Fr, 17. August 2018

Experten-Interview

15.11.2017 17:03

Primar nennt Gründe für Amoklauf-Drohung in Wels

Ein Amoklauf wurde an einer Schule in Wels angedroht. Zwei Schüler (17 und 18) der HTL für Chemie und Ingenieurwesen daraufhin sofort vom Unterricht suspendiert, von der Polizei einvernommen und bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Primar Michael Merl leitet die Kinder-und Jugendpsychiatrie des Linzer Kepler Uni-Klinikums und nennt im Interview mit der "Krone" als Experte Gründe für Amok-Läufe.

"Krone":Wie oft kommen solche Amok-Drohungen von Jugendlichen vor?
Michael Merl: Zum Glück relativ selten, wir haben im Durchschnitt etwa einen derartigen Fall im Jahr.

"Krone": Wie kommen Jugendliche auf solche Gedanken?
Michael Merl: Das passiert im Zuge der Pubertät, durch Krisen und durch soziale Umstände. Solche Jugendliche haben das Gefühl, am Rande zu stehen. Wenn sie jemanden finden, der dasselbe Problem hat, dann können fatale Allianzen entstehen. Die Wut auf die Welt ist für Jugendliche nichts Besonderes, so eine Phase durchlebt wahrscheinlich jeder irgendwann einmal.


"Krone":Aber nicht jeder droht mit einem Amoklauf.
Michael Merl: Wenn sich das zu Fantasien einer Ausweglosigkeit steigert, kann es gefährlich werden. Noch dazu, wenn sich zwei gegenseitig hoch lizitieren. Dann verstärkt sich das Gefühl der Auswegslosigkeit.


"Krone":Wie weit wirken sich Computerspiele aus?
Michael Merl: Nicht jeder, der Ego-Shooter spielt, wird zum Amokläufer. Wenn’s exzessiv wird, dann haben die Jungen ein Insuffizienzgefühl, fühlen sich im Eck.


"Krone":Was können Eltern dagegen machen?
Michael Merl: Präsenz zeigen. Und zwar schon bei kleinen Kindern, nicht erst beim Zwölfjährigen. Die Kinder müssen die Fähigkeit, ihre Emotionen zu regulieren, rechtzeitig lernen, statt im Gefühls-Tsunami unterzugehen. Auch die Lehrer sind gefragt, müssen unterstützend wirken.

Christoph Gantner, Kronen Zeitung

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