Sa, 25. November 2017

Motorradmesse

08.11.2017 07:34

Die 13 wichtigsten Neuheiten der EICMA 2017

Es ist ja nicht so, dass sich Motorräder schlecht verkaufen, aber es wird immer schwieriger, damit Geld zu verdienen. Dennoch gibt es dieses Jahr wieder einige echte Neuheiten auf der EICMA. Die auffälligste kommt von Yamaha und hat "ein Rad zu viel", aber auch die unauffälligste ist beinahe eine Revolution.

BMW F 750 GS/F 850 GS
Auch wenn es auf den ersten Blick nicht zwingend so aussieht: BMW hat die kleine GS grundlegend neu konstruiert. Im neuen Stahlbrückenrahmen befindet sich der Tank nicht mehr unter dem Sitz, sondern ist klassisch positioniert, alles soll steifer und robuster ausgelegt sein. Der Zweizylinder-Reihenmotor ist sowohl in der F 750 GS als auch in der F 850 GS jetzt 853 cm³ groß und hat seine Charakteristik geändert: Statt wie ein Boxer zu klingen, soll er jetzt dank 90 Grad Hubzapfenversatz und 270/450 Grad Zündabstand eher den Sound eines V2 haben.

In der "Kleineren" bietet er 77 PS und 83 Nm (bei 6000/min.), in der Größeren kommt er auf 95 PS (10 mehr als bisher) und 92 Nm bei 6250/min. Ausstattungsmäßig lassen sich die beiden jetzt beinahe so hochrüsten wie die BMW R 1200 GS, vom "connectivierten" 6,5-Zoll-TFT-Farbdisplay mit eCall über Keyless Ride bis zum elektronischen Fahrwerk Dynamic ESA (am Hinterrad), von erweiterten Fahrmodi bis zum Schaltassistenten für beide Richtungen gibt es die ganze Palette. Wer also zwar eine topausgestattete BMW-Reiseenduro haben möchte, aber noch auf Boxer steht, hat sein Paradies gefunden. Im Gegensatz zur 1200er-GS werden sich F 750 und F 850 aber auch mit Sparausstattung als Gebrauchte wieder verkaufen lassen.

Kommt im Frühjahr ab 10.250/13.450 Euro.

BMW C 400 X
Mit dem C 400 X steigen die Münchner erstmals in das Segment der Mittelklasseroller ein. Er wird zwar in China gebaut, ist aber eine komplett eigene BMW-Konstruktion, in die die Erfahrung aus der 650er-Baureihe eingeflossen ist. Trotz des Namens ist der Motor an der Triebsatzschwinge nur 350 cm³ groß, soll aber mit 35 Nm bei 6000/min. und 34 PS Fahrleistungen wie ein 400er bieten. Die Kraft wird via CVT-Getriebe übertragen. LED-Licht ist Serie, adaptives Kurvenlicht sowie 6,5 Zoll-Vollfarb-TFT-Display mit Handy-Connectivity optional. Markteinführung im Mai 2018.

Vespa Elettrica
Eigentlich muss eine Vespa knattern und nach Abgas riechen, dann kommt das Urlaubsfeeling der guten, alten Zeit auf. Künftig kann sich eine Vespa auch fast geräuschlos durch die Stadt bewegen. Die Vespa Elettrica wird von einem bis zu 4 kW starken (2 kW Dauerleistung) Elektromotor abgetrieben, der nach einer Ladezeit von vier Stunden bis zu 100 Kilometer Reichweite bietet. Über die Vespa Multimedia Platform wird das Smartphone mit dem Roller verbunden.

Alternativ wird eine X-Version angeboten: Deren Range Extender mit Drei-Liter-Benzintank sorgt für weitere 100 Kilometer.

Kawasaki Ninja H2 SX
Mit der Ninja H2, dem einzigen aktuellen Serienmotorrad mit Kompressormotor, hat Kawasaki 2015 für Aufsehen gesorgt. Jetzt machen die Japaner das Triebwerk reisetauglich. Für den 256/260 kg schweren Reisetourer Kawasaki Ninja H2 SX wurde die Charakteristik ein wenig gezähmt, dennoch leistet der 998-cm³-Vierzylinder mächtige 200 PS (210 PS mit Ram Air). Kurven-ABS, einstellbares Fahrwerk, LED-Lichtanlage, Tempomat & Co sind serienmäßig, in der "Special Edition" auch LED-Kurvenlicht, Koffersystem, ein größerer Windschild, Stahlflex-Bremsleitungen, Heizgriffe oder auch Farbdisplay. Preis: rund 23.000 für die Standardausführung, gut 28.000 Euro für die Special Edition.

KTM 790 Duke
Die Mattighofener zeigen die sehnlichst erwartete Serienversion der KTM 790 Duke, die sie liebevoll Skalpell nennen. Zwar hat es der mittig unter dem Sitz hochgezogene Auspuff des 2016 vorgestellten Concept Bikes nicht in die Serie geschafft, dennoch macht die 799-cm³-Maschine richtig an. Der neuentwickelte Paralleltwin bietet 105 PS, 86 Nm bei 8000/min.; LED-Scheinwerfer und Farb-TFT sind serienmäßig, der Lenker ist in zwölf Positionen einstellbar, auch die Handhebel sind einstellbar. Es gibt ein Kurven-ABS mit Supermoto-Modus, einen Quickshifter für beide Richtungen, Fahrmodi und Launch Control. Preis in Deutschland: 9300 Euro.

Husqvarna Vitpilen/Svartpilen 701
So schön und so besonders, dass man sie sich als Serienmotorrad wünscht, ist die Husqvarna Svartpilen 701. Doch im Serientrimm wird das Bike Dinge wie den extrem genialen Auspuff sicher noch verlieren. Andererseits ist die Optik der als Serienversion vorgestellten Vitpilen 701 sehr nahe am ursprünglichen Concept Bike. Der 692 cm³ große Einzylindermotor leistet 75 PS, bei 6750/min. liegen 72 Nm an. Einstellbare WP-Federelemente, Brembo-Bremsen, Ride by Wire, abschaltbares ABS - kommt im Frühjahr 2018.

Yamaha Niken
Ein völlig neuartiges Fahrerlebnis mit ungekannter Stabilität der Vorderhand verspricht Yamahas Dreirad Niken. Sie basiert auf der MT-09, weist aber eine längere Schwinge sowie eine kürzere Getriebeübersetzung auf. Das Bike kann sich bis zu 45 Grad neigen, dank der sogenannten Ackermann-Lenkung. An der doppelten USD-Gabel werden zwei 15-Zoll-Räder mit einer Spurweite von 41 Zentimeter geführt. Die Markteinführung ist für die zweite Hälfte 2018 geplant.

Ducati Panigale V4
In Borgo Panigale haben sie den Supersportler neu konstruiert und ihm den ersten Vierzylinder des Hauses eingepflanzt. Das 1103-cm³-Triebwerk leistet 214 PS, was mit fahrfertigen 198 kg ein konkurrenzloses Leistungsgewicht bedeutet. Erst recht in der nochmals drei Kilogramm leichteren S-Version mit Öhlins-Komponenten und Carbon-Elementen.

Triumph Tiger 800 und 1200
Ob es sich um neue Modelle oder um eine umfangreiche Modellpflege handelt, sei dahingestellt, jedenfalls hat sich bei den britischen Tigern einiges getan. Die 1200 XC und XR ist bis zu zehn Kilogramm leichter als zuvor, die Beleuchtung übernehmen LEDs, es gibt adaptives Kurvenlicht, Schaltassistent für beide Richtungen, Keyless Ride, sechs Fahrmodi inklusive "Offroad pro" - und das alles serienmäßig. Triumph spricht von bis zu 100 Verbesserungen zur Vorgängergeneration, bei der 800er sogar von 200 Verbesserungen. Hier ist der neue Windschild kinderleicht mit einer Hand während der Fahrt verstellbar, das TFT-Display lässt sich (wie auch bei der 1200er) per Joystick steuern. Auch die 800er hat serienmäßig jetzt sechs Fahrmodi, ebenso einen optimierten Tempomaten. Der erste Gang ist jetzt kürzer übersetzt, für ein geschmeidigeres Fahren im Gelände.

Honda Gold Wing
Endlich haben auch groß gewachsene Fahrer Platz auf der Honda Gold Wing! Doch die verbesserten Platzverhältnisse sind nicht das Aufsehenerregendste am neuen Sechszylinder-Flaggschiff. Doppelquerlenker statt Telegabel, bis zu 48 kg weniger auf der Waage, Bagger-Version als Standard, fettes Farbdisplay mit Apple CarPlay, 126 statt 119 PS - die Gold Wing ist in der Neuzeit angekommen!

Honda CB1000R
20 PS mehr bedeuten 145 PS, dazu gibt es einen Aufschlag von 5 Nm auf jetzt 104 Nm bei 8250/min. Außerdem bringt die neue 12 Kilogramm weniger auf die Waage (jetzt 212 kg). In Verbindung mit ihrem um vier Prozent kürzer übersetzten Getriebe soll die CB1000R in den ersten drei Gängen bis 130 km/h härter beschleunigen als der Supersportler Honda Fireblade. Aber: Es handelt sich nicht um ein Derivat der Fireblade. Die CB1000R ist kein radikaler Heizer, sondern etwas, das Honda als "Neo Sport Café" bezeichnet. Trotz der besseren Performance ist die Sitzposition komfortabler ausgelegt, das Bike wirkt schon optisch bequemer als die harte Vorgängerin. Drei Fahrmodi, elektronischer Gasgriff und Traktionskontrolle sind Serie. Das Showa-Fahrwerk ist einstellbar.

Künftig wird es auch eine +-Version geben, die sich u.a. durch einen serienmäßigen Quickshifter auszeichnet.

Moto Guzzi V85
Das Concept V85 ist der Vorreiter einer völlig neuen Modellgeneration, die Moto Guzzi pünktlich zum hundertjährigen Firmenjubiläum im Jahr 2021 bringen will. Der 850 cm³ große, luftgekühlte 90-Grad-V2 leistet 80 PS bildet die Basis künftiger Generationen. Die V85-Reiseenduro soll ziemlich seriennah sein und in drei Versionen kommen.

Ducati 1100 Scrambler
Scrambler sind so etwas wie die Lizenz zum Gelddrucken, wenn man das in den schwierigen Zeiten am Motorradmarkt so sagen kann. Folgerichtig erweitert Ducati die Palette nach oben und bringt die Scrambler 1100, sogar in gleich drei Versionen. Allen gemein ist der jetzt Euro-4-taugliche, luftgekühlte, 1079 cm³ große L-Twin aus der Monster 1100 Evo, der 86 PS leistet und ein maximales Drehmoment von 88,4 Nm bei 4.750/min. liefert. Die vierstufige Traktionskontrolle ist abschaltbar, das Kurven-ABS nicht. In der Topausstattung hat die Scrambler Fahrwerkselemente von Öhlins.

Stephan Schätzl
Redakteur
Stephan Schätzl
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