Mo, 23. April 2018

Kein Todesurteil mehr

16.04.2018 14:18

Normales Leben mit HIV möglich

Paukenschlag in der heimischen Musikszene. Conchita Wurst hat sich am Wochenende geoutet: „Heute ist der Tag gekommen, mich für den Rest meines Lebens von einem Damoklesschwert zu befreien: Ich bin seit Jahren HIV-positiv“, postete der Superstar auf Instagram. Weil sie ein Ex-Freund erpressen wollte, entschied sich Conchita für diesen Schritt. Eine Entscheidung, die sicher nicht leicht war, aber nun ist es draußen. Sofort folgte eine Welle der Solidarität Tausender Fans im Internet, aber auch etliche Gemeinheiten waren dabei.

„Seit ich die Diagnose erhalten habe, bin ich in medizinischer Behandlung und seit vielen Jahren unterbrechungsfrei unter der Nachweisgrenze, damit also nicht in der Lage, das Virus weiterzugeben“, fügte die Song-Contest-Gewinnerin hinzu. Vor allem Rücksicht auf die Familie war es, die sie lange von einem Outing abhielt.

Normales Leben trotz HIV möglich
Bereits vor drei Jahren hatte Life-Ball-Organisator Gery Keszler unter Tränen von seiner HIV-Krankheit erzählt. War es früher noch ein schnelles Todesurteil, so ist es dank der Fortschritte moderner Medizin möglich, die Lebensqualität der Betroffenen erheblich zu verbessern: HIV-Infizierte führen ein normales Leben!

Unklar ist aber noch, durch welche Faktoren das Virus angeregt und in seiner Aktivität verstärkt wird. „HIV vermehrt sich vollkommen unterschiedlich, daher gibt es zahlreiche Varianten von HIV“, so der Mediziner Horst Schalk zur „Krone“ - siehe Interview unten. Weitere Infos und Beratung finden Sie unter www.aids.at.

Mehr als 36 Millionen Infizierte weltweit
Weltweit sind 36,7 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Ein Problem ist nach wie vor, dass zu wenige Menschen von ihrer Infektion wissen. Je später die Behandlung startet, desto höher ist das Risiko, dass die Immunschwächekrankheit AIDS ausbricht.

Die Zahl der AIDS-Toten hat sich innerhalb eines Jahrzehnts weltweit fast halbiert. So sind 2016 eine Million Menschen an der Immunschwächekrankheit gestorben, davon 120.000 Kinder unter 15 Jahren.

Bis zu 9000 Infizierte in Österreich
In Österreich wird die Zahl der infizierten Personen mit 8000 bis 9000 (inklusive Dunkelziffer) angegeben. Im Vorjahr gab es 510 Neudiagnosen, davon entfielen 257 auf die Bundeshauptstadt.

Ein negatives Testergebnis bedeutet, dass keine HIV-Antikörper nachgewiesen werden konnten, die Person also bis vor drei Monaten nicht infiziert war.

Interview mit Dr. Horst Schalk: „Impfstoff-Entwicklung immens schwer“

„Krone“: Herr Doktor, was ist HIV eigentlich genau?
Dr. Horst Schalk: Als HIV bezeichnet man das menschliche Immunschwäche-Virus. Es ist es eine grippeartige Symptomatik mit Fieber, Durchfällen, Halsschmerzen und Hautausschlägen. Nach dieser Phase kommt es in der Regel mit entsprechender Behandlung zu einer jahrelangen beschwerdefreien Latenzphase.

Was ist AIDS?
Wird eine HIV-Infektion nicht behandelt, kommt es zur Schädigung des Immunsystems und zu AIDS. Unbehandelt führt es zum Tod.

Wie steckt man sich an?
Die häufigste Ursache für eine HIV-Infektion ist ungeschützter Geschlechtsverkehr, prinzipiell kann man sich aber auch über HIV-positives Blut infizieren.

Was fehlt, damit die Krankheit heilbar werden kann?
Da es so viele HIV-Varianten gibt, ist die Entwicklung eines Impfstoffs immens schwer.

Martina Münzer, Matthias Lassnig/Kronen Zeitung

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