Hilfsflotte erstürmt

Henning Mankell fordert Sanktionen gegen Israel

Ausland
02.06.2010 07:56
Der schwedische Bestsellerautor Henning Mankell hat nach dem Militärangriff auf eine Flotte mit Hilfslieferungen für den Gazastreifen internationale Sanktionen gegen Israel gefordert und dabei auch einen Vergleich mit dem einstigen Apartheid-Regime in Südafrika gezogen. Nun sei die richtige Zeit für Sanktionen gegen Israel, sagte der 62-jährige prominente Teilnehmer der "Gaza-Solidaritätsflotte". "Wir haben so viele andere Dinge versucht, aber die Israelis wollen einfach nicht hören", sagte er mit Blick auf die Lage der Palästinenser in den besetzten Gebieten.

"Ich denke, wir sollten unsere Erfahrungen im Fall Südafrikas nutzen. Wir wissen, dass Sanktionen dort eine große Wirkung entfalteten. Es dauerte seine Zeit, aber es funktionierte", spielte Mankell in einem Interview mit der schwedischen Boulevardzeitung "Expressen" auf die internationale Isolation des südafrikanischen Apartheid-Regimes in den 1980er-Jahren an.

Neun Tote bei Erstürmung von Schiffen
Bei der Erstürmung des mit Hilfsgütern beladenen Schiffskonvois durch israelische Soldaten waren in der Nacht auf Montag mindestens neun Menschen ums Leben gekommen. Die pro-palästinensischen Aktivisten hatten versucht, die israelische Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Das Vorgehen Israels löste internationale Empörung aus und wurde auch vom UNO-Sicherheitsrat verurteilt. Israel will mit der Seeblockade Waffenlieferungen an die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas unterbinden.

Mankell sagte "Expressen", dass er seine Teilnahme an der Gaza-Solidaritätsflotte "überhaupt nicht" bereue. Mit der Aktion sei das internationale Interesse auf die Situation im Gazastreifen gelenkt worden. Der in Schweden und Afrika lebende Autor, dessen "Wallander"-Krimis vor allem im deutschsprachigen Raum große Beliebtheit genießen, war am Dienstag gemeinsam mit dem schwedischen Grün-Abgeordneten Mehmet Kaplan von den israelischen Behörden freigelassen worden. Einer schwedischen Außenamtssprecherin zufolge befanden sich sieben Schweden nach der Aufbringung der Gaza-Flotte in israelischem Gewahrsam.

"Niemand hatte ein Recht, unser Schiff zu übernehmen"
Kaplan sagte dem schwedischen Radiosender Ekot, dass er "große Trauer" um die bei der israelischen Aktion getöteten Aktivisten empfinde. "Wir hatten keine Waffen. Wir waren Zivilisten. Niemand hatte ein Recht, unser Schiff zu übernehmen", betonte er. Während der israelischen Aktion habe auf dem Schiff Chaos und Angst geherrscht. "Wenn man sich einer völlig vermummten Eliteeinheit gegenübersieht, weiß man überhaupt nicht, was man tun soll."

Erste Hilfsgüter des "Free Gaza"-Konvois verteilt
Ein Teil der Tausenden Tonnen Schiffsladung der Hilfsflotille wurde unterdessen auf dem Landweg in den Gazastreifen transportiert. Die Ladung eines der sechs Schiffe des gestoppten "Free Gaza"-Konvois sei gelöscht und von acht Lastwagen über den Kontrollpunkt Gui Inbar in den Gazastreifen gebracht worden, sagte ein israelischer Armeesprecher am Dienstag. Es habe sich vor allem um Medikamente, Rollstühle und Lebensmittel gehandelt. 

Ein Dutzend weitere Lastwagen würden am Kontrollpunkt Kerem Shalom abgefertigt. Bis Donnerstag soll die gesamte Ladung der Schiffe gelöscht und in das Palästinensergebiet transportiert werden. Nach Angaben der Organisatoren der Hilfslieferung umfasst die Ladung rund 10.000 Tonnen - vor allem Medikamente und medizinisches Gerät, Lebensmittel, Fertighausteile und Kinderspielzeug.

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