Der Überwachungs-Wahn des Kremls wird immer schlimmer: Selbst Beamte, Abgeordnete und Top-Manager staatlicher Unternehmen wollen den aufgezwungenen nationalen Messenger Max nicht verwenden. Befürchtet wird, dass die Anwendung ihre Nutzer zur Gänze ausspioniert.
Seit Mitte März funktioniert in Russland der Messenger Telegram nicht mehr. Nutzer beschweren sich, dass sie weder Nachrichten ansehen noch Fotos und Videos hochladen können. Von der russischen Tageszeitung „Kommersant“ befragte Experten vertreten die Meinung, dass die Blockierung des Nachrichtendienstes im flächenmäßig größten Land der Welt bereits begonnen hat.
Gerüchten zufolge soll das Programm dort ab 1. April seinen Betrieb komplett einstellen müssen. Die Messenger Signal und Viber sind bereits blockiert. Zahlreiche andere Dienste und Webseiten wie Youtube sind ohne VPN (virtuelles privates Netzwerk) nicht mehr aufrufbar.
„Maxophon“ als Ausweg?
Laut dem unabhängigen Nachrichten-Netzwerk „Faridaily“ versuchen Beamte und Abgeordnete nun, der Überwachung mit der Anschaffung eines zweiten Smartphones – scherzhaft „Maxophon“ getauft – zu entgehen. Allein für die Kommunikation mit Arbeitskollegen würde Max nämlich dringend benötigt.
Ein Top-Manager einer der Staatsbanken antwortete vor einigen Wochen auf die Frage, warum er sich bei Max registriert habe: „Ich bin gerade in Dubai, habe (Max, Anm.) heruntergeladen, um (mit Kollegen aus Moskau zu telefonieren, Anm.). Wenn ich zurückkomme, werde ich es verdammt noch mal löschen.“
Berichte legen nahe, dass die Anwendung Nutzermetadaten speichert, darunter IP-Adressen, Kontaktlisten und Aktivitätszeiten. Die Datenschutzrichtlinie erlaubt die Weitergabe dieser Daten an Dritte, mitunter auch an staatliche Behörden. Laut einem der Regierung nahestehenden Mitarbeiter „denken alle, wenn du Max auf deinem Telefon installiert hast, dann kannst du dein Handy gleich zum Geheimdienst FSB bringen.“
Putins Sprecher pfeift bislang auf Max
„Faridaily“ weist darauf hin, dass sich bislang der Pressesprecher des russischen Präsidenten Dmitri Peskow noch nicht bei Max registriert hat. Hingegen setzen demnach die Vertreterin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa, Verteidigungsminister Andrej Beloussow und Finanzminister Anton Siluanow bereits auf den umstrittenen Messenger.
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