"Unmoralisch"

Pakistan: Islamistinnen stürmen Bordell

Ausland
29.03.2007 22:59
Koranschülerinnen haben in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad eine Bordellchefin und zwei weitere Frauen, denen sie Prostitution vorwarfen, sowie zwei Polizisten in ihre Gewalt gebracht. Die Polizei sei Forderungen nach Schließung des Bordells nicht nachgekommen, sagte am Mittwoch der Vizeleiter der Koranschulen (Madrasas), Abdul Rashid Ghazi. Polizisten hätten ihrerseits vier Lehrerinnen und mehrere Schüler der Koranschulen "entführt" und so die Konfrontation provoziert. Am Donnerstag kamen die entführten Personen schließlich wieder frei.

Die Frauen hatten das Bordell am Dienstagabend gestürmt und die Chefin zur "Umerziehung" in die Madrasas verschleppt. Die beiden Koranschulen - Jamia Faridia für Männer mit 4.500 Schülern und Jamia Hafsa für Frauen mit 6.500 Schülerinnen - liegen im Herzen Islamabads.

Nach eineinhalb Tagen Geiselhaft sagte eine der Frauen am Donnerstag stellvertretend für ihre Mitgefangenen vor Reportern, sie bereue ihre "moralischen Verbrechen". Nach ihrer Freilassung beklagte sie, sie sei in der Koranschule, wohin sie verschleppt worden war, gefesselt und mit Stöcken geschlagen worden. "Wenn der Islam Menschen erlaubt, eine Frau zu fesseln und sie wie einen Hund herumzuziehen, werde ich zum Christentum konvertieren."

Am Mittwochabend hatten sich zahlreiche gewaltbereite Gläubige mit Stöcken vor der Koranschule versammelt (Bild), um die Polizei an der Befreiung der Frauen zu hindern. Prostitution ist in der Islamischen Republik Pakistan verboten. Der Leiter der Koranschule, ein radikaler Prediger und Bin-Laden-Anhänger, drohte mit weiteren Aktionen seiner radikalen Schülerinnen gegen Musikmärkte und Internet-Cafes.


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