29.09.2006 15:47 |

Einschüchterung

Schwager von Saddams Richter ermordet

Unbekannte haben am Freitag in Bagdad den Schwager und den siebenjährigen Neffen von Saddam Husseins Richter (siehe Foto) erschossen. Die Schwester des Kammervorsitzenden am irakischen Sondertribunal, Mohammed al-Uraibi, überlebte den Anschlag auf ihre Familie mit schweren Verletzungen, bestätigte das irakische Innenministerium.

Al-Uraibi leitet seit dem 20. September den Völkermordprozess gegen den früheren Machthaber Saddam Hussein, nachdem sein Vorgänger wegen der angeblich zu laxen Verhandlungsführung abgelöst worden war.

Zunächst war nicht klar, ob ein direkter Zusammenhang zwischen Al- Uraibis Funktion und der Ermordung seiner Angehörigen bestand oder ob diese der zwischen den Religionsgruppen im Irak wütenden Gewalt zum Opfer fielen. Nach den Angaben des Innenministeriums hatte die Familie im Augenblick ihrer Ermordung gerade Möbel transportiert. Dies deutet darauf hin, dass die Verwandten des Richters umziehen wollten.

Bereits sechs Tote rund um Saddam-Prozess
Im chaotischen Umfeld der juristischen Aufarbeitung der Verbrechen des Saddam-Regimes wurden bereits drei von Saddams Anwälten und ein Untersuchungsrichter des Sondertribunals ermordet. In dem am 21. August begonnenen Prozess müssen sich Saddam und sechs weitere Angeklagte wegen einer Militärkampagne gegen die irakischen Kurden in den 80er Jahren mit rund 100.000 Todesopfern verantworten.

Neue Probleme im Irak
Die Türkei drohte indessen dem irakischen Präsidenten Dschalal Talabani mit der Einstellung der Strom- und Treibstofflieferungen in den kurdischen Nordirak, wenn der Irak nichts gegen die dort anwesenden Rebellen der Kurdischen Arbeiterpartei PKK unternehme. Mit einem Stopp der Lieferungen könne die Türkei das öffentliche Leben im Nordirak lahm legen, sagte Außenminister Abdullah Gül dem US-Fernsehkanal "PBS", wie der türkische Nachrichtensender "NTV" am Freitag berichtete. Gül reagierte damit auf Äußerungen Talabanis am Rande der UN-Vollversammlung in New York, die in der Türkei für erhebliche Verärgerung gesorgt haben.

Türkei fordert PKK-Vertreibung aus Nordirak
Laut türkischen Medienberichten hatte Talabani, ein Kurde, die Türkei und andere Nachbarländer vor einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten seines Landes gewarnt und damit die Drohung verbunden, der Irak könne andernfalls oppositionelle Kräfte in diesen Ländern unterstützen. In der türkischen Öffentlichkeit wurde dies auf die PKK bezogen, die Rückzugslager im Nordirak unterhält und ihre Angriffe in der Türkei seit geraumer Zeit wieder verstärkt hat. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sprach von "unglücklichen" Äußerungen Talabanis. Er hoffe, dass es sich um einen "Versprecher" gehandelt habe.