Mo, 17. Dezember 2018

Fünf-Sterne-Bewegung

20.06.2016 06:07

Rom: Erstmals Frau an Spitze der Stadtregierung

Bei den Bürgermeister-Stichwahlen in Italien, zu denen am Sonntag 8,5 Millionen Menschen in 126 Gemeinden aufgerufen waren, konnte die europakritische Fünf-Sterne-Bewegung einen unerwartet großen Erfolg feiern. Die Kandidatinnen der vom Starkomiker Beppe Grillo gegründeten Protestgruppierung behaupteten sich laut fast endgültigen Wahlergebnissen in Rom und in Turin. Die Partei von Premier Matteo Renzi erlitt in zahlreichen Gemeinden zum Teil herbe Niederlagen.

Grillo-Kandidatin Virginia Raggi setzte sich in Rom mit einem Erdrutschsieg von 67,5 Prozent vor Roberto Giachetti von Renzis Demokratischer Partei (PD) durch, der sich mit der Hälfte der Stimmen - 32,5 Prozent - begnügen musste. Die Rechtsanwältin galt bereits im Vorfeld als Favoritin für die Bürgermeisterwahl in der italienischen Hauptstadt. Raggi ist nun die erste Frau, die als Bürgermeisterin das Steuer in Rom übernimmt.

"Das ist ein historisches Ergebnis. Dieser Sieg ist ein extrem wichtiges Signal für Italien. Wir sind eine regierungsfähige Partei. Wir werden beweisen, dass wir Rom und Turin regieren können", so Carla Ruocco vom Führungsgremium der Fünf-Sterne-Bewegung. Diese verspricht nun nicht weniger als die Verwaltung der italienischen Hauptstadt grundlegend zu ändern bzw. verkrustete Strukturen aufzubrechen. Raggi sagte wenig bescheiden: "Es bricht eine neue Ära an."

Turin: Grillos Partei überrascht
Als große Überraschung dieser Stichwahlen gilt der Erfolg der 31-jährigen Grillo-Kandidatin Chiara Appendino in Turin. Die junge Unternehmerin setzte sich unerwartet mit 56,7 Prozent der Stimmen gegen den scheidenden Bürgermeister Piero Fassino durch, der lediglich 43,3 Prozent der Stimmen erreichte. Der von Premier Renzi unterstützte Fassino war als klarer Favorit in das Bürgermeisterduell gegangen und mit einem Vorsprung von elf Prozent in die Stichwahl gegen Appendino gezogen.

Lega Nord: "Italiener glauben Renzi nicht mehr"
Fassinos Niederlage in Turin gilt als schwere Blamage für Renzi. "Die Italiener glauben Renzi nicht mehr", kommentierte der Chef der ausländerfeindlichen Oppositionspartei Lega Nord, Matteo Salvini, das Wahlergebnis.

Bologna und Mailand: Knappe Siege für Regierungspartei
Eine schmerzhafte Niederlage musste Renzi auch in Triest verkraften. Der seit 2011 amtierende Mitte-links-Bürgermeister Roberto Cosolini, der auf ein zweites fünfjähriges Mandat gehofft hatte, schaffte es mit 46,8 Prozent der Stimmen lediglich auf Platz zwei. Cosolini unterlag seinem Rivalen aus dem Mitte-rechts-Lager um Ex-Premier Silvio Berlusconi, Roberto Dipiazza, der 52,6 Prozent der Stimmen eroberte. Dipiazza hatte die ehemalige habsburgische Hafenstadt bereits von 2001 bis 2011 regiert. In Mailand und Bologna behaupteten sich Renzis PD-Kandidaten zwar, allerdings mit knappen Mehrheiten.

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