Mi, 18. Juli 2018

SUV-Erstling

13.06.2016 04:00

Seat Ateca: Was kann die spanische Kampfansage?

Ja, Seat ist spät dran mit seinem ersten SUV, aber who cares? Jetzt ist er da, der Seat Ateca, und wie! Zum Kampfpreis ab 19.990 Euro liefern die Spanier auf den Punkt ab, was es braucht: knackiges Design, viel Platz auf geringen Abmessungen, effiziente Motoren, eine Assistenten-Phalanx und natürlich Konnektivität, so viel man braucht.

Bis Anfang Juni wurden allein in Österreich bereits 550 Stück bestellt, dabei ist Markteinführung erst am 8./9. Juli. Das ist einerseits mutig, andererseits hat man den Ateca ja bereits auf dem Genfer Autosalon bestaunen können, und was die Fahreigenschaften betrifft, muss man im VW-Konzern nicht vor bösen Überraschungen auf der Hut sein. Sollte noch einer der frühen Vögel Zweifel haben - ihr habt alles richtig gemacht. Auch wenn Seat-Österreich-Geschäftsführer Wolfgang Wurm meint, er persönlich würde grundsätzlich kein Auto bestellen, wenn er es nicht vorher gefahren hat.

Der hat sich im Konzern weit aus dem Fenster gelehnt und bietet den Ateca in Österreich mit fünf Jahren Garantie an (bis 100.000 km). Aller Ehren wert, dieser Vorstoß, wo doch sonst bei den VW-Marken ohne Aufpreis nur zwei Jahre üblich sind, auch beim Ateca - jedenfalls außerhalb Österreichs. Und noch etwas bereitet Wurm eine geradezu diebische Freude: Seat hat es geschafft, den Ateca zum leichtesten SUV des VW-Konzerns zu machen. 1205 kg Leergewicht ohne Fahrer (für das Einstiegsmodell mit Dreizylinder-Benziner) sind in dieser Klasse (wir reden hier von einem SUV!) eine echte Ansage.

Dabei helfen die sehr kompakten Abmessungen. Mit 4,36 m (bei 2,63 m Radstand) ist der Seat Ateca sogar 17 cm kürzer als der Seat Leon Kombi, bietet aber dank hervorragender Raumausnutzung nicht zu wenig Platz. Schon auf den Vordersitzen habe ich das Gefühl, die Türen machen sich schmal, so luftig geht es da zu. Auf der Rückbank kann man sogar schon von Opulenz sprechen: Hinter dem für mich eingestellten Fahrersitz entspanne ich mit überschlagenen Beinen - bei 1,88 m Körpergröße.

Detto der Kofferraum: 515 Liter passen beim Fronttriebler hinein (485 Liter beim Allradler); klappt man die serienmäßig 2/3 zu 1/3 geteilte Rücklehne um, sind es 1604 bzw. 1579 Liter. Die Ladekante ist angeblich die klassenniedrigste, die Heckklappe öffnet und schließt sich optional durch einen Tritt auf das "virtuelle Pedal", wie sie bei Seat sagen, also per Fußkick unters Heck.

Das Design ist bestechend; charakterstark statt aggressiv, heißt es bei Seat, jedenfalls zeigt der Ateca Kante. Eine wichtige Rolle spielt das zackige (serienmäßige!) LED-Tagfahrlicht, das als Blinker die Farbe wechselt. Die hohe Schulterlinie suggeriert Sicherheit, die schmalen Seitenfenster machen den Wagen optisch schnell, das Heck könnte auf den ersten Blick auch zum künftigen Skoda-Yeti-Nachfolger passen, auf den zweiten erkennt man dann doch die spanische Handschrift.

Technisch gesehen schöpft Seat aus dem Vollen, nämlich aus dem Modularen Querbaukasten (MQB), der inzwischen einer ganzen Flotte zugrunde liegt, von VW Golf über Skoda Superb bis hin zu VW Passat und VW Tiguan.

Zwei Benziner, drei Diesel zur Auswahl
Aus dem MQB stammen auch die Motoren. Drei Zylinder verschaffen dem Einliter-Einstiegsbenziner 115 PS, was für 11 Sekunden von Null auf 100 km/h reicht. Der stärkere Ottomotor hat einen Zylinder mehr, misst 1,4 Liter und schafft mit seinen 150 PS den Standardsprint in sportlichen 8,5 Sekunden. Obwohl er sein maximales Drehmoment von 250 Nm bereits bei 1500/min. erreicht, wirkt er im Alltag nicht sehr harmonisch, weil die Kraft sehr plötzlich einsetzt. Sobald der ideale Drehzahlbereich erreicht ist, geht es aber sehr munter dahin. Darunter - gerade bei steilen Bergauffahrten - kann es etwas zäh werden.

Bei den Dieseln hat man die Wahl zwischen drei Vierzylindern: 1,6 Liter mit 115 PS (ab 23.590 Euro) sowie 2,0 Liter mit 150 PS oder 190 PS, wobei der stärkste Selbstzünder nur mit Topausstattung, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb zu haben ist. Da sind wir dann schon bei Liste 37.490 Euro. Klingt viel, ist aber eine gute Wahl. Nicht nur weil es der sportlichste Ateca ist (0-100=7,5), sondern weil er sich ausgesprochen gut fährt. Zugegeben, ich hätte ihm die 190 PS nicht zugetraut, aber mit 400 Nm ab 1750 Nm geht richtig was weiter. Und zwar überall. Die Allradversionen trumpfen mit den zwei Extra-Fahrprogrammen Schnee und Gelände auf, außerdem mit Bergabfahrhilfe. Mit 5 Liter Normverbrauch gibt sich die stärkste Ateca-Motorisierung auch vor dem grünen Gewissen keine Blöße. Sparefroh im Bunde ist natürlich der kleinste Diesel, mit 4,2 l/100 km.

Und wie fährt sich der Ateca?
Im besten Sinne unauffällig. Auch auf schnell gefahrenen kurvigen Bergstraßen kommt weder das Fahrwerk, noch der Fahrer aus der Ruhe, die Lenkung vermittelt so viel Kontakt zur Fahrbahn wie nötig, auch wenn sie für meinen Geschmack eine Spur weniger leichtgängig sein dürfte. Das Umschalten auf den Sportmodus schafft etwas Abhilfe. Komfort und Straffheit halten sich gut die Waage.

Um die Offroad-Fähigkeiten vorzuführen, hatte Seat am Hafen von Barcelona einen Hindernisparcours aufgebaut, der den einen oder anderen Journalisten mehr forderte als den Ateca. Wie inzwischen üblich, kann er mehr, als ihm vermutlich je abverlangt wird. Sehr praktisch für enges Rangieren in der Stadt: Mit vier Kameras rundum zaubert der Ateca so vielfältige Perspektiven auf das Display, dass Seat uns bei der Präsentation sogar mit abgeklebten Scheiben vorwärts und rückwärts durch einen Handlingkurs geschickt hat:

Bremst serienmäßig für Fußgänger
Was man halt so Basisausstattung nennt: Der Seat Ateca kommt generell mit City-Notbremsfunktion samt Fußgängererkennung, sieben Airbags inkl. Fahrer-Kniebag, Multikollisionsbremse, Müdigkeitserkennung und Berganfahrhilfe.

Die "Kassengestellversion" des Ateca namens Reference wird dennoch wohl kaum jemand bestellen, so verlockend ein Preis unter 20.000 Euro auch ist; aber legt man noch das Österreichpaket um 1390 Euro drauf, wüsste ich jetzt nicht, was einem Gravierendes fehlt: Bluetooth-Freisprecheinrichtung, 2-Zonen Climatronic, Parkpiepser hinten, Tempomat und noch einiges mehr sind dabei. Danke, passt!

Aber Seat entwickelt sich als Marke weiter und spricht trotz günstiger Preise weniger die Sparfüchse an, die zur Minimalversion greifen, sondern wird immer begehrenswerter für junge Autofahrer, die sich etwas gönnen wollen (am Rande bemerkt: Mit 42 Jahren im Durchschnitt hat Seat die jüngsten Kunden überhaupt). 90 Prozent der Frühbesteller haben die Topausstattung Xcellence (50%) oder das mittlere Niveau Style (40%) geordert.

Zu haben ist zwar nicht alles, aber ziemlich viel von dem, was der Konzernbaukasten hergibt, vom Adaptivtempomaten über den automatischen Einparker bis hin zum Stauassistenten, der bis 60 km/h selbsttätig der Herde folgt. Für Lichtspiele sorgen in der Xcellence-Ausstattung Voll-LED-Scheinwerfer sowie das Welcome Light", das einen stilisierten Ateca samt Schriftzug auf den Boden vor den Vordertüren strahlt.

Konnektivitätsmäßig spielt er alle Stückln, wenn man's mitbestellt, von MirrorLink über Android Auto bis Apple CarPlay. Verzichten müssen wir auf das Head-up-Display, das mir im VW Tiguan so gut gefällt, ebenso auf das digitale Cockpit.

Ansonsten ist nicht viel davon zu merken, dass wir hier in einer der beiden günstigen Baureihen des VW-Konzerns sitzen. Die Anmutung ist schwer in Ordnung, die Mittelkonsole leicht dem Fahrer zugeneigt. Da gab es schon "billigere" Seats.

Unterm Strich
Seat ist seit geraumer Zeit in der Erfolgsspur - mit dem Ateca werden die Spanier aus dem Jubilieren nicht mehr herauskommen. Das kompakte SUV ist nicht nur kommenden Skoda Yeti. Und wenn nächstes Jahr noch der kleine Bruder des Ateca auf den Markt kommt, geht's sowieso rund. Insgesamt verspricht Seat für die kommenden 18 Monate vier neue Baureihen. Ironie des Konzerns: Der Ateca wird bei Skoda in Tschechien gebaut. Quasi als Kuckucksei. Aber es bleibt ja in der Familie.

Warum?

  • Was lange wartet, ist sehr gut geartet, oder so.
  • Fährt gut, schaut gut aus, kann viel, ist günstig - sonst noch was?

Warum nicht?

  • Der 1,4-Liter-Benziner wäre besser ohne das deutliche Turboloch.

Oder vielleicht …

… Nissan Qashqai, Renault Kadjar, VW Tiguan, Ford Kuga, Kia Sportage

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