend war, wie Atlantis-Astronauten im vergangenen Jahr das Weltraumteleskop Hubble reparierten. Und auch die europäische Raumfahrt hat Bekanntschaft mit der Atlantis gemacht. Der Transporter hievte 2008 das maßgeblich in Bremen entwickelte europäische Weltraumlabor Columbus an Bord zur ISS.
Unter ihren beiden noch aktiven Geschwistern "Discovery" und "Endeavour" gilt die "Atlantis" als echter Lastesel. Sie ist gut 37 Meter lang und hat an ihrer breitesten Stelle einen Umfang von fast 24 Metern. Das maximale Startgewicht: mehr als 100 Tonnen, ein Viertel davon Fracht. Allerdings ist sie nicht so ausdauernd wie die anderen Shuttles. Ihr fehlt ein Anschlusskabel für die Solarstromanlage der ISS. Nachtanken ist ebenfalls ausgeschlossen, nach zwei Wochen muss sie zur Erde.
"Haltbarkeitsdatum" schon 2008 überschritten
Sie ist wie die anderen Transporter der US-Raumfahrt nach einem Schiff benannt, das Pionierarbeit geleistet hat: jenem Zweimaster Atlantis, mit dem die USA erstmals die Ozeane erforschten. Mit dem Erkunden ist nun - zwei Jahre später als eigentlich geplant - jedoch Schluss. Schon 2008 sollte der Orbiter auf seine letzte Reise gehen, hatte laut NASA sein "Haltbarkeitsdatum" längst überschritten.
Doch wegen des absehbaren Endes des Shuttle-Programms ließ die Raumfahrtbehörde die Atlantis einfach weiterfliegen. Unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen beim Start und immer ein bisschen mit der Angst, dass sich eine Challenger- oder Columbia-Katastrophe wiederholen könnte.
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