Fast 50 Jahre im Amt
Ilia II.: Geistlicher Führer Georgiens gestorben
In der Südkaukasusrepublik Georgien ist Patriarch Ilia II. im Alter von 93 Jahren nach fast einem halben Jahrhundert im Amt gestorben. Ilia II. galt als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten in der Geschichte des unabhängigen Georgiens und als geistlicher Führer der Nation.
Der Patriarch war am frühen Morgen mit einer massiven Magenblutung in das Kaukasische Medizinische Zentrum gebracht worden. Kurz vor seinem Tod fanden sich dort die wichtigsten Vertreter des Landes ein, darunter auch der Milliardär BidsiBidsina Iwanischwili, der engste Kontakte zum Patriarchen pflegte und wichtigster politischer Strippenzieher des Landes ist.
„Er war eine epochale Persönlichkeit. Dies ist ein großer Verlust für die gesamte orthodoxe Kirche weltweit“, sagte der Stellvertreter des Patriarchen, Metropolit Schio Mujiri. „Er hat eine ganze Epoche geprägt.“ Bei vielen prowestlichen Georgiern stand er in der Kritik, weil er mit seinem politischen Einfluss und wegen des Bestehens auf traditionellen Werten eine proeuropäische Entwicklung des Landes behinderte.
Ilia II., der in der russischen Stadt Wladikawkas im Nordkaukasus am
4. Jänner 1933 mit bürgerlichem Namen als Irakli Guduschauri-Schiolaschwili geboren wurde, stand seit Dezember 1977 an der Spitze der georgisch-orthodoxen Kirche. Als er im Alter von 44 Jahren noch in der Ex-Sowjetrepublik Georgien Patriarch wurde, als nur wenige Menschen in die Kirche gingen, schlug er ein neues Kapitel in der Geschichte der Kirche des Landes auf.
Autorität über alle politischen Lager
Das Patriarchat gilt weiter als eine der einflussreichsten Institutionen des Landes. Ilia II. war laut Umfragen als Autorität über alle politischen Lager anerkannt. Während seines Patriarchats vergrößerte sich die Zahl der Gläubigen um ein Vielfaches, in zuvor geschlossenen Kirchen fanden wieder Gottesdienste statt, und im Land wurden neue Kirchen gebaut – darunter die Kathedrale der Heiligen Dreifaltigkeit in Tiflis.
Während seiner Amtszeit gab es einschneidende historische Ereignisse in dem Land, darunter der Zerfall der Sowjetunion, der Krieg mit Russland 2008 und politische Umwälzungen. 2016 traf er in Tiflis auch Papst Franziskus – auf dessen von Spannungen zwischen den christlichen Konfessionen begleiteter Reise im Südkaukasus.
Landesweite Trauer
Der Leichnam des Oberhauptes der georgisch-orthodoxen Kirche soll am Mittwoch in die Sameba-Kathedrale überführt werden. Landesweit ist Trauer angesetzt.









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