Mo, 23. Juli 2018

Sonne im Kopf

20.10.2016 18:23

Audi A3 Cabrio oder ein versuchter Italienurlaub

Es ist schon fast paradox: In Italien sind Cabrios weit mehr als bei uns Ausnahmeerscheinungen, außerdem ist ein Audi atmosphärisch gesehen das Gegenteil von Italienisch. Und doch fängt für mich der Italien-Urlaub in dem Moment an, als ich bei knapp 50 km/h das Verdeck des Audi A3 Cabrio öffne, obwohl am Himmel die Wolken überwiegen. Lass die Sonne rein und die Gedanken ziehen.

Einfach mal abschalten - das gilt auch für den 1,4-Liter-Benziner meines Testwagens, der bei geringer Last zwei der vier Zylinder stilllegt, um Sprit zu sparen (die Drehzahl muss dafür zwischen 1.400 und 4.000/min und das Drehmoment unter 100 Nm liegen). In der Praxis ist das einer der wenigen Kritikpunkte an dem Wagen, denn im Fall der Abschaltung nervt der ansonsten ausgesprochen leise Motor mit Vibrationen und vermittelt mir das Gefühl, dass ich ihn gleich abwürge. Was natürlich nicht geht, weil das die Siebengang-S-tronic (Doppelkupplungsgetriebe) verhindert.

150 PS sorgen für einen Standardsprint in 9,1 Sekunden und machen das relativ leichte Cabrio zu einem flotten Gesellen, sobald es nach geringer Verzögerung in Fahrt gekommen ist.

Sachte streicht mir der Fahrtwind milde um die Ohren, auf meinem Weg Richtung Süden. In den Kofferraum würde mehr hineinpassen, als ich dabei habe. 275 Liter fasst er bei geöffnetem Verdeck, ist das Dach geschlossen und seine Wanne im Gepäckraum weggeklappt, sind es 320 Liter. Aber auf so einem Kurztrip brauche ich nicht viel mehr als meine Kreditkarte.

Fällt eigentlich jemandem auf, dass das die neueste Version des Audi A3 Cabrio ist? Man könnte lediglich die leicht geänderte Front oder neue Heckleuchtengrafik erkennen, alles andere sieht man gerade nicht. Bi-Xenon-Scheinwerfer sind jetzt serienmäßig, aber ich bin mit den optionalen LED-Lichtern unterwegs. Erstmals gäbe es die gegen weiteren Aufpreis sogar in Matrix-Ausführung, die den Gegenverkehr regelrecht ausblenden kann. Neu wären auch der 115-PS starke 1-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner (aus dem VW Golf) oder der 2.0 TFSI mit 190 PS, den wir schon aus dem Audi A4 kennen.

Sensationell finde ich das Virtual Cockpit, das es erstmals in die Kompaktklasse geschafft hat. Navi-Karten und Satellitenbilder am Tacho sind schon ein beeindruckendes Feature. Elektronik ist überhaupt ein wesentlicher Teil des Updates.

Leidgeprüfte Urlaubs-Stau-Fahrer freuen sich etwa über den brandneuen Stauassistenten, der bis 65 km/h selbsttätig fährt und lenkt, wenn es zäh dahingeht (darüber greift dann der Adaptivtempomat). Ich sehe autonome Fahrfunktionen grundsätzlich eher kritisch, aber ich brauche den Assistenten diesmal zum Glück auch nicht - das Navi zeigt auf meinem Weg keine Behinderungen an und soll Recht behalten.

Ich drücke den dezidierten Knopf an der nüchtern-eleganten Konsole und lasse das Display einfahren. Warum soll ich auf einen bunten oder schwarzen Bildschirm schauen, wenn ich ihn nicht brauche? Und warum geht das bei anderen Herstellern nicht? Allerdings stellt sich auch die Frage, warum sie bei Audi so auf unten abgeflachte Lenkräder stehen.

Zwischendurch stelle ich den Fahrmodus auf Sport, was die leichte Anfahrverzögerung zwar nicht eliminiert, aber doch ein bisschen mehr Muskelspannung ins System bringt. Sport muss sein, angesichts der besten Pizza seit Langem, die mich erwartet. Dazu Vorspeise, Salat, Nachtisch und perfekter Espresso, pardon, Caffé.

Immer aus dem Vollen schöpfen, das gilt auch für meinen Testwagen, der auf einen Listenpreis von knapp 56.000 Euro kommt. Klar könnte man den Audi A3 Cabrio schon ab 33.850 Euro ordern, dann hat man halt weder Adaptivtempomat noch Stauassistent, weder LED noch MMI Navi plus, kein Virtual Cockpit oder auch nur ein klassisches Verdeck statt der "Akustik"-Variante, die es im Innenraum herrlich ruhig macht. Okay, auf die ganze S-Line-Optik könnte ich beim Cabrio verzichten.

Ich bin am Ziel. Vor dem Aquädukt biege ich ab und rolle ins Ortszentrum. Blicke folgen mir, wahrscheinlich wegen des Lacks in der Farbe von Tomatenmark. Da ist auch schon meine Lieblingspizzeria, Pino in Mödling. Blöd nur, dass die noch geschlossen hat. Vielleicht hätte ich doch nicht morgens um sieben losfahren sollen. Dabei heißt es doch immer, man soll möglichst früh in den Urlaub starten…

Warum?

  • Aus dem Audi A3 Cabrio ist ein richtig feines Auto geworden.
  • Gute Mischung aus emotionaler Offenheit und deutsch-technischer Nüchternheit

Warum nicht?

  • Die Zylinderabschaltung stört den positiven Gesamteindruck.

Oder vielleicht …

… den 190-PS-Benziner nehmen. Oder auf das VW-Golf-Cabrio warten.

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