Die XXV. Olympischen Winterspiele in Mailand/Cortina sind eröffnet. Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella sprach am Freitag um 22.50 Uhr in Mailands San-Siro-Stadion die offiziellen Eröffnungsworte und gab das Startsignal für das weltweit größte Wintersportereignis. Die dreimaligen Ski-Alpin-Olympiasieger Deborah Compagnoni und Alberto Tomba haben das olympische Feuer entzündet.
Nebenschauplätze der Zeremonie waren drei andere Austragungscluster des Events – Cortina d‘Ampezzo, Predazzo und Livigno, wo die Snowboard-Olympiasieger Anna Gasser und Benjamin Karl Österreichs Fahne trugen.
Eigentlich schwenkte aber nur Gasser die Fahne, denn Karl hatte sie geschultert. „Wir haben uns gedacht, wir wollen irgendetwas Kleines, Besonderes machen und richtig cool, dass wir uns etwas haben einfallen lassen“, sagte die zweifache Big-Air-Olympiasiegerin Gasser danach. „Ein bisschen haben wir das Gewicht dieser Fahne unterschätzt.“
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Der Olympiasieger im Alpin-Snowboard hatte es im Vorfeld als Ehre angesehen, Fahnenträger sein zu dürfen. „Ich habe es mir immer gewünscht, Fahnenträger zu sein. Das hat man, anders als die Ergebnisse als Sportler, nicht selber in der Hand. Es war eine große Freude und Ehre, ich war wirklich zu Tränen gerührt, als ich davon erfahren habe.“ Gasser genoss die kleine Neben-Feier in Livigno: „Es war eine richtig coole Stimmung, wir haben einen Spaß gehabt und es war eine richtig würdige Eröffnung der Spiele.“
Als Ziel gab Horst Nussbaumer, der Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees, heuer 18 Medaillen und damit die Anzahl von Peking 2022 aus. Die Hauptzeremonie der Eröffnungsfeier unter dem Motto „Armonia“ (Harmonie) spielt sich im Stadion San Siro ab.
ÖOC-Aktive an allen Schauplätzen vertreten
Insgesamt 19 rot-weiß-rote Aktive hatten sich beim Österreichischen Olympischen Komitee (ÖOC) gemeldet, um in Livigno einzumarschieren. Darunter Snowboard-Freestylerin Hanna Karrer an ihrem 18. Geburtstag, sie ist die Jüngste im ÖOC-Aufgebot. In Cortina und vor etwas mehr als 1.000 Zuschauern in Predazzo wollten je sieben ÖOC-Athletinnen und -Athleten dabei sein – einerseits aus dem Rodeln und Skeleton, zum anderen aus dem Skispringen. Die Schanzen-Crew verließ aber frühzeitig die Feierlichkeiten. In Mailand marschierte die Eisschnelllauf-Crew ein.
Speziell jene Sportlerinnen und Sportler mit Samstag-Einsätzen ließen die Eröffnung aus. So verzichtete etwa Alpin-Speedspezialistin Ariane Rädler nach Verzögerungen beim Freitag-Abfahrtstraining. „Mit den Verschiebungen wird der Tag noch sehr lang, wir müssen trainieren, vorbereiten, Video schauen“, hatte die Vorarlbergerin gesagt. Sie wollte sich das rund dreistündige Spektakel aber im Fernsehen ansehen. „Sicher ein cooles Erlebnis, aber der Sport ist dann doch wichtiger für uns.“ Für sie geht es wie für ihre Teamkolleginnen am Samstag ins Abschlusstraining.
Vor der Eröffnung der Spiele war nahe Cortina das Austria House eröffnet worden. „Der Stadl ist wunderbar gemacht, das ist ein Gefühl des Nachhausekommens“, sagte Vizekanzler und Sportminister Andreas Babler (SPÖ) angesichts des Ambientes. ÖOC-Präsident Horst Nussbaumer meinte, er sei „sehr stolz, dass alle da sind und das ‘warm up‘ für die Spiele miterleben. Österreichische Gemütlichkeit und österreichischer Kampfgeist soll im Haus erlebt werden.“ Anwesend waren etwa die ÖSV-Abfahrerinnen und Olympiasieger wie Thomas Morgenstern, Franz Klammer, Matthias Mayer, Felix Gottwald und Michaela Dorfmeister.
Startschuss für Entscheidungen in 116 Bewerben
Rund 2.900 Athleten aus 92 Nationen kämpfen bis 22. Februar in insgesamt 116 Entscheidungen im Norden des Landes auch in Bormio, Antholz sowie im zum Predazzo-Cluster Val di Fiemme und Tesero um Gold, Silber und Bronze. Die Bewerbe teilen sich in 54 für Männer, 50 für Frauen und 12 gemischte Konkurrenzen auf. Olympische Flammen brennen ab nun in Mailand und Cortina. Nussbaumer hatte als Ziel die Anzahl von 18 Medaillen ausgegeben, wie sie sie vor vier Jahren für Rot-Weiß-Rot bei den Corona-Spielen in Peking gegeben hatte.
Tomba und Compagnoni entzünden das Feuer
Die Eröffnungsfeier in der 100 Jahre alten Fußball-Arena begann mit einem Tribut an die Schönheit und die Kunst Italiens. Die rund dreieinhalb Stunden lange Show unter dem Motto „Armonia“ (Harmonie) sollte in ihrer Gestaltung den Charakter dieser dezentralen Spiele widerspiegeln. Erstmals in der Olympia-Geschichte gibt es offiziell zwei Gastgeberstädte. Es sind die geografisch am weitesten verteilten Winterspiele. Erstmals gibt es auch zwei olympische Feuer – am Arco della Pace (Friedensbogen) in Mailands Innenstadt und auf der Piazza Dibona in Cortina. Entzündet wurden sie gut eine halbe Stunde nach der Eröffnung von Italiens Ski-Helden Deborah Compagnoni und Alberto Tomba bzw. von Sofia Goggia.
Stars bieten Show
Neben US-Idol Mariah Carey zierten Andrea Bocelli, Laura Pausini, Cecilia Bartoli und der Pianist Lang Lang die musikalische Besetzungsliste für die Auftaktparty. Auf der Ehrentribüne waren US-Vizepräsident JD Vance und mehr als 50 Staats- und Regierungschefs. Österreichs Bundesregierung wurde in erster Linie durch Babler in Cortina vertreten. Mattarella war laut Einspielung per Straßenbahn ins San Siro gekommen, der Straßenbahnfahrer war Motorrad-Legende Valentino Rossi.
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