Urananreicherung

Iran will im Atomstreit mit dem Westen einlenken

Ausland
03.02.2010 07:37
In den Konflikt um das iranische Atomprogramm kommt überraschend Bewegung: Nach massivem internationalem Druck will das Regime offensichtlich einlenken, wie Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad am Dienstagabend ankündigte. Ahmadinejad sagte, sein Land sei bereit, einen Vertrag zum Uran-Austausch mit den Nuklearmächten abzuschließen. Die USA reagierten mit Zurückhaltung.

Laut Ahmadinejad könne niedrig angereichertes Uran aus dem Iran auch ins Ausland gebracht werden. Gegen einen derartigen Vorschlag hatte sich Teheran bisher beharrlich gesperrt.

Mike Hammer, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, erklärte zu der Aussage Ahmadinejads: "Wenn der Iran etwas Neues zu sagen hat, sind wir bereit, zuzuhören. Wenn Herrn Ahmadinejads Kommentare eine aktualisierte Position widerspiegeln, freuen wir uns darauf, wenn er die IAEO (die Internationale Atomenergiebehörde, Anm.) darüber informiert." Man habe Teheran "in gutem Glauben ein ausgewogenes Angebot" gemacht.

USA: Keine Neuverhandlung des Kompromissangebots
Wenn der Iran bereit sei, auf den Kompromissvorschlag einzugehen, solle er es der in Wien ansässigen IAEO mitteilen, sagte auch ein Sprecher des Außenministeriums in Washington. An einer Neuverhandlung des Vorschlags vom Oktober seien die USA nicht interessiert, hieß es zugleich. Die Außenministerien von Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollten zunächst keine Stellung zu der Entwicklung in Teheran nehmen.

Russland wiederum begrüßte die jüngsten Äußerungen von Ahmadinejad. Falls die Führung in Teheran tatsächlich bereit sei, niedrig angereichertes Uran im Ausland auf eine höhere Anreicherungsstufe bringen zu lassen, würde Moskau dies willkommen heißen, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow. Er bedaure, dass der Iran im vergangenen Jahr eine vorläufige Vereinbarung darüber abgelehnt habe und einen "alternativen Weg" gegangen sei. "Dieses Misstrauen unserer iranischen Partner hat uns sehr verwundert."

Der Westen hatte den Iran seit Monaten gedrängt, einen Vorschlag zur Urananreicherung in Frankreich und Russland anzunehmen. Demnach sollte niedrig angereichertes Uran (3,5 Prozent) aus der Islamischen Republik im Ausland auf einen Anreicherungsgrad von 20 Prozent gebracht werden, um dann als Brennstoff für einen Forschungsreaktor in Teheran genutzt zu werden.

Uran mit einem Anteil von drei bis fünf Prozent des spaltbaren Isotops U 235 kann als Brennstoff in Kernreaktoren eingesetzt werden. Im Natururan kommt U 235 nur zu 0,7 Prozent vor. Bei einem Grad von 20 Prozent - wie vom Iran für medizinische Zwecke verwendet - gilt Uran bereits als hochangereichert. Technisch werden für den Anreicherungsprozess in der Regel Gaszentrifugen verwendet, von denen der Iran Tausende besitzt. Die internationale Gemeinschaft verdächtigt den Iran, heimlich am Bau der Atombombe zu arbeiten. Die Führung in Teheran hat das stets zurückgewiesen. Für den Bau von Atomwaffen ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent erforderlich.

Bisher hatte die iranische Führung darauf bestanden, dass der Austausch von niedrig angereichertem gegen höher angereichertes Uran in drei Phasen und auf iranischem Boden erfolgen sollte. Das lehnten sowohl die IAEO als auch die Weltmächte ab und drohten mit neuerlichen Sanktionen.

Iran: "Technische Gründe" für Kehrtwende verantwortlich
"Wir sind nicht dagegen, unser niedrig angereichertes Uran ins Ausland zu senden, weil wir eine konstruktive Zusammenarbeit wollen und weil wir jederzeit das niedrig angereicherte Uran wieder im Iran produzieren können", sagte Ahmadinejad im staatlichen Fernsehen. Für seine Abkehr vom bisherigen Standpunkt nannte er "technische Gründe".

Über die genaue Art und den Umfang der iranischen Zugeständnisse herrscht noch Unklarheit. So ist der von Ahmadinejad genannte Zeitraum von vier bis fünf Monaten relativ kurz bemessen. Der westliche Vorschlag sah vor, das angereicherte Uran nach etwa einem Jahr in Form von Brennstäben zurückzuschicken. Auch sagte Ahmadinejad nichts dazu, ob der Iran sein gesamtes angereichertes Uran auf einmal außer Landes bringen will, so wie dies international gefordert wurde.

Die EU und die USA hatten zuletzt mit massiven Wirtschaftssanktionen gedroht. Unter anderem wollten die USA Firmen bestrafen, die Kraftstoff oder andere Erdölprodukte an den Iran liefern. Das islamische Land ist trotz seiner reichen Erdölvorkommen dringend auf Treibstoff aus dem Ausland angewiesen, weil die Raffineriekapazitäten nicht ausreichen.

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