Ahmadinedschads Ankündigung über den Beginn der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent nährt die Sorgen im jüdischen Staat, der sich von dem iranischen Atomprogramm existenziell bedroht fühlt. "Israel und die ganze Welt sind besorgt darüber, dass der Iran nicht dazu bereit ist, Verhandlungsbereitschaft zu signalisieren", sagte der israelische Iran- Experte Uzi Eilam am Montag.
Der Westen habe Ahmadinedschad einen "bequemen Ausweg" angeboten, der habe dies jedoch ausgeschlagen. Eilam sieht den jüngsten Zickzack- Kurs Teherans in der Atomfrage als Beweis dafür, dass die iranische Führung "kein Problem damit hat, wie gedruckt zu lügen".
Auch ein Kommentator der israelischen Zeitung "Jediot Achronot" schrieb am Montag, die iranische Führung zeige "dem Westen einfach den Stinkefinger". Und weiter: "Der Iran schreitet weiter fort in Richtung Urananreicherung für die Produktion von Atomwaffen, und sobald die Produktionsstätten voll im Einsatz sind, wird eine Kontrolle schwerlich möglich sein."
Bei der Münchner Sicherheitskonferenz hatte der einflussreiche US- Senator Joe Lieberman Teheran am Samstag mit einem Militärschlag gedroht (siehe dazu Story in der Infobox). Der Auftritt des iranischen Außenministers Manuchehr Mottaki, der zunächst als Hoffnungsträger galt, wurde auch von vielen anderen Konferenzteilnehmern als provokativ empfunden. Eine militärische Auseinandersetzung im Nahen Osten sieht Iran- Experte Eilam jetzt aber nicht unbedingt näher rücken - der Westen müsse zunächst die Möglichkeit harter Sanktionen gegen den Iran ausschöpfen.
Regierungschef Benjamin Netanjahu will kommende Woche bei seinem ersten offiziellen Russland- Besuch seit seinem Amtsantritt vor knapp einem Jahr auf ernsthafte Sanktionen gegen den Iran drängen. Außerdem will er Russland dazu anhalten, keine Flugabwehrraketen des Typs S- 300 an den Iran zu verkaufen. Zusammen mit China gilt Russland als einer der Staaten, die Sanktionen bremsen, weil der Iran für sie wichtiger Handelspartner ist. Dazu meint Eilam allerdings: "Wenn Netanjahu wirklich etwas erreichen will, muss er nach Peking fahren, nicht nach Moskau."
Andere Beobachter warnen vor einem militärischen Alleingang Israels gegen den Iran, weil die Gefahr massiver Gegenangriffe auf israelische Städte sowie der Unterbrechung der Ölversorgung mit schlimmen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft als zu hoch eingeschätzt wird. Viele glauben auch, dass ein solcher Angriff das iranische Atomprogramm im besten Fall um mehrere Jahre zurückwerfen, nicht aber ganz stoppen könnte. Aus Sicht mancher Kommentatoren gibt es allerdings eine Art "Arbeitsteilung" zwischen den USA und Israel: Die USA werben für internationale Sanktionen gegen den Iran, unter warnendem Hinweis darauf, dass Israel sonst in einem riskanten Alleingang zuschlagen könnte.
Israel sieht sich nicht nur durch den Iran, sondern auch durch dessen "verlängerten Arm" vor der eigenen Haustür bedroht: Der Iran ist Verbündeter Syriens und unterstützt die libanesische Hisbollah- Miliz sowie die radikal- islamische Hamas im Gazastreifen mit Waffenlieferungen, Geld und militärischer Ausbildung. Israel fürchtet daher einen Krieg an mehreren Fronten, sollten Sanktionen keine Wirkung zeigen und es schließlich doch zu einem Militärschlag gegen den Iran kommt. Zumindest verbal kam es in den letzten Tagen schon zum harten Schlagabtausch und zu offenen Drohungen zwischen Israel und Syrien.