Ganz Italien bangt

OP-Absage! Domenico (2) zu krank für Spenderherz

Ausland
18.02.2026 21:10
Porträt von krone.at
Von krone.at

Seit Wochen liegt der kleine Domenico (2) im künstlichen Tiefschlaf, nachdem ihm in Neapel ein beschädigtes Spenderherz eingesetzt worden war. Jetzt wurde ein neues Organ gefunden, doch eine OP ist aktuell nicht möglich. Dem Buben geht es zu schlecht ... 

Auf der Intensivstation des Ospedale Vincenzo Monaldi in Neapel liegt ein kleiner Bub, noch keine zweieinhalb Jahre alt. Die Zeitungen nennen ihn Domenico, manche Francesco oder Tommasino. Sein echter Name wird geschützt. Für seine Mutter ist er nur ihr „kleiner Krieger“.

Und für diesen kleinen Kämpfer gibt es seit der Nacht von Dienstag auf Mittwoch neue Hoffnung: Ein Spenderherz wurde gefunden. Es stammt von einem dreijährigen Buben, der an Leukämie gestorben ist. Seine Eltern entschieden sich inmitten ihrer eigenen Tragödie zur Organspende – ein Akt der Menschlichkeit, der nun vielleicht ein anderes Kinderleben retten kann.

Symbolbild
Symbolbild(Bild: EPA/University of Maryland School of Medicine (UMSOM) / HANDOUT)

OP-Absage: Kind zu krank
Am Mittwoch beriet dann ein Expertengremium und kam zu einem niederschmetternden Urteil. Denn der Bub ist aktuell nicht in der Lage, eine weitere Operation zu überstehen. Nach der Begutachtung am Krankenbett und der Auswertung aktueller Untersuchungen lautete die Entscheidung der Experten negativ. Darüber wurde die Familie des Kindes auch bereits informiert.

Der Anwalt der Familie, Francesco Petruzzi, berichtete, dass der Bub während der Untersuchung wach gewesen sei. Die Mutter sei währenddessen nicht anwesend gewesen. Domenico stehe in seiner Blutgruppe auf der Warteliste für das neue Herz an erster Stelle, allerdings sei die Erfolgschance der Operation nach Angaben der Ärzte nur etwa zehn Prozent. Die Nachricht trifft die Familie hart, nachdem die Hoffnung auf eine Genesung des Kindes zuletzt noch auf einem neuen Herzen gelegen hatte. Das Herz für den kranken Buben wurde in den vergangenen Tagen in ganz Europa gesucht. Drei weitere kleine Patienten warten in Italien ebenfalls dringend auf ein Spenderherz.

Weihnachtswunder wurde zum Albtraum
Kurz vor Weihnachten schien alles gut zu werden. Am 22. Dezember kam die Nachricht, dass ein passendes Herz gefunden sei. Ein vierjähriger Bub in Südtirol war in einem Schwimmbad ertrunken – gleiche Blutgruppe. Ein Team machte sich auf den rund 800 Kilometer langen Weg nach Bozen, um das Organ zu holen.

Doch auf dem Rückflug geschah der folgenschwere Fehler: Nach bisherigen Ermittlungen wurde das Spenderherz nicht wie üblich bei rund plus vier Grad mit herkömmlichem Eis gekühlt. Stattdessen kam es mit Trockeneis in Kontakt – bei etwa minus 80 Grad. Das Organ sei dadurch „buchstäblich erfroren“, heißt es.

Seither hängt sein Leben an Maschinen
Trotz der schweren Schäden wurde das Herz transplantiert. Denn das eigene, kranke Herz des Kindes war bereits entfernt worden. Als das neue Organ versagte, blieb nur noch die ECMO-Maschine – eine Art künstliche Lunge und künstliches Herz.

Seit bald 60 Tagen lag der Bub im künstlichen Tiefschlaf. Sein Zustand wird als „sehr kritisch“ beschrieben. Infektionen und Organversagen drohen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen sechs Ärzte und Sanitäter wegen fahrlässsiger Körperverletzung. Auch die Kühlbox wurde beschlagnahmt.

Zitat Icon

Wir haben alles erst aus den Zeitungen erfahren.

Patrizia, Mutter des Buben

Besonders bitter für die Familie: Von der mutmaßlichen Panne beim Transport erfuhren sie nicht sofort von den Ärzten, sondern aus den Medien. Nachdem das transplantierte Herz versagt hatte, habe man ihnen lediglich mitgeteilt, der Eingriff sei misslungen. Erst durch Zeitungsberichte sei ans Licht gekommen, dass das Organ offenbar mit Trockeneis gekühlt worden war.

Ganz Italien hofft mit
Ministerpräsidentin Giorgia Meloni griff persönlich zum Telefon. Sie rief die Mutter des Buben an und versprach „größtmögliche Unterstützung“ für ihren Sohn. Auch auf Regierungsebene werde alles getan, um die Suche nach einem geeigneten Spenderherz zu unterstützen – auch wenn die Einflussmöglichkeiten der Politik in solchen medizinischen Notfällen begrenzt sind.

Vor dem Monaldi-Spital versammeln sich inzwischen jeden Abend Menschen zum Gebet. Kerzen flackern im Dunkeln, Rosenkränze werden in die Höhe gehalten, Fremde stehen Schulter an Schulter. Bilder davon verbreiten sich in ganz Italien über soziale Netzwerke.

Im Internet überschlagen sich die Botschaften der Anteilnahme. Unter Fotos des Krankenhauses und Videos der Mahnwachen schreiben Menschen: „Forza, piccolo guerriero: non sei solo“ (Komm schon, kleiner Krieger: Du bist nicht allein.) oder „Siamo tutti con te“ (Wir sind alle bei dir).

Die Mutter des Kindes kämpft unentwegt um ihr Kind. „Ich gebe nicht auf. Ich verliere auch nicht die Hoffnung“, so die Frau. Sie bat sogar Papst Leo XIV. um Hilfe. Die Ärzte sind sich uneins, ob der Bub noch gerettet werden kann. Bereits das renommierte Vatikan-Kinderkrankenhaus Bambino Gesù in Rom hatte diagnostiziert, dass das Kind wegen des sehr hohen Risikos eines Multiorganversagens „nicht mehr transplantierbar“ sei. 

Bei längerer ECMO-Behandlung können schwere Infektionen sowie Schäden an Lunge, Leber und Nieren auftreten. Manche Ärzte halten 60 Tage für die Obergrenze.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt